Immekath l Mit zwei Anliegen, „angenehm und unangenehm“, hat sich Sybille Schulze jüngst an den Immekather Ortschaftsrat gewandt. Zum einen bedankte sich die Einwohnerin für die Unterstützung, die der Rat beim Kampf gegen die geplante 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung geleistet habe. Von der Trasse zwischen Kunrau und Tylsen, die das Landschaftsbild verschandelt hätte, wäre auch Immekath betroffen gewesen, wie Schulze sagte. Statt der Hochspannungsleitung werde es nun ein Erdkabel geben. „Das glaube ich aber erst, wenn ich es sehe. Dann fällt mir ein Stein vom Herzen“, bekräftigte Schulze. Bis dahin werde an ihrem Auto weiterhin ein Aufkleber der Bürgerinitiative (BI) „Pro Erdkabel“ prangen. Zum anderen deute sich nun aber das nächste „schreckliche“ Szenario an, das den Immekathern zum Nachteil gereichen würde, wie Schulze berichtete.

Ortschef soll drei Fragen beantworten

Ihren Informationen zufolge solle in der Umgebung von Nesenitz nämlich ein Windpark errichtet werden. Sie wisse von mindestens drei Personen, die von einem Investor angesprochen worden seien. „Ich kann die Leute ja irgendwie verstehen“, bekannte Schulze. Schließlich würden für deren Grundstücke große Summen geboten. „Aber den Schaden hat die Masse der Bevölkerung“, die unter den Geräuschen und den blinkenden Positionslichtern zu leiden hätte. Außerdem, so befürchtete die Einwohnerin, würde das Jeetze-Tal und somit auch die dort ansässige Natur in Mitleidenschaft gezogen, falls tatsächlich ein Windpark entstehen sollte. Sybille Schulze mochte gar nicht daran denken: „Fürchterlich.“

Ob es wirklich Planungen zu einem Windpark gebe, das habe sie bei der Stadt Klötze nicht in Erfahrung bringen können. Daher bat sie den Ortschaftsrat um Klärung von drei Fragen. Erstens: Gibt es in der unmittelbaren Nähe von Immekath ein Vorranggebiet für Windräder? Zweitens: Mit wie vielen Windrädern ist zu rechnen? Und drittens: Wie hoch werden die Anlagen sein? Ortsbürgermeister Peter Gebühr antwortete, dass er von den Gerüchten ebenfalls schon gehört und sich daher gleichsam an die Stadt Klötze gewandt habe. Ohne Ergebnis. Er vermutete, dass es sich bei den Investoren um dieselben handelt, deren Windkraftvorhaben in Siedenlangenbeck Ende 2018 gescheitert waren. Gebühr gab Sybille Schulze ein Versprechen: „Ich werde alles tun, damit so was nicht hierher kommt.“ Alleine sei das aber nicht zu schaffen. Darum sei die Gründung einer BI überlegenswert.

Seltene Arten müssen geschützt werden

Sein Ratskollege Jens Stolle konnte sich daran erinnern, dass bereits vor einigen Jahren beabsichtigt worden sei, Windräder in der Gemarkung aufzustellen. Damals habe der Gemeinderat entschieden, dass vier Anlagen das Maximum des Erträglichen seien. Seiner Ansicht nach habe dieser Beschluss immer noch Gültigkeit. Stolle wies aber auch darauf hin, „dass wir nichts ausrichten können“, wenn die Windräder außerhalb von Immekath gebaut würden. Nichtsdestotrotz, „wir müssen am Ball bleiben“, gab er die Parole aus.

Ratsherr Hans-Jürgen Zeitz fand es „schlimm“, dass der Immekather Ortschaftsrat erst von einer Bürgerin über die Windpark-Pläne in Kenntnis gesetzt werde. Dass diese zur Realität werden könnten, mag er sich gar nicht vorstellen. Zumal in dem vermeintlich favorisierten Gebiet seltene Vogelarten wie Rotmilan, Wiesenweihe und Waldkauz beheimatet seien. Dort Windräder hinzusetzen, wäre deshalb allein schon aus Naturschutzgründen mehr als bedenklich, konstatierte Zeitz. Er regte an, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Windräder zu verhindern. „Das dürfen wir nicht zulassen“, forderte Zeitz.

Peter Gebühr sah das genauso. Insbesondere ärgerte er sich darüber, dass der Investor seine Pläne „hinter vorgehaltener Hand“ vorantreibe. „Das geht gar nicht“, schimpfte er und sicherte Sybille Schulze, die den Anschluss an die BI „Pro Jetzetal“ empfahl, erneut die volle Unterstützung des Ortschaftsrates zu. Eine Volksstimme-Nachfrage bei dem potenziellen Investor blieb bis dato unbeantwortet.