Gardelegen l Die Bevölkerung wird immer älter. Auch wenn viele Senioren sich im Alter fit und gesund halten und oftmals noch flott unterwegs sind, steigt mit dem Alter auch das Risiko von Krankheiten. Und dennoch wollen viele Menschen auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben führen und in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

Die Gardelegener Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) hat sich dieser Problematik angenommen und ein Fahrstuhlprojekt aufgelegt. „Denn mit einer Treppe im Haus ist das oftmals nicht mehr möglich“, sagt Wobau-Geschäftsführer Wolfgang Oelze.

Nach dem Pilotprojekt des Landes im demografischen Bauen an der Straße der Freundschaft 10-12 mit der Komplettsanierung des Plattenbaus und mit dem Anbau von Fahrstühlen wird die Wobau das Fahrstuhlprogramm fortsetzen. Bereits im vorigen Jahr wurden die Eingänge an der Gartenstraße 5, 7, 9 und 11 mit Aufzügen ausgestattet.

Alte Treppen raus, neue rein

Jetzt folgen die nächsten Eingänge des Plattenbaus an der Gartenstraße. Dazu wird quasi das Treppenhaus aufgesägt. Denn verbunden mit dem Fahrstuhlanbau ist auch der Einbau eines neuen Treppenhauses, um die entsprechenden Höhenunterschiede angleichen zu können. „Und das macht das Ganze so teuer“, betont Oelze.

Dazu müssen sich alle Mieter für eine Woche auch eine neue Bleibe suchen. Wer nichts findet, wird von der Wobau in eine Pension oder in ein Hotel vermittelt. „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut“, zeigt Oelze sich erfreut. Die Unterkunft bezahle natürlich die Wobau. Verpflegen müssen sich die Mieter aber selbst. Am 26. September sind die Mieter des Eingangs Nummer 13 gerade erst wieder eingezogen. „In einer Woche das alte Treppenhaus raus und das neue rein, das ist schon beachtlich“, so Oelze.

In der vorletzten Oktoberwoche wird der nächste Eingang, die Nummer 15, ausziehen. Dann wird dort das neue Treppenhaus eingebaut. Danach wird das Ganze natürlich noch renoviert.

Kosten von vier Millionen

Insgesamt werden alle elf Eingänge der Gartenstraße mit 110 Wohnungen und fünf Etagen mit einem Aufzug ausgerüstet. Die Wobau kann dafür ein spezielles Förderprogramm nutzen, nämlich das Aufzugsprogramm Sachsen-Anhalt. Das läuft zwar in diesem Jahr aus, die Wobau hat aber die Zusage für den gesamten Block.

Pro Fahrstuhl gibt es einen Zuschuss von 100.000 Euro. Insgesamt kostet jeder Aufzug 350.000 Euro. Wenn alles fertig ist, hat die Wobau dann insgesamt gut vier Millionen Euro investiert – einschließlich der gut eine Million Euro Fördergeld.

Von 1.400 Wohnungen der Wobau werden dann 200 Wohneinheiten ebenerdig erreichbar sein. Der Bedarf sei vorhanden. „Es wird jetzt schon gezielt nachgefragt, ob die Blöcke mit Fahrstühlen ausgestattet sind“, sagt Oelze. Auch für junge Familien mit kleinen Kindern ist das wichtig, um mit Kinderwagen und Einkaufstaschen bequem zu ihren Wohnungen zu gelangen – ohne Treppensteigen.

Verbunden mit der Vier-Millionen-Investition sind auch Mieterhöhungen, allerdings nur minimal. Bisher waren es 3,90 Euro pro Quadratmeter kalt, mit dem Fahrstuhleinbau kommen 35 Cent dazu.

Bei Neuvermietungen ab dem 1. Januar 2021 sieht das etwas anders aus. Für eine 60 Quadratmeter große Wohnung werden dann 4,80 Euro pro Quadratmeter fällig. Für größere Wohnungen sind es 4,70 Euro. Die Wobau würde das Fahrstuhlprogramm auch gern fortsetzen. Allerdings sei das abhängig von Fördermitteln, betont Oelze.

Ob ein neues Programm aufgelegt wird, sei noch nicht bekannt. Allerdings könne nicht jeder Block mit Fahrstühlen ausgerüstet werden, da der benötigte Platz nicht überall vorhanden ist, erläutert Oelze. Dazu gehöre beispielsweise der gegenüber liegende lange Block mit zehn Eingängen an der Straße der Befreiung. Ein Fahrstuhlanbau könnte eventuell noch an der Straße der Republik möglich sein.