Roxförde l Genau genommen müsste es ja eigentlich Eiersingen heißen, denn gesammelt werden vor allem Eier beim Wurstsingen in Roxförde. Das liege aber in der Tradition begründet, erzählten aktive Wurstsinger. Denn ganz, ganz früher waren es die Knechte, die zu Neujahr durchs Dorf zogen und vor allem Wurst und Getränke sammelten, um nach einem Jahr harter Arbeit auch einmal feiern zu können. Seit 1987 ist das etwas anders. In diesem Jahr nämlich wurde die Roxförder Wurstsängertradition nach langer Pause wieder aufgenommen – von der Dorfbevölkerung beschlossen 1986 bei der 1200-Jahr-Feier. Seit 1987 ziehen die Aktiven also wieder durchs Dorf – bei jedem Wetter. „Ausgefallen ist das bisher nicht“, betonte Gisbert Lübke, der als Doktor allen voran im Umzug die Roxförder in jedem der etwa 80 Haushalte begrüßte, die Pille überreichte und alle guten Wünsche fürs neue Jahr übermittele. Sein Assistent, Arndt Paasche, verteilte dazu noch die flüssige Medizin.

550 Eier, viel Wurst und ganz viele Getränke

Zu den Traditionsfiguren gehörten zudem Kiepenträger Tom Müller und Jeremy Brandt, Getränkewagenführer Jonas Feilhaber und Jonas Benecke, Kassierer Christoph Lindecke, Buchhalter Daniel Weis, die Eierfrauen Martin Schulze und Christian Hietel und die beiden Gendarmen Andreas Brandt und Michael Thiele, die für Ordnung und Sicherheit sorgten. Nach dem Umzug stärkten sich die Aktiven mit Eierback im Dorfgemeinschaftshaus. Am Abend feierte dann die gesamte Dorfgemeinschaft. Und dafür hatten die Roxförder wieder reichlich gespendet. 550 Eier – soviel wie noch nie – konnte Buchhalter Daniel Weis notieren. Zu den Gaben gehörten zudem 11 Stück Speck, 17 Leberwürste, 12 Rotwürste und 41 Schlackwürste. Dazu kamen noch Getränke: 13 Flaschen Kräuter, 5 Flaschen Korn, 5 Flaschen Weinbrand, 18 Flaschen Likör, 20 Flaschen Sekt und 23 Flaschen Wein. Vieles wurde zwar am Sonnabendabend verzehrt, aber bei Weitem nicht alles. Vor allem nicht die Getränke. Die werden dann beim Weihnachtsbaumverbrennen auf dem Sportplatz noch einmal angeboten.

Inzwischen findet beim Roxförder Wurstsingen ein deutlicher Generationswechsel statt. So hat beispielsweise Eierfrau Günter Helling den aktiven Dient quittiert, ebenso Gerald Feilhaber, der bis dato im Umzug den Gendarmen mimte. „Ich bin jetzt quasi im Vorruhestand. Ich gehe natürlich noch mit. Aber die Aufgaben kann jetzt die Jugend übernehmen“, sagte Feilhaber, der mit seiner bunten Perücke und blauer Brille kaum zu erkennen war. Jeremy Brandt (14) war zwar beim Wurstsingen schon oft mit dabei. In diesem Jahr hat er erstmals die Aufgabe des Kiepenträgers übernommen. Und Vater Torsten Brandt ist neuer Gendarm.

Bilder