Roxförde l Sie sangen, sie tanzten, sie musizierten – und sie verteilten Medizin für ein gesundes, neues Jahr. Beim traditionellen Roxförder Wurstsingen waren am Sonnabend wieder viele Dorfbewohner mit dabei. „Rund 60“, wie es Ortsbürgermeister Ulf Müller kurz bilanzierte. Und davon hatten zwei eine durchaus lustige, aber zugleich sehr traditionelle Aufgabe. So spielten Michael Thiele und Gerald Feilhaber für das Wurstsingen die Gendarmen. Aufgabe: Geld eintreiben! Wie? „Da gibt es gleich was zu fotografieren“, sagte Ulf Müller. Schon von Weitem konnte man am Sonnabend zwei Autoscheinwerfer erkennen. Je näher das Fahrzeug aus dem Lankreis Börde kam, desto langsamer wurde es. Verständlich, da am Ortsausgang von Roxförde alle Wurstsinger auf der Straße standen. Kurzerhand hielten Michael Thiele und Gerald Feilhaber den Pkw an, um eine Spende zu bitten. „Ich finde, dass es eine schöne Tradition ist. Darum habe ich etwas gespendet“, sagte Fahrerin Rita Walkowiak fröhlich, die gerade auf dem Weg nach Letzlingen war, um ihr Enkelkind nach Hause zu fahren.

Neben den beiden Gendarmen waren jedoch noch einige andere Roxförder am Wurstsingen beteiligt. So zum Beispiel Gisbert Lübke, der als Doktor die Pillen verabreichte, sein Assistent Arndt Paasche, der flüssige Medizin zum Nachspülen anbot, die Kiepenträger Jonas Feilhaber und Tom Müller, Getränkewagenführer Daniel Weis, Kassierer Christoph Lindecke, die als Eierfrauen verkleideten Martin Schulze und Günter Helling, Buchhalter Christian Hietel, der alle Spenden säuberlich notierte, sowie noch einige andere.

Tradition im Jahr 1987 wieder aufgenommen

Die versammelten sich im Anschluss im ehemaligen Dorfgemeinschaftshaus des Kleinods. „Dort werden wir unser Eierback-Essen veranstalten und im Anschluss alles für die Abendveranstaltung herichten“, erklärte Ortsbürgermeister Ulf Müller. Denn da trafen sich dann die Einwohner, die am Umzug teilgenommen, sowie die, die etwas gespendet hatten, erneut, um gemeinsam zu Abend zu essen.

Bilder

Bei der uralten und 1987 wieder aufgenommenen Dorftradition ziehen die Roxförder bunt verkleidet von Haus zu Haus, übermitteln allen Einwohnern alles Gute fürs neue Jahr und haben stets sichtlich viel Freude. Auch daran zu zählen, was denn eigentlich alles gespendet wurde. So erhielten die Wurstsinger in diesem Jahr 488 Eier, 8 Rotwürste, 13 Leberwürste, 36 Schlackwürste, 11 Speckstücke, 4 Jagdwürste und eine Vielzahl an Spirituosen. „Das ist eine Hausnummer“, resümierte Ulf Müller am Sonntag nach der Veranstaltung.