Ehejubiläum

1951 lernte Anneliese Polei ihren Siegesmund kennen, heute sind die beiden seltene 67 und einhalb Jahre miteinander verheiratet

Solch' ein Ehejubiläum ist sehr selten: seit 67 und einem halben Jahr gehen Anneliese und Siegesmund aus Genthin den gemeinsamen Lebensweg. Auf zwei Töchter, einen Sohn, fünf Enkel- und sechs Urenkel ist ihre Familie angewachsen.

Anneliese und Siegesmund Polei feiern Steinhochzeit, sind 67 einhalb Jahre miteinander verheiratet.
Anneliese und Siegesmund Polei feiern Steinhochzeit, sind 67 einhalb Jahre miteinander verheiratet. Foto: Susanne Christmann

Genthin - sm

Selbstverständlich hat Siegesmund Polei seiner Anneliese am Samstag zur Feier des Tages, ihrer Steinhochzeit, persönlich den festlichen Blumenstrauß besorgt und überreicht. Auch nach 67 einhalb Jahren Ehe kümmert sich der Gentlemen alter Schule gemeinsam mit seiner Frau um alles, ob es nun das Häuschen betrifft oder die Organisation dieser Feier zu seltenen Steinhochzeit im Hotel Stadt Genthin. Die Namen auf den Tischkärtchen tragen seine Handschrift.

Ein Großteil der Familie, zu der heute zwei Töchter, ein Sohn, fünf Enkel samt Partnern und sechs Urenkel gehören, ist nach Genthin gekommen, um mit den beiden auf ihr langes Eheglück anzustoßen. Man merkt den beiden an, dass sie immer noch gern feiern. Am liebsten mit allen Familienmitgliedern zusammen. Aber eine der Enkeltöchter hat ihnen gerade das nächste Urenkelchen beschert, da wären lange Reise und Feier für die junge Familie noch eine zu große Anstrengung.

Kinokarten und ein eiskalter Winter

Wie sich die beiden kennengelernt haben? „Auf dem Rübenacker in Altenplathow!“ erzählt die 87-Jährige mit leuchtenden Augen. „Meine Freundinnen haben mich geneckt: Na, Anneliese, hast Du Dir schon mal den jungen Mann vom Feld nebenan angeguckt?“ Sie hatte. Dann holte ihr Siegesmund sie von der Berufsschule ab und hatte Kinokarten dabei. Als sie im Januar 1954 heirateten, war keine große Feier drin und die erste Tochter schon auf der Welt. „Es war so ein kalter Winter“, erinnert sich Anneliese Polei, „dass der Brautstrauß unterwegs im Auto meiner Tante, die uns an diesem Tag gefahren hat, erfroren ist.“

37 Jahre hat der heute 88-Jährige Siegesmund Polei als Schlosser dem Weichenwerk Kirchmöser beruflich die Treue gehalten, Anneliese arbeitete in der Landwirtschaft, im Waschmittelwerk und über 20 Jahre als Ankäuferin im Altstoffhandel. Für sie stand Berufstätigkeit mit drei Kindern nie außer Frage, auch wenn sie zeitweise der Kinder wegen Hausfrau war oder verkürzt arbeitete. In der Schule ihrer Kinder engagierte sie sich im Elternaktiv, auch in der Gewerkschaft schätzte man ihre zupackende Art.

„Wir hatten einfach auch Glück“

Nach der Wende konnten Poleis dann das tun, was sie beide am allerliebsten machten: verreisen. Siegesmund Polei führt penibel eine Statistik darüber, will aber die genaue Zahl der Reisen nicht öffentlich machen. Wo es ihnen auf der Welt am meisten gefallen hat? Teneriffa, sagt Anneliese. Siegesmund schwört auf Griechenland.

Ein Rezept für eine gute Ehe über so lange Jahre haben die beiden nicht. „Wir hatten Glück“, sagt Siegesmund Polei, „dass wir unsere gesundheitliche Schicksalsschläge zusammen überstanden haben“. Anneliese Polei kann sich kaum an größere Meinungsverschiedenheiten erinnern. Nur bei der Kindererziehung, sagt sie, da hätte es schon mal unterschiedliche Auffassungen gegeben. Ob sie Tipps hätten, wie eine Ehe lange glücklich bleiben könnte? „Wir haben keine“, sagt Anneliese da resolut. „Jeder ist seines Glückes eigner Schmied.“ Im weiteren Gespräch kristallisiert sich dann aber doch noch einer heraus: sich bei allem Stress als Paar nicht vergessen, immer auch die Zweisamkeit pflegen.