Kleinwusterwitz l „Wir stehen heute mal wieder vor der Herausforderung, möglichst viele Konzertbesucher unterzubringen“, sagte Heike Staschull vom Förderverein Kleinwusterwitzer Kirche, als sie am Sonntag gegen 16 Uhr versiert und ohne Hektik den überaus großen Besucheransturm am Einlass meisterte. Nach Peter Orloff und dem Wernigeröder Mädchenchor gab diesmal Gunther Emmerlich, Entertainer und Sängerstar, der in vielen Genres zuhause ist, in Kleinwusterwitz mit seinem Ensemble ein Stelldichein.

Seine Bekanntheit ist stets ein Garant für ausverkaufte Konzertsäle - auch für das vergleichsweise überschaubare Konzert in Kleinwusterwitz waren schnell im Voraus alle Karten ausverkauft, obwohl er erst kürzlich auf der BUGA ein Konzert gegeben hatte. Ob große Bühne oder eine kleine Dorfkirche wie die in dem Stremmedorf: Emmerlich und sein Ensemble, bestehend aus Kurt Sandau (Solotrompete), Klaus Bender (Orgel) und Sabina Herzog (Cello), präsentierten ein eineinhalbstündiges Programm auf hohem künstlerischen Niveau. Darüber hinaus erwies sich Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich für das Publikum als ein „Künstler zum Anfassen“, der es mit seiner Musik und einer sympathischen Moderation verstand, sich auf seine Zuhörer einzulassen.

In der Liga eines Emmerlich wirkt die Schinkelkirche sicherlich bescheiden. So hat der Dresdener die Aufgabe als Schirmherr bei der Sanierung der Wittenberger Stadtkirche zum Jubiläum 500 Jahre Reformation übernommen, er ist außerdem Botschafter der Carrera-Leukämie Stiftung. Als der Sänger mit der unverwechselbaren Bassstimme nach dem Konzert in Kleinwusterwitz Autogramme gibt, plaudert er ungezwungen: „Eine kleine Kirche ist das in Kleinwusterwitz. Das passt doch irgendwie zusammen.“ Fernab von Fernseh- und Rundfunkaufnahmen hat Emmerlich in Kleinwusterwitz etwas Unverwechselbares, Besonderes ausgemacht. So habe das Ensemble nicht auf verstärkende Tontechnik zurückgreifen brauchen, die Musik habe die Kirche ausgefüllt, freute sich Emmerlich, scheinbar unberührt von den Strapazen des Konzertes, als er bereitwillig Widmungen schreibt.

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Das „Festliche Kirchenkonzert“, ein fester Bestandteil seines Repertoires, zeigt einen Emmerlich in allen Facetten seines gesanglichen Könnens. Sein fester, unverwechselbarer Bass entfaltet in Originalkompositionen und in den Bearbeitungen für die Besetzung Solotrompete, Corno da caccia, Cello, Orgel und Klavier eine große Ausdrucksmöglichkeit und klangliche Vielfalt. Ein Hörgenuss für jeden Musikfreund. Emmerlichs Professionalität als Künstler bewahrte ihn bei seinem Auftritt in Kleinwusterwitz vor Routine, so dass seine Musik beim Zuhörer ankommt und authentisch ist.

Knapp 600 Euro freiwillige Spenden

Dank seiner klugen, hintersinnigen und pointierten Moderation mit Anekdoten, Wissenswertem und Interessantem konnte Emmerlich gedanklich zu sehr verschiedenen Werken den Bogen schlagen und so das Programm auf sehr geschickte und geistreiche Weise bereichern. Der große Mann mit dem wuchtigen Bass brachte dabei immer viel Seele mit, egal ob bei Werken der Barockzeit, der Klassik oder Romantik. Emotionen trafen lupenreinen Gesang: Neben dem schlichten Abendlied „Nun ruhen alle Wälder“, dem ergreifenden „Lobe den Herren“, Choral und zwei Bearbeitungen von Reger und Walther, ein dahin schmelzender Bass im „Ave verum corpus“ von Mozart.

Darüber hinaus erklangen Arien von Händel und Aldovandini. Seine Vielseitigkeit, die Emmerlich bekannt gemacht hat, stellte er mit solchen Liedern wie „Hell ist der Morgen“, dem Spiritual „Go down, Moses“, und dem heiter-beschwingten Traditional „Der Herr sah hinab“ erwartungsgemäß unter Beweis. Dass es schließlich Standing Ovations und einige Zugaben gab, trat deshalb nur folgerichtig ein. Auch Heike Staschull als Vorsitzende des Fördervereins Schinkelkirche kann mehr als zufrieden mit dem Konzert sein. „Die Kirche war war richtig schön voll, das Publikum war hellauf begeistert“, sagt sie.

Am Ende seien unabhängig von den Erlösen des Konzertes 579,53 Euro an freiwilligen Spenden zusammengekommen. Das sei eine ganz beachtliche Summe, freut sich Staschull. Deshalb bedanke sich der Förderverein bei den zahlreichen Spendern und auch bei den freiwilligen Helfern, die den reibungslosen Ablauf des Konzertes ermöglicht haben.“ Das Geld wird in diesem Jahr für die anstehende Sanierung der Deckenmalerei und der Reparatur des Gestühls verwendet. Weiterhin liegt die Restaurierung der Figuren im Flügelaltar an. Dort bröckeln die Farben, so dass mindestens der „Ist-Stand“ erhalten werden muss.