Genthin l „Die Stadt Genthin steht im Hinblick auf die Flüchtlingsunterbringung vor großen Aufgaben“, machte Bürgermeister Thomas Barz während seiner Rede aus Anlass der Tagung der Synode des evangelischen Kirchenkreises Elbe-Fläming deutlich. Jedoch wolle man den Herausforderungen offensiv begegnen.

So ist geplant, in der kommenden Woche einen Lenkungskreis ins Leben zu rufen. Dieser solle aus Vertretern der Stadt, der Polizei, der Hilfsorganisationen DRK und Diakonie, des Integrationstreffs, der Kirchengemeinden und des Landkreises bestehen. Auch die Kommunen Jerichow und Elbe-Parey sollen in der Runde vertreten sein. „Alle anstehenden Aufgaben können hier besprochen werden“, sagte Barz. Zudem sei das Gremium eine Möglichkeit, aufkommenden Problemen und Fragen gemeinsam zu begegnen. Die Lenkungsgruppe soll nach erstem Planungsstand wöchentlich tagen und die Kernkompetenz im Netzwerktreffen Integration übernehmen. In der Runde sollen die Akteure den Bedarf nach bestimmten Angeboten abklären. Werden beispielsweise bestimmte Sachspenden benötigt oder besteht der Wunsch nach weiteren Bildungsmaßnahmen? Im Netzwerktreffen sollen weitere Partner wie Vereine, Bildungsträger oder auch Unternehmen dazugeholt werden, um gemeinsam eine Umsetzung zu ermöglichen.

Das sei aber nur eine Seite, die andere sei die Information der Bevölkerung. „Wir dürfen nicht vergessen, die Menschen mitzunehmen“, mahnte Thomas Barz. Eine sachgerechte und aktuelle Information sei dafür unbedingt notwendig. „Wir haben bei der Einwohnerversammlung in Genthin gesehen, dass es eine Reihe von Fragen zum Thema Flüchtlingsunterbringung, dem Zusammenleben oder der langfristigen Planung gibt.“ Letzteres sei derzeit besonders schwer.

„Ob die Menschen bei uns bleiben, wissen wir nicht. Die weitere Entwicklung ist schlichtweg nicht absehbar“, musste der Bürgermeister einräumen. Dennoch möchte die Stadt Fragen nach dem derzeitigen Wissensstand beantworten. Dafür soll ein Bürgertelefon im Rathaus eingerichtet werden. Auf diesem Wege wolle man den Bürgern als direkter Ansprechpartner zur Seite stehen. „Die Frage, die wir beantworten können, werden sofort am Telefon bearbeitet, ansonsten geben wir die Fragen zur Bearbeitung an die entsprechenden Stellen weiter.“

Internet-Infos

Auf der Internetseite der Stadt Genthin soll es demnächst ebenfalls laufend aktualisierte Informationen geben. „Die Einwohner können dort schauen, ob ihre Fragen dort bereits beantwortet wurden.“

Barz rechnet bis zum Jahresende mit mehr als 600 Flüchtlingen in Genthin. „Derzeit sind in der Einsteinstraße 250 Menschen untergebracht. Der Landkreis Jerichower Land beabsichtigt, in den nächsten Wochen weitere 150 Asylbewerber dort unterzubringen.“ Darüber hinaus sei geplant, im Heinigtenweg etwa 150 Asylbewerber und Anfang Dezember weitere 70 Flüchtlinge in einer Pension durch den Landkreis unterzubringen.

Dazu kommen die Flüchtlinge, die in einem ehemaligen Supermarkt in Genthin-Süd untergebracht werden sollen. Ein entsprechender Vertrag mit dem Eigentümer des Supermarktes wurde bereits vor einigen Wochen abgeschlossen, teilte ein Sprecher des Innenministeriums in Magdeburg mit. Mittlerweile läuft die Ertüchtigung des Gebäudes, das bis zu 500 Flüchtlingen Platz bieten soll. „Das Objekt wird durch den Vermieter, entsprechend den Vorschriften, in Abstimmung mit den bauordnungsrechtlich zuständigen Behörden vor Ort hergerichtet“, bestätigte der Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement.

Markt geeignet?

Der Landesbetrieb ist in Abstimmung mit dem Eigentümer für die Herrichtung zuständig. Dazu gehören sanitäre Anlagen sowie Ein- und Ausgänge. Erstes sichtbares Zeichen der Baumaßnahme ist die Errichtung eines Zaunes, durch den eine Zugangs- und Auslasskontrolle gewährleistet werden soll. Thomas Barz übt nicht nur an dem Zaun Kritik. „Ich halte es für wenig zweckmäßig, Menschen zuhauf in einem solchen Objekt unterzubringen“, machte er deutlich.

Bislang sind die Flüchtlinge in Wohnblocks in der Einstein- und Gröblerstraße untergebracht. Damit hat de Stadt gute Erfahrungen gemacht, da es zu keinerlei Verwerfung unter den Bewohnern gekommen ist. Jedoch wird der Supermarkt nicht umgehend bezugsfähig sein. Auch in Brettin gibt es noch Nachbesserungsbedarf. Dort sollten Anfang November die ersten von bis zu 200 Flüchtlingen in einem leer stehenden Wohnblock einziehen. „Mit dem schrittweisen Bezug der Objekte ist, entgegen der ursprünglichen Planung, frühestens in der Kalenderwoche 48 zu rechnen“, teilt Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann mit.

Ein Bezug vor dem 23. November wird damit nicht stattfinden. Ein Grund für die Verzögerung ist die Vorbereitung des Nahverkehrs auf eine eventuell höhere Nachfrage. „Um einer möglichen Beeinträchtigung des Schülerverkehrs durch eine stärkere Frequentierung vorzubeugen, wurden entsprechende Maßnahmen vorbereitet“, so die Sprecherin.

Das Betreuungspersonal in der Flüchtlingsunterkunft Brettin werde damit betraut, alle Neuankömmlinge darauf hinzuweisen, welche Busse zur Verfügung stehen. „Um ausreichend Kapazitäten gewährleisten zu können, wird die Haltestelle „Bundeswehr“ nicht nur im Bedarfsfall, sondern mit einzelnen Linien regulär angefahren.“ Außerdem werde für den Schülerverkehr ein gesonderter Bus an der Haltestelle „Bundeswehr“ eingesetzt. Wenn die beiden Objekte in Genthin und Brettin voll bezogen sind, sei die maximale Kapazitätsgrenze erreicht, sagte Thomas Barz während der Synode. Im kommenden Jahr seien keine weiteren Unterbringungen in der Stadt Genthin geplant.