Genthin l Die Mitglieder des Jugendforums hatten den Abend initiiert und als Referentin Anja Demme vom Verein Kinderstärken in Stendal eingeladen.

Sie berichtete über das Projekt „Jugend im Land 3.0“, welches, wie auch das Jugendforum in Genthin, Teil des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ ist. Kinder und Jugendliche aus den Orten Tangermünde und Werben sind in dem Stendaler Projekt involviert. Dort setzt man auf die Mittel der modernen Onlinewelt.

Jugendliche gestalten Stadt mit Minecraft

Als Werkzeug wird die Online-Plattform „Minecraft“ genutzt, die bei Kindern sehr bekannt ist. Mithilfe der Plattform können Landschaften, Häuser auch Räumlichkeiten gestaltet werden. In Tangermünde gestalteten Kinder und Jugendliche die Stadt der Zukunft, so wie sie ihnen vorschwebt. Ein Hallenbad, ein Kino, einen Tierpark, einen großen Spielplatz und einen Einkaufsladen bauten die Teilnehmer virtuell. Sie vergaßen auch das Rathaus und die Kirche nicht.

In Werben gestalteten mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche einen neuen Jugendclub mittels Minecraft. Dabei beschäftigten sie sich mit den Umbauten, der Zimmerbelegung und der Inneneinrichtung. Während einer Kinder- und Jugendkonferenz wurden Ergebnisse vorgestellt. Dazu waren städtische Vertreter, aber auch die Vereine und Schule. Es gäbe bei dem Projekt mehrere besondere Effekte. Kinder- und Jugendliche beschäftigen sich mit ihrem unmittelbaren Umfeld und machen sich kreativ Gedanken über dessen Gestaltung. „Mit der Onlinearbeit können wir Entfernungen überwinden und Ergebnisse festhalten.“

Entwürfe diskutiert

Es sei eine Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Entwicklung eines Demokratieverständnisses, fand Demme. In den Konferenzen habe es sehr rege Diskussionen über die Entwürfe gegeben. „In Werben entstanden echte Visionen dahingehend, die Ideen nicht auf ein Gebäude zu beschränken, sondern sie als Anregungen weiterzuentwickeln.“ Mit ihrem Projekt „Jugend im Land 3. 0“ gehen die Stendaler einen etwas anderen Weg als die Initiatoren des Minecraft-Projektes im Genthiner Jugendhaus Thomas Morus. Hier wie da soll es zwar mithilfe der Online-Plattform um die Entwicklung eines positiven Demokratieverständnisses von Jugendlichen gehen. Aber die Vorgehensweise unterscheidet sich. Während sich die Stendaler dem so genannten „Kreativmodus“ verschrieben haben, bei dem unbegrenzte Mengen an Ressourcen und Gegenstände zur Verfügung stehen, setzen die Genthiner auf den so genannten „Überlebensmodus“, der Spieler hat nur begrenzte Ressourcen, muss Nahrung zu sich nehmen und sieht sich Störeinflüssen ausgesetzt, die bewältigt werden müssen.

„Dafür sollen die Jugendlichen im Team Regularien aufstellen, Organisations- und Aufgabenmodelle vereinbaren und auch Sanktionen beschließen, wenn sich jemand nicht an die Vorgaben hält“, erläuterte Andrè Eikel, Leiter des Morushauses das Prinzip. Mit ins Boot holen konnte er für sein Projekt auch die Jugendhäuser in Tucheim, Jerichow und Parey. Dinge wie gemeinsames Gestalten, gesellschaftliches Zusammenleben, auch Wirtschaftssysteme könnten mit der Simulation trainiert werden.

Während der Demokratiekonferenz in Genthin wurde über beide Varianten diskutiert und deren Inhalte dargelegt. Die Demokratiekonferenzen sind Bestandteil des Bundeprogrammes und finden jährlich zweimal statt.