Genthin l „Ich hätte gerne Karten für das Silbermond-Konzert in Magdeburg“, „Haben Sie noch einen Eventkalender?“, über mangelnden Kundenbesuche können sich Sigrid Röthig und Gerlinde Hintze dieser Tage nicht beklagen. Wie immer sind die Mitarbeiterinnen der Genthiner Touristinformation Ansprechpartnerinnen für alle Fragen des Tourismus und für Veranstaltungen.

Doch eines hat sich geändert. Seit Kurzem ist die Touristinformation nicht mehr in den Räumen in der Bahnhofstraße zu finden, sondern in der Stadt- und Kreisbibliothek in der Dattelner Straße. „Wir haben den Umzug vollbracht und sind wieder voll im Einsatz“, bestätigt Touristinfo-Leiterin Marina Conradi. Es sei durchaus eine logistische Herausforderung gewesen, die Touristinformation an neuer Stelle zu eröffnen. Konnten in der Bahnhofstraße 140 Quadratmeter genutzt werden, sind es in der Bibliothek nur noch rund 20 Quadratmeter. Das hatte zur Folge, das Werbematerialien und Infotafeln nur noch eingeschränkt ausgelegt und aufgestellt werden können.

Neue Öffnungszeiten

Wegfallen wird zudem demnächst die bisherige Telefon-Durchwahl 19 433. Unter der 03933/80 22 25 wird die Touristinformation wie bisher erreichbar sein. Auch beim E-Mail-Kontakt und der Webseite www.touristinfo-genthin.de bleibt alles beim Alten. Neu ist, dass sich das Team der Touristinfo an den üblichen Öffnungszeiten der Bibliothek orientiert. Montags, dienstags und donnerstags ist zwischen 10 und 18 Uhr, freitags bis 16 Uhr geöffnet.

Auch die Sonnabendsöffnungszeiten macht das Team mit. „Wir werden künftig am ersten Sonnabend im Monat zwischen 9 und 12 Uhr erreichbar sein“, sagt Conradi. Für die Stadtverwaltung stellt der Umzug einen wichtigen Schritt dar. „Wir vereinen Bibliothek, Touristinformation, Volksstimme-Service-Center und Biber-Post unter einem Dach“, sagt Bürgermeister Thomas Barz, der den Umzug seit dem vergangenen Jahr vorangetrieben hat.

Finanzielle Einsparungen

Hinzu kommen finanzielle Einsparpotenziale. „Im bisherigen Gebäude musste der Fremdenverkehrsverein bisher jährlich etwa 3000 Euro an Betriebskosten aufbringen“, begründet Barz. Mittelfristig gehen die Überlegungen jedoch dahin, dass die Mitarbeiter des Hauses, sowohl der Bibliothek als auch der Touristinformation, beide Servicesspektren bedienen können. Das könnte beispielsweise heißen, dass ein Mitarbeiter der Touristinformation in der Lage sein sollte, Bücher, Zeitschriften oder neue Medien an die Nutzer auszuleihen und ein Mitarbeiter der Bibliothek wiederum beim Verkauf für Veranstaltungskarten hilfreich zur Seite stehen kann.

Barz verwendet für das neue Modell die Formulierung „Alles aus einer Hand und an einem Ort“. Dennoch, ganz eingerichtet ist die Touristinformation noch nicht. Bislang ist lediglich der Vertrieb und die Beratung eingezogen. Wie eventuelle Büros für die Verwaltungstätigkeit zu nutzen sind, muss noch geklärt werden. „Wir werden hier sicherlich Mittel und Wege finden, uns zu arrangieren“, meint Bibliotheksleiterin Gabriele Herrmann. Sie sieht den Einzug der Touristinformation als Chance. „Wir können uns ganz anders der Öffentlichkeit vorstellen.“ Es sei vorstellbar, dass neue Kundenkreise für das Haus erschlossen werden. Das Gebäude in der Bahnhofstraße 8, einst Bürgermeisterwohnsitz in den 1930er-Jahren, dann Albert-Schweitzer-Club und nach der Wende Touristinformation, wird demnächst zum Kauf angeboten.