Redekin l Der neue Wiegel-Standort in Redekin wurde am Donnerstag feierlich eröffnet. Zu Gast war auch Ministerpräsident Reiner Haseloff. Am heutigen Sonnabend sind Interessierte eingeladen, sich die Produktionsanlagen anzuschauen und über den Gittermastbau zu informieren. Von 10 bis 13 Uhr ist Tag der offenen Tür.

Es war ein Glückstreffer, dass Wiegel diese Immobilie in Redekin erwerben konnte, wo früher Holzleimbinder produziert wurden, betonte Dr. Thomas Happle, einer der Geschäftsführer der Wiegel-Gruppe, deren Hauptsitz Nürnberg ist. Denn die Vergrößerung des Gittermastbaus in Parey stand schon länger an, weil der Bedarf enorm gestiegen ist: Der Ausstieg aus der Atomenergie und der damit notwendig gewordene rasante Ausbau der regenerativen Energiegewinnung sei mit einem enormen Netzausbau verbunden, begründete Happle.

Kurzfristig zusätzliche Produktions- und Lagerflächen in der Nachbarschaft am Standort Parey zu bekommen, sei jedoch an der Umsetzung eines neuen Bebauungsplans gescheitert. „Seit 2013 ist es uns aufgrund von Widerständen seitens Behörden, Verbänden und Anliegern nicht gelungen, das Verfahren positiv abzuschließen.“

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Produktion verlagert

Die Produktion wurde nun komplett nach Redekin verlagert. 50 000 Quadratmeter Grundstücksfläche und 14 000 Quadratmeter Hallenfläche stehen hier zur Verfügung. Hier ist auch Platz genug, um das gesamte Schwarzmaterial zu lagern. Nach der Produktion werden die Bauteile zum Verzinken gebracht, erläuterte Happle, und von dort kommen sie zum Standort Parey. „Hier erfolgen die Kommissionierung, die Verpackung, die Zwischenlagerung der verzinkten Bauteile und der Versand.“

Die Planungen für den Ausbau des Standorts Redekin begannen im April 2014, die Umsetzung erfolgte im Wesentlichen 2015. Die Verlagerung der Produktion erfolgte während des laufenden Betriebs – eine große Herausforderung.

Dr. Thomas Happle zählte auf, welche Maßnahmen hier notwendig waren: Die Sanierung der Produktionshallen beinhaltete die Erneuerung der Elektrik, Beleuchtung, Lüftungstechnik und Heizungstechnik entsprechend des aktuellen Entwicklungsstands. Ein neues, großes Büro- und Sozialgebäude wurde errichtet, ein großer Lagerplatz für Schwarzmaterial mit effektiver Beförderungstechnik wurde angelegt. Insgesamt zwölf parallele Fertigungsstraße mit modernster Anlagentechnik entstanden. Angeschafft wurden vier neue Bohr- und Sägeanlagen, eine Strahlanlage, zwei Winkelstanzanlagen und zwei Blechbearbeitungszentren. Insgesamt wurde über zwölf Millionen Euro investiert.

Die Produktionskapazität wurde von zuvor 10 000 bis 12 000 Tonnen auf 20 000 Tonnen pro Jahr erhöht. Etwa 140 Mitarbeiter haben hier nun einen sicheren Arbeitsplatz.

33 Standorte in Europa

Insgesamt hat die Wiegel-Gruppe über 1 600 Mitarbeiter an 33 Standorten in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Slowakei. Ihren Ursprung hat die Wiegel Gruppe im Korrosionsschutz, speziell der Feuerverzinkung. Auch der Telekommunikationsbau gehört dazu, unter anderem am Standort Dretzel.

Für viele Anwesende sehr interessant war sicher auch der historische Rückblick auf den Stahl- und speziell Gittermastbau in Parey, den Happle gab. 1930 wurde hier eine Niederlassung der „Beton- und Monierbau AG“ Berlin gegründet. 1949 folgten Enteignung und Treuhandverwaltung. 1950 wurde der „VEB Baumechanik Barleben“ gegründet, 1951 wurde daraus ein Betriebsteil vom VEB Stahlbau Magdeburg, 1953 wurde der VEB Stahlbau Parey selbständig und schließlich Werksteil des VEB Metalleichtbaukombinats Leipzig. Nach der Wende wurde der Stahlbau Parey kurze Zeit wieder selbständig und kam 1990 unter Treuhandverwaltung als Teil der Mitteldeutschen Stahlbau GmbH. Zum Zeitpunkt der Wende waren etwa 800 Mitarbeiter hier beschäftigt.

Den Mastbau gibt es etwa seit 1960 als Teil des Stahlbaus in Parey. Bis 1990 war Parey nahezu Alleinhersteller von Masten in der DDR. Der Bereich Mastbau hatte etwa 180 Mitarbeiter. Exportiert wurde bis nach Asien und Afrika.

1994 begannen Verkaufsverhandlungen der Treuhand mit der Wiegel-Gruppe, die damals von Eberhard Hoffmann geführt wurden, der am Donnerstag in Redekin ebenfalls dabei war. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1995 ging der Mastbau Parey an die Wiegel-Gruppe, der Vertrag wurde allerdings erst 2016 unterzeichnet. Damals waren hier noch 51 Mitarbeiter beschäftigt und die Kapazität lag bei 5 000 bis 6 000 Tonnen pro Jahr.

Seite 20 Jahren bei Wiegel

Die Standort-Einweihung in Redekin war also zugleich auch die 20-Jahres-Feier der Zugehörigkeit zur Wiegel-Gruppe. Von Anfang an dabei ist unter anderem Geschäftsführer Uwe Harder, der diesen „Umzug“ noch meisterte und Ende des Jahres in den Ruhestand gehen wird. Neben ihm ist bereits sein Nachfolger als Geschäftsführer tätig, Dr. Rastislav Rendko.

„Als Kreisverwaltung ist es unser Ziel, für Sie ein verlässlicher Partner zu sein“, betonte Landrat Steffen Burchhardt. Er zollte dem Unternehmen Anerkennung, sich um die digitale Infrastruktur ein Stück weit selbst gekümmert zu haben (unter anderem Bau eines Richtfunkmasts nach Parey wegen des ungenügenden Netzanschlusses) und versprach, dass der Landkreis nachziehen werde.

Er hoffe, sagte Burchhardt, dass der Landkreis zusammen mit dem Technologie- und Gründerzentrum auch für die weitere Entwicklung beste Vor­aussetzungen bieten könne.

Auf diesen Tag lange gewartet

„Wir haben schon lange auf diesen Tag gewartet“, sagte Harald Bothe, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow, „denn leider ist es ja nicht oft so, dass wir bei einem so tollen Anlass dabei sein können.“ Bothe bedankte sich für die Standortentscheidung und sicherte weiterhin die volle Unterstützung der Stadt zu.

Dank für die Investitionen hier an diesem Standort sagte auch Ministerpräsident Reiner Haseloff der Wiegel-Gruppe, denn gerade im ländlichen Raum zähle jeder Arbeitsplatz, betonte er, ebenso Steuereinnahmen und damit verbunden kommunale Entwicklungsmöglichkeiten. Er wolle auch mit der neuen Landesregierung „stabil aus der Mitte heraus dieses Land gestalten und gemeinsam mit Ihnen entwickeln.“