Genthin l Langsam wird die Zeit für die Planung der Genthiner 850-Jahr-Feier eng. Die Verantwortlichen und Akteure könnten nach der jüngsten Stadtratssitzung noch mehr unter Zeitnot geraten, denn obwohl ein Beschluss zur Legitimierung des Festkomitees als Gestaltungsgremium der Jubiläumsfeier gefasst wurde, droht weitere Unsicherheit.

Grund sind mehrere Veränderungen, die die Stadträte in den Beschlusstext vor der Abstimmung eingefügt haben und mit denen Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) nicht einverstanden ist. Die Grünen/LWG Fiener hatten den Antrag eingebracht, dass die Stadt keinen Gemeinnützigen Betrieb gewerblicher Art (GBgA) gründet, über den die Jubiläumsveranstaltung abgewickelt wird und dass, so der zweite Teil des Antrags, die Stadt als Veranstalter agiert. Der erste Teil des Antrages wurde von der CDU-Fraktion per Antrag abgewandelt. Der besagte, dass der Stadtrat den Bürgermeister berechtigt, den Tourismusverein mit der Trägerschaft der 850-Jahr-Feier zu beauftragen.

Die Anträge wurden kontrovers diskutiert. Alexander Otto (CDU) erläuterte für seine Fraktion, dass es dringend geboten sei, die finanzielle Struktur mit allen Zuständigkeiten zu klären. Dies sei auch im Sinne des Festkomitees, das auf diesen Punkt immer wieder gedrungen habe.

Verein hat sich vielfach bewährt

Während sich Lars Bonitz (SPAL) und Falk Heidel (WG Genthin-Mützel-Parchen) deutlich für den CDU-Antrag positionierten, da der Tourismusverein bereits viele Festivitäten in Genthin organisiert habe, waren Marc Eickhoff (Die Grünen/LWG Fiener) und Gabriele Herrmann (Die Linke) deutlich dagegen. „Aus der Erfahrung heraus ist der Tourismusverein nicht die beste Wahl für eine Trägerschaft“, meinte Marc Eickhoff.

Gabriele Herrmann hatte sich zuvor im Kommunalverfassungsgesetz kundig gemacht und sah die Möglichkeit, dass die Verwaltung Spendengelder direkt in den Haushalt übernehmen könne.

14 Tage Zeit für Begründung

Letztlich entschied sich der Stadtrat für die Annahme der Beschlussvorlage mit der Ergänzung, dass kein GBgA gegründet werde und die Beauftragung an den Tourismusverein gehe. Hier setzte die Kritik des Bürgermeisters an, der seinen Widerspruch deutlich zum Ausdruck brachte. Das hat zur Folge, dass der Beschluss derzeit nicht unmittelbar zur Ausführung kommt. Der Bürgermeister hat nun 14 Tage Zeit, seinen derzeit nur verbal geäußerten Widerspruch schriftlich beim Stadtratsvorsitzenden Gerd Mangelsdorf (CDU) zu begründen.

Günther erklärte noch während der Sitzung, dass der Tourismusverein nicht die personelle Kapazität habe, um ein Jubiläumsfest zu organisieren. Zudem gäbe es keine Vereinsstruktur, die eine entsprechende Verantwortung zulasse.

Stadt hat keinen Einfluss

Noch etwas missfällt dem Bürgermeister: „Wir haben keinen direkten Einfluss auf den Verein.“ Die Stadt Genthin sei nur Mitglied im Vorstand und habe mit den Vertretern aus Elbe-Parey und Jerichow zwei weitere Vorstandsmitglieder, mit denen man sich abstimmen müsse. „Ich sehe mit diesem Beschluss die Durchführung der 850-Jahr-Feier gefährdet.“ Es sei ein Beschluss zum Schaden der Stadt Genthin, den er nicht zur Umsetzung bringen werde.