Genthin l Am 31. März wird Kitaleiterin Gabriele Nitsche das letzte Mal den Arbeitsweg von Roßdorf nach Genthin antreten. Auf den Verabschiedungsgottesdienst am Sonntag folgt in der nächsten Woche die Verabschiedung in der Kita.

Kein leichter Abschied

Der Abschied falle ihr nicht leicht, doch er sei nicht die Folge einer spontanen Idee. „Die Entscheidung war seit längerem geplant und gut durchdacht“, sagt Gabriele Nitsche. Jetzt will sie sich Zeit für andere Dinge des Lebens nehmen. Alles, eben auch der Abschied von der Berufstätigkeit, hat für die Kita-Leiterin seine Zeit. So, wie es im Alten Testament geschrieben steht.

Es sei für sie ein harter Einschnitt gewesen, vor knapp 30 Jahren von kommunalen Einrichtungen in eine christliche zu wechseln. Sie könne sich noch gut daran erinnern, als Pfarrer Willi Kraning in Roßdorf bei ihr an der Tür klingelte und fragte, ob sie sich vorstellen könne, einen kirchlichen Kindergarten mit aufzubauen und deren Leitung zu übernehmen. Schlaflose Nächte habe ihr die Entscheidung bereitet, räumt die Kita-Leiterin gern ein. Heute, meint sie, die absolut richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Das war das Beste, was ich machen konnte.“

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Glaube und Vertrauen

Willi Kraning, Pfarrer im Ruhestand, sagte am Sonntag im Gottesdienst an Gabriele Nitsche gewandt: „Du hast die Kita Sonnenschein geprägt.“ In der Einrichtung seien die Kinder stark gemacht worden, um im Vertrauen auf Gott und zu den Menschen ins Leben zu gehen.“ Glaube, Vertrauen, Hoffnung seien in gewisser Weise Bestandteile des Leitbildes der Einrichtung, die daher nicht ohne Grund „Sonnenschein“ hieße.

Was die christliche von einer kommunalen Kita abgrenzt, stellt Gabriele Nitsche klar heraus: „Man muss schon Christ sein und zum Glauben stehen, das christliche Menschenbild ist die Grundlage unseres Tuns. Wir feiern in der Kita Gottesdienste und sprechen Gebete.“ Die Mitarbeiter der Kita bemühen sich um Offenheit und Toleranz, gerade dieser Anspruch sei für sie, die vor der Wende in kommunalen Einrichtungen tätig war, eine große Umstellung gewesen.

Handfestes Engagement

Der christliche Glaube, und das wurde Gabriele Nitsche in all den Jahren abverlangt, lebt in der Kita auch in handfestem Engagement, Durchsetzungsvermögen, Fachwissen und Organisationstalent. So manche Entscheidung, räumt die scheidende Leiterin ein, habe sie dennoch vom Herzen heraus getroffen. Gabriele Nitsche hat drei aufwändige Bauphasen in der Einrichtung gemeistert und drei neue Kita-Gesetze miterlebt. „Es war schwer, sich durchzuboxen“, sagt die 60-Jährige.

Im Vergleich zu kommunalen Trägern hat sie die Trägerschaft der katholischen Gemeinde sehr zu schätzen gelernt. In der Kommune musste Haushaltsstelle für Haushaltsstelle abgerechnet werden. Die Spielräume seien somit begrenzt gewesen. In der Kita „Sonnenschein“ seien hingegen von Anfang an Manager-Fähigkeiten gefragt gewesen. „Das ist total schön“. Es habe keinen Verwaltungs-Wasserkopf gegeben, der ihr das Leben als Leiterin schwer gemacht hätte.

Funktionierendes Team

Gabriele Nitsche geht mit der Gewissheit in den Ruhestand, ein gutes, funktionierendes Team geformt zu haben. Sie sagt aber ausdrücklich: „Was die Kita heute ist, haben wir gemeinsam geschaffen. Es war ein Geben und Nehmen. Für mich war es wichtig, dass sich alle, Kinder, Mitarbeiter und Eltern wohlfühlen. Meine Mitarbeiter halten zusammen. In unserer Kita herrscht eine sehr harmonische Atmosphäre, das ist sehr wichtig.“

Oft habe sie hinter einer geschlossenen Bürotür mit Menschen gesprochen, die ihr großes Vertrauen entgegenbrachten. „Wir haben sicherlich nicht alle Probleme lösen können, doch sich anvertrauen zu können, sei für diese Menschen sehr wichtig gewesen.“ Auch die ehemaligen Kollegen behalten ihre Leiterin in guter Erinnerung. „Gabriele Nitsche hatte immer ein offenes Ohr für ihr Team“, erinnerte sich Ursula Gnielka, die von 1991 bis 2011 in der Kita tätig war. „Egal welche Herausforderungen anlagen, gemeinsam haben wir alles gemeistert.“