Zwei Stunden Schlangestehen für einen Termin beim Augenarzt

Akuter Facharztmangel in Genthin bringt die Leute im Ärztehaus auf die Palme

Von Simone Pötschke

Zwei Stunden warten auf einen Augenarzttermin im ersten Quartal des nächsten Jahres - die Geduld der Genthiner wurde am Dienstag im Ärztehaus aufs Äußerste strapaziert.

Genthin l Wie viele Menschen es tatsächlich sind, die am Dienstagmorgen dichtgedrängt in der zweiten Etage des Genthiner Ärztehauses darauf warten, um bei Augenärztin Dr. Martina Straube für das erste Quartal 2014 einen Termin zu erhalten, können vermutlich nur die Sprechstundenschwestern genau sagen. 100, 200 oder noch mehr? Unter den vielen Leuten, die Schlange stehen, ist der Frust groß, Verärgerung macht sich breit. Nur ein einziger Hocker bietet Hinfälligen Platz, sich für einen Moment auszuruhen. Unter einer zweistündigen Wartezeit geht nichts.

Dr. Martina Straube kann den Unmut, der sich breit macht, gut verstehen. Doch mit schlechter Organisation, macht sie klar, hat die lange Warteschlange nichts zu tun, vielmehr mit dem akuten Mangel an Augenärzten in der Region. "Einer allein kann nicht die Arbeit schaffen, die zuvor zwei Ärzte gemacht haben", hebt sie auf den Weggang eines ärztlichen Kollegen vor einiger Zeit ab.

Die Situation sei so prekär, dass es seit einiger Zeit einfach nicht anders ginge, als ein halbes Jahr im Voraus die Termine zu vergeben, sagt sie. Seit Juli haben die Mitarbeiterinnen der Praxis die Patienten darauf hingewiesen, dass am 15. Oktober neue Termine vergeben werden. Dieses Datum habe sich aus dem Umstand ergeben, dass die Praxis für die Terminvergabe ein ganz bestimmtes Bestellbuch benötigt und das erst im Oktober eintraf. "Wir haben ein derart großes Patienten-Klientel, das wir nur in diesem Spezialbuch erfassen können", erklärt Dr. Straube.

Termine könnten dann viertelstündlich nur an jeden Zweiten vergeben werden, weil in der Sprechstunde genügend Spielraum für Chroniker, OP-Patienten und Akutfälle bleiben müsse. 50 bis 60 Patienten pro Sprechstunde sind in der Praxis die Regel, oft wird über die normale Arbeitszeit hinaus gearbeitet. Dr. Martina Straube ist alles andere als zufrieden mit dieser Situation. Dass in Heyrothsberge kürzlich zwei Augenärzte von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt eine Zulassung erhalten haben, die damit die Statistik des Jerichower Landes im Sinne der Bedarfsplanung erfüllen, ist für sie Irrsinn. Die Praxen unmittelbar vor den Toren Magdeburgs dünnen die Region Genthin in der fachärztlichen Versorgung noch weiter aus, macht sie klar. Ob für Genthin eine Ausnahmegenehmigung wie bei der Kinderärztin möglich ist, so dass sich ein Augenarzt in Genthin niederlassen kann, will nun die Stadt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt in Erfahrung bringen. Bürgermeister Thomas Barz zufolge wolle die Stadt den Antrag eines jungen Mediziners flankieren, der bereit ist, in Genthin zu praktizieren.

Mathias Tronnier von der Kassenärztlichen Vereinigung bestätigte indes, dass die fünf Augenarztstellen im Landkreis, die numerisch nach dem Versorgungsgrad ermittelt worden sind, besetzt seien. Das sage aber nichts, räumte er ein, über die Situation vor Ort. Damit könne immer noch die Nachfrage größer sein als das Angebot.

Wenn ein Sonderbedarf nachgewiesen werde, so Tronnier, könne der Zulassungsausschuss, der aus drei Ärzten und drei Kassenvertretern besteht, eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Es sei kein Geheimnis, dass hier inzwischen etwas laufe.