Altengrabow/Schopsdorf l Ihre Sorgen werden die Anrainer des Truppenübungsplatzes (Tüp) Altengrabow nicht los. Auch wenn jetzt neue Ergebnisse der Boden- und Grundwasseruntersuchungen mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) vorliegen.

Die Detailuntersuchungen hätten den Kontaminationsverdacht auf vier Flächen aus vorangegangenen Check-ups bestätigt. Das teilte zunächst ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Anfrage der Volksstimme mit. Diese Aussage kommt nicht unerwartet. Denn schon Anfang des vergangenen Jahres war klar, dass sowohl im Boden als auch im Grundwasser PFC-Rückstände gefunden wurden. Was das Erdreich betrifft, konnte der Sprecher aktuell Entwarnung geben, wenn auch mit einer Einschänkung. So sieht die Bundeswehr zumindest „bei jetziger Nutzung“ der Flächen keinen weiteren Untersuchungsbedarf.

Überwiegend geringe PFC-Konzentration

Zwar betonte der Bundeswehr-Sprecher, dass bei allen 20 Proben, die bei der Grundwasser-Untersuchung gezogen wurden, eine „ganz überwiegend geringe“ Konzentration an PFC nachgewiesen wurde. Dennoch signalisierte er „weiteren Untersuchungsbedarf“, der „für eine belastbare Gefährdungsbeurteilung“ bei Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser notwendig sei. Deshalb habe die Bundeswehr bereits eine zweite Detailuntersuchung veranlasst, die endgültige Klarheit bringen soll.

Die Anrainerdörfer des Truppenübungsplatzes Altengrabow leben seit fast einem Jahr in der Ungewissheit, ob von den per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC), eine Gefahr für sie ausgeht. Bei den vier Verdachtsflächen handelt es sich zum einem um die aktuell genutzte Feuerwache der Bundeswehr und die dazugehörige Abstellhalle für die Fahrzeuge. Zum anderen geht es aber auch um die alte Feuerwache und die alte Fahrzeugwaschanlage, die einst von der russischen Armee genutzt wurden. Anders als an anderen betroffenen Bundeswehrliegenschaften gelangte in Altengrabow PFC nicht über Löschschaum ins Erdreich. Der wurde dort nie verwendet. Die Chemikalien wurden dafür dort gelagert, umgeschlagen oder umgefüllt.

Durch Recherchen des Bayerischen Rundfunks war bekannt geworden, dass der Truppenübungsplatz Altengrabow zu den seinerzeit deutschlandweit 18 bestätigten Bundeswehrliegenschaften gehört, in denen Gutachten und Messwerte eine Kontamination mit den giftigen Chemikalien bestätigten.

Angst vor Folgen möglicher PFC-Belastung

Seitdem geht unter den Einwohnern der Orte rund um die Altengrabower Heide vor allem die Angst vor gesundheitlichen Folgen einer möglichen PFC-Belastung herum.

Bei der Bürgerversammlung in Schopsdorf, die auf Initiative der Grünen zustande gekommen war, kündigten Vertreter der Bundeswehr Ergebnisse einer detaillierten Untersuchung bereits für November an. Dem Landkreis waren sie durch die von der Bundeswehr beauftragten IHU Geologie und Analytik GmbH Stendal bereits am 27. Februar vorgelegt worden.

Info-Veranstaltung nach Abschluss des Prüfver

Bei diesem Termin habe es sich, Landkreis-Sprecherin Claudia Hopf-Koßmann zufolge, um eine interne Informationsveranstaltung gehandelt, bei der die Ergebnisse der Untersuchung lediglich mündlich vorgetragen worden seien. Das abschließende Gutachten der Bundeswehr liege dem Landkreis digital seit dem 20. März vor. Derzeit werde, das gab Hopf-Koßmann zur Auskunft, das Gutachten durch die Untere Wasser- und die Untere Bodenschutzbehörde einer fachlichen Prüfung unterzogen. Gegenstand der Prüfung sei unter anderem, ob die von der Bundeswehr vorgeschlagenen Maßnahmen allen Anforderungen entsprechen. Die Kreissprecherin stellte in Aussicht, dass der Landkreis nach Abschluss des Prüfverfahrens eine öffentliche Informationsveranstaltung gemeinsam mit der Bundeswehr durchführen wird.

Nils Rosenthal, Initiator der Bürgerversammlung in Schopsdorf, äußerte nach Inaugenscheinnahme des Gutachtens deutlichen Unmut. Einige Feststellungen, die im Gutachten getroffen werden, ständen „konträr zu den Aussagen der Bundeswehr“ im September. Unter anderem bezieht sich Rosenthal auf eine mögliche Kontamination des Grundwassers in den Bereichen Wasserwerk Drewitz sowie Dörnitz und Magdeburgerforth, die in dem Gutachten aufgeführt wird. Rosenthal geht deshalb mit der Bundeswehr ins Gericht. Sie habe schnelle Aufklärung nach Erscheinen des Gutachtens zugesagt. Die erfolge aus seiner Sicht nicht. Für ihn stelle sich die Frage, ob die Anwohner der betroffenen Dörfer überhaupt noch das Wasser der Gloine beziehungsweise Brunnenwasser nutzen könnten.