Genthin l „Es sind sehr beeindruckende Bilder, die gar keine Farbe benötigen“, meinte eine Besucherin während der Ausstellungseröffnung. 25 Bilder sind seit dieser Woche im Rathausflur zu sehen. Geschaffen haben sie Molham Alali und Tawfeek Alsheikh.

Der 34-jährige Molham Alalali ist vor zwei Jahren von Syrien nach Deutschland gekommen und hat sich in der evangelischen Kirche in Neuenklitsche ganz der Glasmalerei gewidmet. So präsentiert er jetzt die älteste Burg der Welt in Aleppo neben einer Abbildung des Genthiner Rathauses. Wenige schwarze Striche reichen, um die typischen Silhouetten allgemein erkennbar zu gestalten.

Bilder voller Lebensfreude

Auch Bilder voller Lebensfreude, wie etwa der Schatten einer Saxofon spielenden Frau, sind Teil der Ausstellung. Daneben: religiöse Motive von Jesus und Maria, der Schlosskirche zu Wittenberg und Martin Luther. „An Luther kommt in diesem Jahr niemand vorbei, auch wir nicht“, sagte Bürgermeister Thomas Barz während der Eröffnung. Er sei erfreut, dass die Reihe "Kunst im Rathaus" nun eine Fortsetzung finde. In den vergangenen Jahren hatten regionale Künstler und Hobbykünstler, Werke im Rathaus präsentiert.

Bilder

Unter anderem setzte sich der junge Syrer Ghazwan Assaf mit seiner und der Situation vieler Flüchtlinge auseinander. „Besonders im Jahr 2015 hat der Flüchtlingsstrom Deutschland und Europa bewegt, aber Ihre persönliche Lebensgeschichte ist in jenem Jahr unterbrochen worden“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die beiden neuen Aussteller.

Er freue sich über das Engagement, denn die Gesellschaft wachse besonders über Kunst und Kultur zusammen. Einen weiteren Bereich der aktuellen Schau steuerte der 22-jährige Tawfeek Alsheikh bei er schaute dem Glasmaler mit der Filmkamera über die Schulter und gestaltete daraus einen mit Musik unterlegten Internetclip, der im Zeitraffer die Entstehung eines Glasbildes dokumentiert.

Farbige Glasmalerei als Fotodokumente

„Ich habe das Material selbst geschnitten, die Titel ausgewählt und Vor- und Abspann gestaltet“, erzählte Alsheikh. Der Film stieß bei seiner Vorführung im Rathaus auf genau so großes Interesse, wie die Fotos des 22-Jährigen. Alsheikh hat eine Reihe der von Molham Alali gestalteten Fenster und Dekogläser abfotografiert. „Diese Bilder hängen in Privathaushalten und können hier nicht im Original präsentiert werden“, erläutert Molham Alali.

Die Fotos sind eine farbige Ergänzung der zumeist monochromen Bilder in der Ausstellung. Wobei auch diese nicht völlig schwarz-weiß sind. Immer wieder gibt es rote und goldene Einfügungen. So etwa bei einem großformatigen Glasbild mit dem gekreuzigten Jesus. Es wird eingerahmt von den zehn Geboten auf Deutsch und Arabisch. Die goldene Schrift und der goldene Heiligenschein über dem Christus geben dem Bild eine besondere Wirkung. Beeindruckt zeigten sich viele Besucher auch von einem Bild mit einem schwarzen und einem weißen Baby. In goldener Schrift ist „Niemand wird mit Hass und Intoleranz geboren“ hinzugefügt.