Jerichow l „Wir sind eine Modegruppe und keine Trachten- oder Kostümgruppe“, merkt Jutta Braune aus Hohenseeden auf. Die Vorsitzende der Modegruppe „Anno dazumal“ stellte bei der Jahreshauptversammlung des Förder-und Heimatverein Stadt und Kloster Jerichow, am vergangenen Donnerstag, die Absicht der Frauen und Männer vor und berichtete, wie sich die „Truhen öffneten und kleine Schätze aus Leinen und Seide zum Vorschein kamen.“ Sie fand Nachtwäsche, Unterwäsche und verschiedene andere kleine Utensilien. Die hängte Braune in ihren Hausflur, um erstmal zu gucken, „was ist denn da.“ Besuch kam, und der sagte: „Da musst du etwas mit machen!“

Braune stöberte weiter. Erst waren es ein paar Kleider und Röcke, dann kam immer mehr dazu, erzählt Braune und jeder im Saal des Poeges-Hotels merkt ihr die Leidenschaft an, mit der die Hohenseederin ihr ungewöhnliches und doch so alltägliches Hobby vorstellt. Denn den „Models“ ist es ein Ansinnen, die alltäglichen Kleidungsstücke aus einer Zeit vorzustellen, der durch den Spruch geprägt wurde und der bis heute gilt: Kleider machen Leute.

Kleidung auch heute noch modern

Es gab die Arbeitskleidung und den „Sonntagsstaat“ – beides von hoher Qualität, zweckmäßig und dennoch elegant. Bei Vorstellungen ihrer Modetruppe werde sie von vielen Leuten, auch von jüngeren, angesprochen, so Braune, dass solch Kleidung auch noch heute getragen werden könne und es mit bekannten aktuellen Modegrößen wie Lagerfeld oder Joop aufzunehmen wüsste.

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Nach der ersten Vorstellung bei einer Frauentags-Feier, so Braune, nahm das Beschäftigen mit der Mode aus zwei Jahrhunderten Fahrt auf. Immer mehr kam dazu. Alte Betten, Kinderwagen, Hüte, Sonnenschirme und vieles mehr. Damit gestalteten die Hohenseedener mittlerweile eine Zeitreise durch die verschiedenen Lebens- und Arbeitswelten von 1870, so alt sind diverse Kleidungsstücke, bis ungefähr 1970.

Modenschau als Höhepunkt

Die Modenschau war im letzten Jahr einer der Höhepunkte beim AWO-Sommerfest des Fachkrankenhauses und gewann dort die Herzen der Gäste. Hintergrund der Vorstellung von „Anno dazumal“ war der Vorschlag von Yvette Below, selbst Mitglied im Jerichower Heimatverein, „vielleicht auch so eine Gruppe für Jerichow zu gründen.“

Der Verein um den Vorsitzenden Karl Eisbein strebt an, einen Raum in der Klosteranlage Jerichow mit einer Ausstellung zu Stadtgeschichte Jerichows zu einzurichten und interessierten Anwohners als auch Touristen die Historie von Kloster und Stadt Jerichow zu präsentieren. Dazu gehören eben auch Trachten aus den verschiedenen Epochen und „vielleicht jemand, der diese Kleidung vorstellt.“

Noch viel Forschungsarbeit nötig

Im Gespräch um die Ausstellung stellten die Mitglieder des Förder- und Heimatvereines fest: Hier gibt es noch viel Forschungsarbeit zu erbringen. Vielleicht fänden Bürger in Schränken und auf Dachböden noch das eine oder andere Kleinod aus alten Zeiten oder auch Darstellungen, die mithelfen könnten, möglichst authentische Abbildungen von Kleidung nachzubilden – den Heimatverein und jeden landesgeschichtlich interessierten Mitmenschen würde es freuen.

In der Jahreshauptversammlung wurde des Weiteren über die Förderung der Ziegeleiausstellung und die Unterstützung der regelmäßigen Vortragstätigkeiten des Vereins abgestimmt. Die monatlichen Vorträge zu Themen rings um Jerichow und den Elbe-Havel-Winkel sind aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken, erklärt Vorsitzender Eisbein.

Ersterwähnung vor 875 Jahren

Der Vorsitzende Eisbein blickte allerdings nicht nur nach vorn, sondern schaute auf das zurückliegende Jahr mit dem Jubiläum der Ersterwähnung der Stadt vor 875 Jahren und dem Mitwirken des Vereins bei dem Festumzug.