Genthin l Das passt. Inge Eichelmann vom Heimbeirat des Stilke-Hauses zögert am Dienstag nicht lange, um im Namen der Heimbewohner bei einem Besuch von Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, ihre Herzensangelegenheit vorzutragen.

Offener Brief an Ministerin

Ein offener Brief an die Ministerin soll die Rückkehr von Lidon Behrami (25) , einem von den Senioren liebgewonnenen und geschätzten Mitarbeiter des Stilke-Hauses, der Deutschland nach einem Abschiebungsbescheid Anfang März verließ, befördern.

Den Schriftverkehr, den Heimleiterin Britta Möbes seit Januar geführt hat, um den gelernten Kinderkrankenpfleger in Genthin vor einer Abschiebung zu schützen, füllt mittlerweile einen ganzen Aktenordner. „Lidon Behramis Geschichte ist für uns alle sehr berührend, wir stehen nach wie vor mit ihm telefonisch in Kontakt“, sagt sie.

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Seit 2015 in Genthin

Der Kosovare war 2015 aus Halberstadt nach Genthin gekommen, er kam aus freien Stücken zum Stilke-Haus, um zunächst stundenweise ehrenamtlich und unentgeltlich in der Senioren-Betreuung tätig zu sein.

Er sei hartnäckig seinen Weg gegangen, habe auf eigene Kosten Sprachkurse belegt und habe auch autodidaktisch mit großem Erfolg an seinen Sprachkenntnissen gearbeitet. „Sprachlich fit stand einer Festeinstellung als Pflegehelfer im Oktober nichts mehr im Wege. Wir waren sehr froh, in Zeiten des Pflegenotstandes einen motivierten und qualifizierten Mitarbeiter einstellen zu können. Hier hat Integration geklappt“, sagt Heimleiterin Britta Möbes.

Kosovo ist sicheres Herkunftsland

Umso ernüchternder traf dann Anfang des Jahres die Senioren und Kollegen der Abschiebungsbescheid für Lidon Behrami. Er rief Verwaltung, Politik und Justiz auf den Plan. Erfolglos. Das Kosovo gilt als sicheres Herkunftsland.

Der junge Mann saß, zu nächtlicher Stunde von der Polizei aus Genthin abgeholt, bereits auf dem Flughafen in Hannover als nach sofortigen Informationen an Hilfsorganisationen und an das sachsen-anhaltische Innenministerium die Abschiebung noch im letzten Moment gestoppt wurde.

Klage abgewiesen

Eine Klage des Kosovaren gegen den Abschiedungsbescheid wurde schon 2016 vom Verwaltungsgericht Magdeburg abgewiesen, die Causa Behrami landete vor der Härtefallkommission, auch hier gab nicht die erhoffte positive Entscheidung. Zu guter Letzt forderte die Ausländerbehörde den Kosovaren auf, freiwillig innerhalb einer Woche in seine Heimat auszureisen und von dort aus über ein Arbeitsvisum wieder legal in Deutschland einzureisen.

Knackpunkt daran: Die derzeitigen Wartefristen für eine Vorsprache in den Deutschen Botschaften betragen neun bis elf Monate. „Viel zu lange für einen Mann, der im Kosovo vor dem Nichts steht“, meint Möbes.

Ministerin zurückhaltend

Die Ministerin, der der Vorgang über die Integrationsbeauftragte des Landes bereits bekannt war, hielt sich mit großen Versprechungen, Bewegung in die verfahrene Angelegenheit zu bringen, zurück.

Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration werde sich weiter gemeinsam mit den Beschäftigten und dem Seniorenbeirat des Seniorenzentrums für Herrn Behrami einsetzen, ließ Pressesprecherin Ute Albersmann wissen. Um eine schnelle Wiedereinreise zu erreichen, werde sich das Ministerium an das Auswärtige Amt wenden, stellte Ministerin Grimm-Benne, die mit dem Landtagsabgeordneten Falko Grube vor Ort war, in Aussicht.