Datenschutz

Bargeld, Briefe und kein Internet?

Der 28. Januar ist der Europäische Datenschutztag. Was sagt Bernd Hilbert vom Technologie- und Gründerzentrum über das Thema?

Von Susanne Christmann

Genthin l Stets mit Bargeld bezahlen, zur Kommunikation mit anderen nur analoge Briefe – keine Karten! – schreiben und nicht oder nur wenig im Internet unterwegs sein – das könne tun, wer von seinen persönlichen Daten so wenig wie möglich von sich preisgeben möchte, sagt Bernd Hilbert, Datenschutzbeauftragter des Technologie- und Gründerzentrums Jerichower Land in einem Gespräch mit der Volksstimme.

Auf der Höhe der Zeit sei derjenige damit natürlich nicht, so der Experte. Aber dass dies wirkt, ist – leider – auch daran zu sehen, dass jene, die kriminelle Absichten hegen, vor allem auf Bargeld schwören. So getätigte illegale Zahlungsströme ließen sich eben kaum nachvollziehen. Wenn nicht schon beim Abheben des Bargeldes vom Konto nachvollziehbare Spuren hinterlassen wurden.

„So ganz ohne persönliche Daten zu erheben, kommt nicht erst seit heute keiner mehr aus“, stellt Bernd Hilbert klar. Schließlich stehe dem Recht auf persönlichen Datenschutz zum Beispiel auch das berechtigte Interesse eines Händlers gegenüber, dass der Kunde die Rechnung bezahlt für das, was er erstanden hat. Für die Rechnung braucht es persönliche Daten. Jeder, der privat ein Auto fährt, gibt dafür über das Kennzeichen persönliche Daten preis, und mindestens ein Konto bei einer Bank hat wohl auch jeder. Auch den Handel mit persönlichen Daten, zum Beispiel mit Adressen, gibt es schon sehr viel länger als das Internet. Nur war dies davor sehr viel aufwendiger und mühsamer.

Mit den digitalen Möglichkeiten kann jemand am „Tisch sitzen und mit ein paar Klicks zig Millionen Daten ausspähen“ und für seine Zwecke ge- oder auch missbrauchen. Datensammlung, -aufbereitung und der Handel damit haben sich im digitalen Zeitalter zu einem äußerst lukrativen Geschäftszweig entwickelt. Dass Privatpersonen dem nicht schutzlos ausgeliefert sind, dafür sorgt seit 2018 die in allen EU-Mitgliedsstaaten geltende „Datenschutzgrundverordnung“ (DSGVO). Und die sollten, so Hilbert, vor allem die Unternehmen kennen und anwenden können. Weshalb eigentlich keine Firma mehr ohne Datenschutzbeauftragten auskommen dürfte. Auch, weil es gilt, nicht nur die persönlichen Daten jener zu schützen, über die Informationen erhoben werden sollen, sondern auch, um die eigenen, firmenbezogenen Daten der Mitarbeiter sicher vor fremden Augen zu wissen. Elementare Voraussetzung dafür: stets auf dem Stand der (Sicherheits)-Technik zu sein.

Es lohne aber auch als Privatperson, die DSGVO zu kennen. Denn die sagt nicht nur, wann personenbezogene Daten erhoben werden dürfen (zum Beispiel, wenn man seine Einwilligung gegeben hat), sondern auch, dass es ein Recht auf Vergessenwerden gibt. Als Privatperson kann ich fordern, dass alle mich betreffenden Daten gelöscht werden, wenn die Gründe, warum sie erhoben und gespeichert wurden, entfallen sind. Andererseits ist auch derjenige, der die Daten erhoben und verarbeitet hat, verpflichtet, von sich aus die Daten zu löschen, wenn es keinen Grund mehr für eine Speicherung und Verarbeitung gibt. Das betrifft zum Beispiel die Video-Überwachung. Da gibt es enge Fristen, wie lange die Aufnahmen gespeichert werden dürfen beziehungsweise, wann sie wieder gelöscht werden müssen.

Als Privatperson sind mir andererseits auch enge Grenzen gesetzt, wenn ich mein Grundstück mittels Videokamera überwachen lassen will. Sie darf zum Beispiel nur den Eingangsbereich erfassen - links und rechts daneben den öffentlichen Raum nicht mehr. Also gelte es, eine fest installierte Kamera zu montieren, die eben nur den Eingangsbereich erfasst.

Starke Passwörter mit vielen Stellen, klein- und groß geschriebenen Zeichen und mit Ziffern gehören, so Hilbert, zum Schutz der persönlichen Daten ebenso dazu, wie der Drei-Sekunden-Sicherheits-Check für E-Mails. Bei diesem fragt sich der Empfänger: Kenne ich den Absender? Ist der Betreff sinnvoll? Erwarte ich einen Anhang? Erst dann klicke ich drauf. Oder lösche umgehend.