Genthin l Auf eine Entdeckunstour zu regionaler Kunst konnten die Besucher am Sonntag im Wasserturm gehen. Malerei, Scherenschnitt, Fotokunst und Schönschrift hatten ihren Platz in der Ausstellung und zeigten die Bandbreite dessen, was im Moment geschaffen wird. Christa Wolf vom Genthiner Kunstverein präsentierte etwa Naturansichten, zu denen sie Spaziergänge und bestimmte Tageszeiten inspiriert hatten.

Ganz anders hingegen die Bilder von Edith Danner. „80 Prozent meiner Bilder entstehen aus dem Bauch heraus“, erklärte sie den Besuchern. Abstrakte Werke, Porträts und Collagen sind im Laufe der vergangenen Jahre entstanden. 27 Bilder zeigte sie im Turm. „Bei der Ausstellung im Kreismuseum zu meinem 70. Geburtstag waren es ganze 90 Bilder“, fügt Danner hinzu.

Noch eine relativ neue Hobbykünstlerin ist Annegret Busch. „Ich beschäftige mich erst kurze Zeit mit dem Malen“, sagt sie. „Ich male auch nicht, um meine Bilder auszustellen, sondern zu meiner Entspannung.“ Besonders in den Blick fiel ein Katzenbild, bei dem das Gesicht des Tieres in viele Haare ausläuft, einen Körper gibt es auf dem Bild nicht. „Ich fand diese Form sehr spannend“, erklärte die Erschafferin ihre Motivation.

Bilder

Verlorene Plätze

Unter die regionalen Künstler mischte sich auch ein Gast aus Wuppertal. Fritz Zander, mit dem Kunstverein verbunden, präsentierte großformatige Bilder zum Thema „Lost Places“. Die verlorenen Plätze sind für Zander alte Fabrikgebäude, Herrenhäuser, Sanatorien. Verlassene Bauwerke mit besonderem Charme. „Viele meinen, es seien verrottete Gebäude, aber die bergen viel Farben und Gegensätze, die sehr interessant sind.“ Eines seiner Lieblingsbilder ist ein Foto mit einem roten Sofa in einem alten Gebäude.

„Drinnen die abgeschrammten Wände und das Sofa vor den Fenstern, dabei schimmert das Grün der Natur durch.“ Das Bild hat es sogar auf die Visitenkarte des Fotokünstlers geschafft. Seine Motive findet er über Agenturen. „Um unter Zäunen durchzukriechen und über Absperrungen zu klettern, bin ich schon zu alt“, erklärt Zander mit einem Lachen.

Lachen darf die Wusterin Almut Oehlmann während ihrer Arbeit nicht. Denn nur mir ruhiger Hand und feinen Schnitten entstehen die Formen von Schmetterlingen als Scherenschnitt. „Ich verziere mit den Scherenschnitten Glückwunschkarten oder Briefe“, verriet sie. Auch ihre kleinen filigranen Werke fanden Eingang in die Ausstellung. An einem Tisch waren die Scherenschnitte zu sehen.

Kalligrafische Arbeiten

Dort präsentierte Renate Braun ein weiteres Kunstgenre. Das Schönschreiben. „Kalligrafie interessiert mich schon sehr lange“, erläutert Braun. In vielen Kursen habe sie sich mit dem Thema beschäftigt. „Ich gestalte die Buchstaben immer so, dass die Zeilen lesbar sind.“ Heute gäbe es auch eine Strömung der Kalligrafie, bei der die Buchstaben Mittel zur kunstvollen Verfremdung werden. „Das ist etwas, was mich weniger anspricht“, so Braun. Sinnsprüche, Bibelverse, aber auch Worte setzt sie gekonnt in Szene und hat damit auch schon Ausstellungen in Genthin bestritten.

An großen Namen der Genthiner Kunstszene wie Lotte Ballerin, Josef Prause oder Martin Bellon wurde in der ersten Etage des Wasserturm erinnert. Die Galerie der Verstorbenen zeigte das Schaffen von Künstlern, die einen Namen über die Region hinaus haben.

Allen gemein ist, dass sie zu Lebzeiten dem Kunstverein verbunden waren. Dort wird durchaus mit einem weiteren Kunstmarkt geliebäugelt. „Wir können uns im kommenden Jahr eine weitere Veranstaltung vorstellen“, bestätigt Organisatorin Regina Bahr. Dann allerdings nicht im Wasserturm, da dieser 2019 saniert werden soll.