Merseburg/Genthin l Sebastian Witte sorgte mit seiner Teilnahme an der Regionalrunde des Wettbewerbs „Chemie – die stimmt!“, die an der Hochschule Merseburg ausgetragen wurde, wieder einmal für die Bekanntheit des Städtchens Genthin. Der Gymnasiast erwies sich hier als einer der besten Nachwuchschemiker Mitteldeutschlands.

Er erreichte mit Abstand die meisten Punkte in der Klausur und ergatterte sich damit den Gesamtsieg. In einer vierstündigen Klausur hatte Sebastian unter anderem bei der Aufgabe „Chemie mit und an der frischen Luft“ die Konkurrenz abgehängt. Bei dieser Aufgabe ging es darum, den Sauerstoffgehalt in der Ostsee zu bestimmen. Der Sauerstoffgehalt ist ein wichtiger ökologischer Faktor, der die „Gesundheit“ eines Gewässers anzeigt. Die Berechnungen, die Sebastian bei dieser Aufgabe nachvollziehen musste, gehen auf ein Verfahren zurück, dass der ungarische Chemiker Lajos Winkler bereits 1888 entwickelt hatte.

Aber der Schüler vom Bismarck-Gymnasium erweis sich nicht nur als ein Theoretiker.

Auch im Praxisteil top

Gemeinsam mit seinem Team konnte er die Jury auch von seinen praktischen Fertigkeiten überzeugen und obendrein im Praxisteil auf das Siegertreppchen steigen.

Mit seinem Erfolg hat Sebastian nicht nur seinen Bücherschrank um zwei schwere Chemiebücher erweitert. Vor allem hat er sich damit zur ersten bundesweiten Finalrunde qualifiziert, die dieses Jahr die 24 besten Nachwuchschemiker der Unterstufe in einem Wettbewerb zusammenbringt.

Finale im September

Die Finalrunde wird im September in Leipizg, der Heimat des Wettbewerbs „Chemie – die stimmt!“, ausgetragen.

Da Sebastian Witte auch im Vergleich mit den Schülern der anderen Regionalrunden die höchste Punktzahl erreicht hat, wird er als Favorit ins „Rennen“ gehen.

Seinen Erfolg will Sebastian Witte allerdings nicht allzu hoch anbinden. „Vielleicht hatte ich auch einfach das entscheidende Quentchen Glück, um auf das Siegerpodest zu steigen“, sagt er.

3.800 Teilnehmer

„Chemie – die stimmt!“ ist ein vierstufiger Wettbewerb für Schüler und Schülerinnen der Klassenstufe 8, 9 und 10. An der ersten Stufe des Wettbewerbs hatten sich im Herbst vergangenen Jahres insgesamt 3.800 Schüler und Schülerinnen beteiligt. Die besten Schüler jedes Landes haben sich in den zweiten Stufen, den Landes-Olympiaden, für die Regionalrunden qualifiziert.

Nach Merseburg waren die Landessieger von Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angereist.

Der Wettbewerb wird vom Förderverein Chemie-Olympiade e.V. organisiert, von den Kultusministerien der Länder und Sponsoren finanziert und vor Ort von Schulen und Universitäten ausgetragen.

Einen weiteren Achtungserfolg erreichte Sebastian Witte auch auf dem Weg, sich für die internationale Chemie-Olympiade zu qualifizieren.

Mit einem sechsten Platz verfehlte er bei der letzten und höchsten nationalen Qualifikationsrunde in Kiel als jüngster Teilnehmer nur denkbar knapp den Sprung in die bundesdeutsche Mannschaft. Nur die ersten Fünf sind für das bundesdeutsche National-Team gesetzt, das nach Thailand reisen wird. Trotzdem ist diese Platzierung ein großer Erfolg für den Genthiner Gymnasiasten, der im nächsten Jahr sicherlich einen neuen Anlauf für die Internationale Olympiade nehmen wird.

Der stetige Erfolg hat für Sebastian Witte viele Väter. Angefangen mit dem Genthiner Bismarck-Gymnasium, das dem Chemie-Ass mit Freistellungen die Teilnahme an Seminaren, aber auch an Vergleichen, Exkursionen und Wettbewerben, ermöglicht. Fachlichen Beistand durch Universitäten bzw. Hochschulen und Unternehmen sowie „Ziehväter“ begleiten seinen Weg. Das Kultusministerium Sachsen-Anhalt bietet unter anderem Spezialistenlager für den hoffnungsvollen Chemie-Nachwuchs an. Besonders gern erinnert sich der Gymnasiast daran, dass er im Oktober sein Schulpraktikum im Max-Planck-Institut absolvieren konnte.

Mutter Anja Witte gibt allerdings zu verstehen, dass Talent allein nicht ausreicht, um sich erfolgreich auf dem Chemie-Parkett zu bewegen. „Ich kenne meinen Sohn nicht anders, als mit Fachbüchern unterwegs, auch in der Freizeit und im Urlaub“, berichtet sie.