Genthin l Im Waschmittelwerk werden wieder im großen Umfang Flaschen mit Reinigungsmitteln abgefüllt. Derzeit sind 22 Mitarbeiter an zwei Linien im Zwei-Schicht-Betrieb im Einsatz. Das hatten die Geschäftsführer der Firma beim Start in Genthin im vergangenen Herbst versprochen. Seitdem haben die neuen Geschäftsführer kontinuierlich am Ausbau der Produktion gearbeitet, haben Zulassungen für den Betrieb der Anlage verlängert und die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen.

„Wir können auf langfristig ausgelegte Aufträge bauen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Thurn, Peter Schoof. Auch habe man davon profitieren können, dass sich der chinesische Markt in den vergangenen Wochen erholt hatte. Die Vertriebspartner in Asien konnten daher ihren Verpflichtungen nachkommen. „Allerdings lässt sich nicht sagen, wie sich die Marktlage in den kommenden Monaten entwickelt.“

Reinigungsmittel sehr gefragt

Allerdings ist die Nachfrage nach Reinigungsmitteln groß. Partner aus dem Drogerie- und Lebensmittelbereich lassen im Auftrag Waschpulver sowie Geschirr- und Reinigungsmittel in Genthin herstellen. Nicht nur für den deutschen, sondern auch für den internationalen Markt.

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Desinfektionsmittel, die derzeit zu den umfangreich nachgefragten Produkten zählen, werden in Genthin nicht hergestellt. Dazu benötigt man unter anderem Ethanol, dass als leicht entzündbare Flüssigkeit in spezielle Behälter gefüllt werden muss.

Waschmittel unterschiedlicher Art

Das sei in Genthin nicht möglich. Allerdings hat Thurn in Genthin seinen Schwerpunkt in anderen Bereichen. Ab April sollen Waschmittel unterschiedlicher Art in Genthin hergestellt werden, bis Juni die Zahl der Mitarbeiter auf 35 anwachsen. Bevor vor einigen Wochen zur Vorbeugung von möglichen Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus sämtliche Kontakte unterbunden wurden, waren Landrat Steffen Burchhardt und sein Beigeordneter Thomas Barz im Werk zu Gast.

„Es ist gut, dass es neue Besitzer gibt, die sich in der Region verbinden wollen“, sagt Barz. Er hat in seiner Zeit als Genthiner Bürgermeister Insolvenzen und Neuinvestitionen im Werk begleitet, die nicht von Dauer waren.

Einige Hürden stehen noch an

Es sei ein Phänomen, dass Firmen in Genthin auch gesellschaftlich ankommen und akzeptiert werden müssten, wenn sie erfolgreich agieren wollen. Die Vorzeichen seien diesmal andere. Das bestätigt auch Betriebsleiterin Walburga Gellert, eine echte Fachfrau. Die Industriemeisterin begann mit der Lehre im Waschmittelwerk bei Henkel und machte alle Entwicklungen des Standortes mit. „Ich denke, diesmal haben wir eine echte Chance auf einen Neubeginn, die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr gut.“

Schoof macht aber auch deutlich, dass man noch einige Hürden zu überwinden habe. Viele Bestandteile der Produktion müssten zugeliefert, lange Lieferketten in Kauf genommen werden.

Unternehmen 1977 gegründet

Zudem sei Genthin 500 Kilometer weit vom Hauptsitz entfernt. Auch etwas, das bei der Planung berücksichtigt werden müsse.

Die Firma Thurn ist seit mehr als 40 Jahren in Neunkirchen-Seelscheid (Nordrhein-Westfalen) ansässig. Das Unternehmen wurde 1977 von Adolf Günther Thurn gegründet. Er führte die Firma viele Jahrzehnte. Allerdings musste sich der Betrieb einem immer schärfer werdenden Wettbewerb stellen. 2017 ging Thurn in die Insolvenz. Aus dieser heraus fand das Unternehmen 2018 neue Eigentümer, zu denen Schoof gehört. Die Zeit des Gründers war damit vorbei. Nur der Name blieb.

An seinem Hauptsitz sowie in der Niederlassung Kerkrade in den Niederlanden beschäftigt das Unternehmen rund 400 Mitarbeiter, zudem sind dort Forschung und Entwicklung sowie die Herstellung von Waschmittel- und Geschirr-Reiniger-Pulver. Thurn beliefert die großen Handelsketten, Drogeriemärkte und Filialisten in Deutschland und Europa.

Ähnlich wie es auch in den vorherigen Genthiner Betrieben der Fall war, ohne Nennung des eigenen Firmennamens, sondern mit dem der Auftraggeber.