Derben l Anita Hempel, Vorsitzende des Heimatvereins in Derben, sitzt über einem Berg von Materialien. Zu sehen sind Fotografien und zahlreiche Dokumente zur Tarnfirma „Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft“, die 1934 zur Beschaffung, Lagerung und Herstellung kriegswichtiger Rohstoffe gegründet wurde und zu der ein Tanklager zwischen Derben und Ferchland gehörte. Eine Ausstellung erinnerte bereits vor vier Jahren daran, was auf diesem Gelände am 14. Januar passierte. Die daran beteiligten Personen sind auch heute noch in Sachen Heimatgeschichte aktiv. Vom Heimatmuseum dazu gesellten sich neben Anita Hempel, Christa Schmette, der Ferchländer Ortschronist Horst Wedau und die Pareyer Ortschronistin Christiane Wagner.

Dauerausstellung ist Wunsch

Nur drei Tage wurde die Exposition damals präsentiert. Aber es gehe ja um so viele persönliche Erinnerungen, stellt Anita Hempel rückblickend fest. Ihr Wunsch und der Wunsch vieler Derbener ist es, eine Dauerausstellung zu diesem Thema präsentieren zu können. „Aber uns fehlt hier in der Schifferscheune einfach der Platz“, sagt sie.

Am 14. Januar wird dieses dunkle Kapitel der Derbener und Ferchländer Geschichte wieder lebendig. Die Alliierten ließen am Mittag des 14. Januar Bomben auf das Gelände der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft hageln.

Bilder

Gritta Bauer erinnert sich

Doch getroffen wurden dabei nicht nur die Anlagen. Dies zeigten im Rahmen der Ausstellung die Erinnerungen von Gritta Brauer. Die Mutter von Anita Hempel war zwölf Jahre alt, als die amerikanischen Bomber Derben mit einem klaren Ziel ansteuerten.

„Wir haben Mittagbrot gegessen und dann gab es Alarm. Als wir Gebrumme hörten, sind wir vor die Haustür gegangen. Dann haben wir den Himmel abgesucht nach Fliegern, sie flogen über unserem Hof herum. Als sie über unserem Stall drüber waren, gingen mit einmal weißen Streifen herunter“, wird dokumentiert.

Eine Siedlung entstand

Ein Soldat habe sofort auf die Gefahr hingewiesen: „Jetzt kriegen wir einen Angriff, rasch runter in den Keller.“ Die Erinnerungen zeigen, dass es nicht nur die einheimischen Derbener traf. Im Rahmen des Aufbaus der Tarnfirma gab es viele neue Zugezogene, die dort als Fachpersonal arbeiten mussten. Es entstand eine Siedlung. Und Zugezogene waren auch von dem schrecklichen Bombardement betroffen. Das spiegelt auch der Bericht von Gitta Brauer wider.

„Dann kamen Frau Grothe mit ihren Jungs, die alte Frau Schröder mit ihren Umsiedlern, die gerade von Duisburg hier waren. Die haben getobt, dass ausgerechnet hier so etwas passiert.“

15 Gebäude wurden komplett zerstört, getroffen wurde auch ein Gasthof. 30 Menschen verloren ihr Leben, neun verletzten sich schwer.

Mauerreste sind übrig geblieben

Heute befindet sich an dieser Stelle ein Waldstück, welches sich in privater Hand befindet. Wer einen Spaziergang an der Stelle unternimmt, an der sich früher die Anlagen der Forschungsgesellschaft befanden, entdeckt Mauerreste, die die Erinnerung auch heute noch, 74 Jahre nach dem Bombenhagel, lebendig halten.