Genthin l Schon vor dem eigentlichen Beginn der Zwangsversteigerung diskutierten die Anwesenden im Sitzungsraum des Burger Amtsgericht angeregt über die bevorstehende Verhandlung. Das Gelände des ehemaligen Toom-Baumarkts an der Berliner Chaussee in Genthin ist heiß begehrt. Für ein Mindestangebot von 51.000 Euro sollte der ehemalige Markt mit 3000 Quadratmeter Hallenfläche und etwa 14 .000 Quadratmeter Büro- und Sozialflächen nun unter den Hammer kommen. Im Versteigerungspaket einbegriffen ist des Weiteren eine gewerbliche Baufläche von rund 4580 Quadratmetern.

Um Punkt 13 Uhr eröffnete die Vorsitzende Rechtspflegerin Doreen Knape dann die Zwangsversteigerung. Vorhergegangen waren Fragen zu dem Ablauf der Verhandlung durch Vertreter des Zirkus Busch, die laut eigenen Aussagen aktuell eine Nutzungsvereinbarung mit dem vorherigen Eigentümer getroffen hatten. „Das ist unser Zuhause. Wir möchten dort eigentlich noch viele Jahre bleiben. Dazu kommt, dass wir im Moment noch ein Auftrittsverbot haben“, hieß es vonseiten des Zirkus-Vertreters. „Wir haben trotzdem einen Geldgeber gefunden und bieten selbst mit.“

100.000 Euro als 1. Angebot

Doch das Mitbieten war für den Zirkus schnell vorbei. Kurz nachdem die anwesende Rechtspflegerin Doreen Knape die Bieter zur Abgabe von Geboten aufforderte, standen 100.000 Euro im Raum, geboten von einer Berliner Immobilienfirma. Ein erstes kleineres Raunen ging durch die Anwesenden knapp 20 Menschen im Sitzungssaal des Amtsgerichts.

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Als direkt danach ein Gebot von 290.000 Euro abgegeben wurde, war die Ernüchterung bei der Zirkus-Delegation groß. „Vielleicht hat der neue Eigentümer ja Mitleid mit uns“, hieß es.

Drei der fünf Bieter liefern sich Gefecht

Schnell wurde klar, dass drei der fünf Bieter das Rennen um den ehemaligen Toom-Markt unter sich ausmachen sollten. In Fünftausender-Schritten ging es weiter. Immer wenn ein Gebot abgegeben wurde, kam wie aus der Pistole geschossen die Antwort von Anja Ducho, Prokuristin der Firma Immo HVS mit Sitz im brandenburgischen Wusterwitz: „Ich erhöhe.“

Als siebtes Gebot bat sie im Auftrag ihrer Firma 325 000 Euro. Daraufhin verständigten sich die beiden anderen Bieter vor der Tür, wohl um ein mögliches Geschäft untereinander auszumachen.

Wiederum ging es dann für beide Parteien jeweils in kleinen Schritten weiter, bis zur 370.000er Marke. Ohne sich nochmal zu der gegenüberstehenden Bietpartei umzudrehen, kam wie aus der Pistole geschossen das letzte Gebot des Nachmittages: Sage und schreibe 400.000 Euro. Als Reaktion folgte ein verständnisloses Kopfschütteln und Stirnrunzeln der verbleibenden Bieter. Rechtspflegerin Doreen Knape zählte an: „Hiermit fordere ich erneut alle Bieter auf, ein Angebot abzugeben. Zum Ersten, zum Zweiten...!“ Der Rest ist bekannt. Um 13.59 Uhr war der Verkauf durch die Vertreter der Stadt Genthin und der DZ-Bank besiegelt.

Fläche am Kanal für Firma interessant

Der eigentliche Eigentümer des Geländes kam nicht zur Versteigerung. Von den 400 000 Euro, welche die Bank von der Immobilienfirma aus Brandenburg erhält, wandern knapp 50 00 Euro zur Grundschuldentilgung an die Stadt Genthin.

Weitere rund 8000 Euro Verfahrenskosten zieht das Amtsgericht Burg ein. Von dem Rest tilgt die DZ-Bank die Verbindlichkeiten des ehemaligen Eigentümers bei der DZ-Bank. Die spannende Frage bleibt nun vorerst, was mit dem stark umworbenen Gelände am Elbe/Havel-Kanal geschieht.

Gelände für öffentlichen Verkehr

Im improvisierten und kurzen Volksstimme-Interview auf dem Flur vor dem Saal im Amtsgerichts wollte Anja Ducho eigentlich keine Aussagen zu dem Objekt treffen. Am Ende verriet die Vertreterin der neuen Eigentums-Firma dann doch soviel: „Wir haben im Vorfeld schon geschaut, wie wir das Gelände in Zukunft nutzen können. Die Fläche direkt am Kanal ist schon lange für uns interessant“, so die Prokuristin. Auf die Frage, ob das Gelände für den öffentlichen Verkehr bestimmt ist, lächelt die Vertreterin der Firma nur kurz: „Ja“. Was folglich aus dem alten Baumarkt wird, bleibt abzuwarten.

Schon seit vielen Jahren steht das Objekt leer. Zwischenzeitlich hatte es die Stadt in die Standortuntersuchungen für den Neubau des Stadtkulturhauses einbezogen. Als Vorteil wurde vor rund zwei Jahren gesehen, dass vor dem Gebäude Parkplätze vorhanden sind und die Verkehrsanbindung über die B1 gut sei. Allerdings gab es auch gravierende Nachteile, etwa, dass die Stadt das Gebäude hätte kaufen müssen.

Die Sanierungskosten wären hoch gewesen und dennoch hätten viele Räumlichkeiten nur schlecht genutzt werden können. Trotzdem lag der ehemalige Baumarkt in der Gunst der Genthiner bei einer Befragung der Volksstimme, die im Zusammenhang mit der Kommunalwahl vorgenommen wurde, weit vorn. Mehr als 30 Prozent der Teilnehmer dieser Umfrage sprachen sich für den Baumarkt aus.