Genthin l Günstiger und einfacher den Zug in Richtung Berlin/Brandenburg besteigen – das bleibt für Genthiner Bahnkunden, darunter viele Pendler, immer noch ein dringlicher, aber unerfüllter Dauerwunsch.

Aktuell gibt es wieder einen neuen Anlauf, um einem länderübergreifenden Tarif im öffentlichen Personennahverkehr endlich ein Stückchen näher zu kommen. So seien in der Sache neuerliche Gespräche zwischen Jost Beckmann, Geschäftsführer der Magdeburger Regionalverkehrsverbund GmbH (marego), und Vertretern aus Brandenburg durchaus aussichtsreich verlaufen. Das resümierte Landrat Steffen Burchhardt (SPD), der auf diesen Austausch auf Anregung der Stadträte Gerd Mangelsdorf (CDU) und Lutz Nitz (Grüne) gedrängt hatte.

Bedarf muss nachgewiesen werden

Wie der Landrat informierte, hätten sich die beiden Seiten darauf geeinigt, im Herbst dieses Jahres eine „umfangreiche Potenzialanalyse“ zu erstellen und auszuwerten. Gegenstand würden unter anderem Zahlen aus der Pendlerstatistik der Agentur für Arbeit und Auswertungen von Reisebefragungen in den Zügen der Deutschen Bahn sein.

Für ein länderübergreifendes Ticket, daran ließ Steffen Burchhardt nach den Gesprächen keinen Zweifel, müsse allerdings ein verlässlicher Bedarf sowohl auf sachsen-anhaltischer, als auch auf brandenburgischer Seite nachgewiesen werden.

Zurückhaltung bei Anbietern

Die Brandenburger, wurde der Landrat sehr deutlich, stünden einer gebietsübergreifenden Verbindung mit einem Fahrschein bisher noch zurückhaltend gegenüber, da die Einführung eines günstigeren Tarifes aus ihrer Sicht mit enormen wirtschaftlichen Risiken verbunden sei. Die ausstehende Potenzialanalyse soll deshalb auch erheblich über die im Jahr 2015 vom marego erhobene Mobilitätsbefragung, die von der Stadt Genthin und vom damaligen Bürgermeister Thomas Barz angeschoben worden war, hinausgehen.

Die Ergebnisse dieser Potenzialanalyse müssten jetzt erst abgewartet werden, erklärte der Landrat. Wenn sich anhand der ermittelten Zahlen eine tragfähige, also wirtschaftliche Lösung abzeichne, sei von allen Beteiligten im kommenden Jahr eine Pilotphase in Aussicht gestellt worden.

Eine eher zurückhaltende Reaktion zu den Gesprächen in Magdeburg kam auf Volksstimme-Anfrage von Eike Arnhold, stellvertretender Pressesprecher des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB): „Gern prüfen wir die Möglichkeit für Anschlusstarife oder Übergangstarife, sofern die Verbundnachbarn damit auf uns zukommen. Ein komplett neuer länderübergreifender Tarif ist dabei jedoch, Stand heute, eher unwahrscheinlich.“

Regio-120- Ticket seit 2017

Ähnliche Gespräche beziehungsweise positive Beispiele gibt es für den VBB in Richtung Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Polen. Im Verbundgrenzgebiet Genthin gibt es zurzeit drei unterschiedliche Preise für eine Fahrt nach Berlin.

Seit 2017 wird zwar ein sogenanntes Regio-120-Ticket angeboten, wodurch ein direktes Ticket nach Berlin anstatt 22,50 Euro noch 17 Euro kostet. Der große Wurf ist damit jedoch nicht gelungen. Denn wer zwei Tickets löst, nämlich eins von Genthin ins 15 Kilometer entfernte brandenburgische Wusterwitz (für 4,60 Euro) und dann ein weiteres Ticket in Richtung Berlin (8,50 Euro), bleibt immer noch unter dem Preis des Regio-120-Tickets und spart damit fast vier Euro pro Fahrt.