Genthin l Die „Kartoffelkirmes“ im Volkspark in Genthin vom 18. bis 20. September wird stattfinden, das hat Veranstalter Freddy Schmidt - seit einigen Jahren bewährter Kooperationspartner der Stadt seitens des Schaustellergewerbes - gegenüber der Volksstimme jetzt noch einmal bestätigt.

Der Stadtrat war in seiner Sitzung im Juli dem Vorschlag von Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) mit einer deutlichen Mehrheit gefolgt. 13 Räte stimmten damals für und sechs gegen den Antrag, das Fest abzusagen, daneben gab es zwei Enthaltungen. In Erwägung wurde zunächst noch gezogen, das Kartoffelfest in einer abgespeckten Form stattfinden zu lassen. Jedoch sind die Auflagen gemäß der Eindämmungsverordnung für die Stadt so enorm, dass eine Umsetzung unter einem zu hohen Aufwand gestanden hätte.

Kein Programm außerhalb der Fahrgeschäfte

So wird Schausteller Freddy Schmidt die Organisation der „Kartoffelkirmes“ vollständig in die eigenen Hände nehmen. Wer dann auf der Kirmes nach Kartoffeln sucht, wird sie bei den angebotenen Speisen einer Spezialitäten-Meile finden. Viel mehr Kartoffel wird nicht möglich sein. Denn aus Sorge, dass irgendeiner Person dort auf der Kirmes irgendetwas passieren könnte, habe ihm gegenüber, so Schmidt, Bürgermeister Matthias Günther jeglichen Programmpunkt außerhalb von Food-Meile und Fahrgeschäften gestrichen.

Dadurch kann zum Beispiel auch solch‘ ein Bild wie nebenstehend mit allen Kartoffelköniginnen beim Kirmesspaß auf einem Fahrgeschäft im September im Volkspark nicht zustande kommen. Der Food-Meile gegenüber sollen dann die verschiedenen Fahrgeschäfte stehen: Autoscooter, Hollywoodstar, Piratenschiff, Scheibenwischer, Kinderkarussells, Schieß- und Losbude - insgesamt 12 bis 15 verschiedene Stände.

Stadt Genthin will helfen

Die Stadt unterstütze ihn soweit, das will Freddy Schmidt nicht unerwähnt lassen, dass sie sich um den vorgeschriebenen (Bau)Zaun um das Kirmesgelände herum mit Ein- und Ausgang kümmern wolle. Zudem solle es Einlasskontrollen geben, um genehmigte Höchstzahlen an Besuchern nicht zu überschreiten. Zwar dürfen laut der aktuellen Eindämmungsverordnung Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern zum 31. Oktober nicht stattfinden, aber ein Rummel würde aufgrund der fehlenden Zusatzaktivitäten, wie Verkaufs- und Infostände oder einem Bühnenprogramm voraussichtlich weniger Besucher anziehen und daher unter der genannten Grenze bleiben. Alles Weitere liegt nun in Schmidts Händen.

Auf die schriftliche Frage der Volksstimme an die Genthiner Stadtverwaltung, ob der Veranstalter inzwischen die Genehmigung für die Durchführung der „Kartoffelkirmes“ von der Stadt erhalten habe, antwortete Matthias Günther schriftlich: „Dem Schausteller Schmidt aus Potsdam wurde seitens der Stadt offeriert, einen Rummel zu veranstalten und dazu den Volkspark zu nutzen. Ein offizieller Antrag seitens des Schaustellers liegt der Stadt aktuell noch nicht vor. Über die Ausgestaltung und Bewerbung der Veranstaltung fragen Sie bitte den Veranstalter Schmidt selbst.“

Mit 25.000 Euro ins finanzielle Risiko

Es sei zwar nicht so vereinbart gewesen, sagt Freddy Schmidt gegenüber der Volksstimme dazu, der in Sachen Kirmes in ständigem Kontakt mit Marina Conradi von der Stadtverwaltung steht. Aber er werde jetzt natürlich diesen Antrag, wenn er gewünscht werde, sofort aufsetzen und nach Genthin schicken. Mit runden 25 000 Euro ginge Freddy Schmidt für die „Kartoffelkirmes“ in Genthin ins finanzielle Risiko, wenn er denn die Genehmigung der Stadt dafür bekommt.

Einen Großteil dieser Kosten machen die großen Aggregate aus, die besorgt werden müssen, weil im Volkspark keine Stromversorgung vorhanden ist. Freddy Schmidt ist aber überzeugt, dass sich auch dieser finanzielle Einsatz lohnen werde. Denn „überall, wo wir nach dem Corona-Lockdown auch hingekommen sind, wurden wir mit offenen Armen empfangen.“ Die Gemeindeverwaltungen hätten ihn und seine Kollegen ausdrücklich herbeigewünscht, um die vielen ausgefallenen Feste wenigstens etwas zu kompensieren.

Erlebnis bieten in Corona-Zeiten

In Henningsdorf, wo Schmidt mit seinen Schaustellerkollegen derzeit einen Rummel vor allem für Kinder veranstaltet, seien ihm nicht nur die Standgebühren erlassen und jegliche Steine bei der Organisation aus dem Wege geräumt worden. Hier konnten sie sich von zwei Plätzen einen aussuchen, wo sie stehen wollten. Sie hätten auch, wenn sie gewollt hätten und keine anderen Plätze hätten „bespielen“ können, bis Oktober in Henningsdorf bleiben und Rummel machen dürfen. Aber irgendwann, so Freddy Schmidt im Schaustellersprech, sei jeder Platz einmal „abgespielt“ und dann sollten Schausteller immer weiter ziehen.

Gerührt erzählt Freddy Schmidt, dass sich derzeit besonders Familien mit Kindern immer wieder ausdrücklich bei ihm bedanken, sich freuen, dass es die Schausteller mit ihren Angeboten gibt. Schon mit einfachem Karussellfahren, Lose ziehen und Eisessen könnten sie ihrem Nachwuchs ein Erlebnis bieten, das in Corona-Zeiten eben nicht mehr so selbstverständlich ist.

Hoffen auf viele Besucher

„Es tut gut, zu merken“, so Schmidt weiter, „dass wir gebraucht werden, dass wir eben nicht überflüssig sind, wie uns schon so mancher Amtsinhaber oder Politiker zu verstehen gegeben hat.“ Deshalb ist Schmidt wegen der Kosten, die in Genthin auf ihn und seine Kollegen zukommen, auch nicht sehr bange, auch wenn der Lockdown und die Corona-Auflagen so manchen Schaustellerkollegen an den Rand seiner Existenz gebracht hat. „Ich bin überzeugt davon, dass im September auch die Genthiner kommen, sich über unsere Angebote freuen und das Kirmeserlebnis einfach genießen werden.“