Genthin l Forstwirte des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel sind seit Ende November wieder den Larven der sogenannten Kieferngroßschädlinge auf der Spur. Diese Winterbodensuche läuft gegenwärtig landesweit und erstreckt sich auf alle Eigentumsarten, die im Territorium des Betreuungsforstamtes betreut werden.

Aus der Anzahl und dem Zustand der aufgefundenen Puppen der forstschädlichen Insekten lassen sich Rückschlüsse auf den zu erwartenden Befall im bevorstehenden Sommer ziehen. Anhand der Ergebnisse kann eine zuverlässige Prognose zur Schadentwicklung erstellt werden. „Damit erhalten wir die Möglichkeit, gegebenenfalls präventiv einzugreifen“, sagt Peter Sültmann, Forstamtsleiter des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel.

Suchen an 42 Kiefern

In den Kiefernwäldern zwischen Havelberg und Hohenseeden sind für die Winterbodensuche 42 Kiefernbestände im Alter zwischen 30 und 70 Jahren mit jeweils zehn Suchflächen in einer Größe von je einem halben Quadratmeter ausgewählt worden. Dafür wird den Forstleuten ein bestimmtes Schema vorgegeben. Die Suche nach den Puppen der Kieferngroßschädlinge erfolgt in unmittelbarer Baumnähe, ausgehend vom Stammfuß. Nach den ersten Frösten lassen sich die Schädlinge zum Verpuppen auf den Boden fallen - ein Umstand, den die Forstleute bei der zum Teil mühsamen Winterbodensuche ausnutzen.

Bilder

Dazu wird zunächst in den abgegrenzten Suchflächen die Humusschicht, die Winterschlafstätte der Schädlingspuppen, -kokons und -raupen, bis zum Mineralboden ausgehoben und anschließend auf Folie gelegt. Die anfallenden, riesigen Mengen an Humus werden dann in Säcke abgefüllt, von denen der Inhalt jedes einzelnen Sackes von Forstwirten im Betreuungsforstamt auf einem Tisch ausgebreitet, zerkleinert und dann akribisch auf Larven von Kieferngroßschädlingen untersucht wird. Es bedarf dabei eines geschulten Auges, um die von der Forstwirtschaft gefürchteten Kahlfresser, den Puppen des Kiefernspanner und der Forleule, den Raupen des Kiefernspinners und den Kokons der Kiefernbuschhornwespe, aussortieren zu können.

Das komplette Sammelgut wird anschließend, sortiert in exakt gekennzeichneten Suchkartons, zur Untersuchung an die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen geschickt. Dort werden sie auf den Befall von Parasiten wie Bakterien und Pilze untersucht. Diese Schmarotzer können den Kieferngroßschädlingen in ihrer weiteren Entwicklung erheblich zusetzen und sie auch zum Absterben bringen. Von der Stärke des Parasitenbefalls können die Forstleute dann zuverlässig ableiten, in welchem Umfang der Schädlingsbefall eintritt. Die Winterbodensuche soll, wie überall in Sachsen-Anhalt, im Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel bis Ende Januar abgeschlossen sein. Es wird dann auch die Ergebnisse an die Forstbetriebsgemeinschaften, an die Kommunen und auch an die nicht organisierten Privatwaldbesitzer weiterleiten.

Ergebnisse Anfang März

Forstamtsleiter Peter Sültmann rechnet damit, dass diese Ergebnisse Anfang März vorliegen werden. Dann wird sich zeigen, ob auf ihn und auf die Waldbesitzer böse Überraschungen zukommen. Das wäre der Fall, wenn sogenannte Warnschwellenwerte überschritten werden. Erfahrungsgemäß würde die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen in diesem Fall empfehlen, eine Nachsuche an den betroffenen Waldorten durchzuführen.

Bisher rechnet der Forstamtsleiter nicht damit, dass solche Nachsuchen notwendig werden. Denn die Kieferngroßschädlinge seien in den letzten beiden Jahren auf den Flächen des Betreuungsforstamtes trotz der Dürresommer nicht auffällig gewesen. Sie würden sich, wie der Forstamtsleiter sagt, in „Latenz“ befinden.