Burg l Ende des 19. Jahrhunderts herrschte Unzufriedenheit unter den Arbeiterinnen Europas. Die Löhne waren gering, die Arbeitsbedingungen schlecht und politische Beteiligung durch Wahlen war nicht möglich. Um auf die Situation der Frauen aufmerksam zu machen, schlug die deutsche Frauenrechtlerin und sozialistische Politikerin Clara Zetkin am 27. August 1910 vor, einen internationalen Frauentag einzuführen, an dem die Betroffenen für ihre Rechte kämpfen sollten.

In den vergangenen 110 Jahren verbesserte sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft deutlich. Doch auf den Lorbeeren ausruhen wollen sich Frauen dennoch nicht. Jedes Jahr am 8. März wird auf Themen aufmerksam gemacht, bei denen Frauen noch Handlungsbedarf sehen.

Gleichberechigung bedeutet Akzeptanz

Lea Schubert, 26 Jahre alt und Teil des Teams des Jugendclubs U27 in Burg, führt aus, was Gleichstellung für sie bedeutet: „Gleichberechtigung bedeutet für mich Akzeptanz, sich gegenseitig bestärken und den Leuten, die mehrfach marginalisiert sind, eine Plattform bieten, anstatt ihnen über den Mund zu fahren.“ Erreicht sei die Gleichberechtigung allerdings noch nicht, erklärt sie: „Gleichberechtigung bedeutet für mich, die eigenen Privilegien zu hinterfragen und dadurch zu merken, dass wir vom Prinzip her alle gleich sein sollten, aber es durch politische und gesellschaftliche Systeme nicht sind. Dass die Personen, die mit Privilegien leben dürfen, sich für Leute mit weniger Privilegien einsetzen müssen, wenn ihnen Gleichberechtigung wirklich wichtig wäre.“

Bilder

Während Lea Schubert schon im Berufsleben steht, ist die 14-jährige Dana Bleßmann noch in der Schule. Sie geht auf das Roland-Gymnasium in Burg und auch für sie ist Gleichberechtigung durchaus ein Thema. „Für mich bedeutet Gleichberechtigung, dass ich als Mädchen genau die gleichen Berufe ergreifen kann wie die Jungen. Also dass mir niemand sagt, ich könnte nicht Polizistin oder Feuerwehrfrau werden.“ Aber auch in der Schule bemerkt sie, dass es noch etwas zu tun gibt, wenn es um Gleichberechtigung geht. „Wenn es etwas Schweres zu tragen gibt, fragen die Lehrer immer nur die Jungs, ob sie helfen können, dabei können Mädchen das doch auch.“ Auch kann sie es oft nicht nachvollziehen, warum einige Bereiche im alltäglichen Leben nach Geschlecht getrennt sind: „Allein die Farben Rosa und Blau. Angeblich sind die jeweils nur für Jungen oder Mädchen, dabei ist es doch komplett egal, welche Farben man mag.“ Sie findet es verwunderlich, dass viele Dinge nur Frauen oder Männern zugeschrieben sind. „Man wird als Mädchen schon als unweiblich angesehen, wenn man sich nicht schminkt oder kurze Haare hat. Andererseits bekommen auch Jungen zu hören, dass es unmännlich sei, wenn sie beispielsweise Lippenpflege verwenden.“

Gleicher Lohn für Arbeit

Auf etwas mehr Lebenserfahrung als ihre Vorrednerinnen kann Petra Schirmer zurückblicken. Die 59-Jährige war schon in mehreren Betrieben im Büro tätig, war auch zeitweise Hausfrau. In ihrem Berufsleben hat sie schon einige Male Ungerechtigkeiten bezüglich der Bezahlung erfahren: „Ich könnte jetzt zum Thema Gleichberechtigung schlichtweg sagen, dass man gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen soll, aber das ist mir dann doch etwas zu vereinfacht.“ Ähnlich wie die Schülerin Dana Bleßmann spricht sie die Berufswahl an: „Ich will als Frau den Beruf wählen können, ohne dass ich mir anhören muss, dass ich dieses und jenes nicht machen kann. Und ich will auf jeden Fall über meinen Besitz und vor allem meinen Körper frei verfügen können.“ Auch wenn in den vergangenen Jahren das Thema Übergriffe gegen Frauen stark thematisiert wurde, gibt es für Petra Schirmer noch einiges zu tun: „Ich will als Frau überall hingehen können, ohne Angst davor zu haben, dass mir etwas passiert, weil ich eine Frau bin.“

Auch wenn jede der Befragten einige sehr individuelle Aspekte einbrachte, was für sie bei der Gleichberechtigung zentral ist, waren sich doch alle einig, dass es Bereiche gibt, in denen sie sich noch nicht gleichberechtigt fühlen. Somit hat der internationale Frauentag noch gute Gründe, weiterhin begangen zu werden.