Genthin l Noch nie musste die höchste Waldbrandgefahrenstufe so früh ausgerufen werden wie in diesem Jahr. Anhaltende sommerliche Temperaturen um 20 Grad, Sonnenschein satt, weit und breit von Regen keine Spur. Die Situation ist mittlerweile dramatisch. Während das durchschnittliche Niederschlagsmittel der letzten fünf Jahren für den Monat April im Jerichower Land bei 22 Millimeter pro Quadratmeter liegt, sind aktuell lediglich 3,6 Millimeter pro Quadratmeter gefallen.

Der Niederschlag über die Wintermonate bis einschließlich März hatte den Waldboden in einer Tiefe von 60 bis 80 Zentimeter durchfeuchtet, sagt Peter Sültmann, Forstamtsleiter des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel. Die Trockenheit im April habe jedoch dazu geführt, dass die obere Bodenschicht in einer Tiefe bis zu zehn Zentimetern wieder ausgetrocknet sei. Die Waldbrandgefahr ist damit derzeit allgegenwärtig. Altes vertrocknetes Gras, Moos sowie Kronen- und Astmaterial bieten den Flammen großes Potential.

Alle Revierleiter in Bereitschaft versetzt

Das Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel hat sich mit dem Ausrufen der Waldbrandgefahrenstufe 5 auf die Situation eingestellt. Alle im Dienst befindlichen Revierleiter sind in Bereitschaft versetzt worden, das automatisierte Waldbrandfrühwarnsystem ist täglich bis 20 Uhr besetzt. Zudem seien Streifendienste im Wald eingesetzt, gab Forstamtsleiter Peter Sültmann zur Auskunft.

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Im Landkreis Jerichower Land gab es im vergangenen Jahr insgesamt 24 Waldbrände, davon allein im Raum Jerichow/Genthin 19. Dabei wurden 2,12 Hektar Wald vernichtet und ein wirtschaftlicher Schaden von mehr als 10 000 Euro verursacht. Für die Forstwirtschaft ging allerdings schon mit dem Vorjahr 2018 ein Waldbrand-Rekordjahr in die jüngere Geschichte ein. 42 Brände auf einer Fläche von knapp elf Hektar zogen einen Schaden von 57 000 Euro nach sich.

2018 für die Feuerwehr ein „Ausreißerjahr

Auch im Einsatzgeschehen der Genthiner Feuerwehr bleibt das Jahr 2018 der Spitzenreiter, wobei die Feuerwehr unter der Rubrik Waldbrände auch Feld- und Vegetationsbrände erfasst. „Für uns“, sagt auch Stadtwehrleiter Achim Schmechtig, „war das Jahr 2018 ein Ausreißer“. Unter den mehr als 160 Einsätzen, zu denen die Genthiner und Altenplathower Feuerwehrleute ausrückten, gab es 35 Brände, davon 19 Wald-, Feld- oder Vegetationsbrände.

Schmechtig sieht die Genthiner Feuerwehr für mögliche Waldbrände personell trotz Corona-Krise gut aufgestellt. Das gelte grundsätzlich für das gesamten Einsatzgeschehen.

Dabei steuern die Genthiner und Altenplathower Ortsfeuerwehren derzeit einem Einsatzrekord entgegen. Sie wurden bis Ende April im vergangenen Jahr zu 28 Einsätzen gerufen, bis Stand Dienstag schlugen bereits 43 Alarmierungen zu Buche. Erstmalig in diesem Jahr stand für die Genthiner Feuerwehr ein Waldbrand am 18. April bei Wiechenberg auf dem Einsatzplan.

Das Thema Waldbrände beschäftigt die Feuerwehren und die Forstwirtschaft gerade im Hinblick auf den Klimawandel längst langfristig.

Kein Blättern in Karten mehr

So werden die Waldbrandeinsatzkarten, mit denen die Feuerwehren bei Einsätzen ausgestattet sind, jährlich aktualisiert und liegen digital vor. Darüber informierte Stadtwehrleiter Achim Schmechtig bei den Jahreshauptversammlungen der Ortsfeuerwehren der Einheitsgemeinde Genthin, soweit sie noch durchgeführt werden konnten. Das Blättern in Karten wird damit durch das Bedienen eines Tablets ersetzt. Die Ausstattung der Ortsfeuerwehren mit den Tablets erfolgt bereits kurzfristig über die Stadt Genthin.

Des Weiteren arbeitet die Genthiner Feuerwehr gegenwärtig daran, Standorte für zusätzliche Löschwasserbrunnen in den Wäldern zu ermitteln. Damit sollen Lücken in der Löschwasserversorgung geschlossen, Anfahrtswege verkürzt und Zeit gewonnen werden.

Für deren Einrichtung könnten Aussagen des Stadtwehrleiters Fördermittel des Landes in Anspruch genommen werden.