Genthin l Wie hat sich der Humor der beiden Genthiner Karnevalsvereine CCW und GCC im Laufe der Jahrzehnte gewandelt und welche Rolle spielte dabei die Wende? Mit dieser Frage beschäftigte sich Jeany Berndt aus der 11. Klasse des Bismarck-Gymnasiums in einer 30-seitigen Abhandlung, die in der vergangenen Woche im Rahmen einer Veranstaltung im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg als Gewinnerarbeit in Sachsen-Anhalt prämiert wurde.

Bildungsminister Marco Tullner sagte bei der Preisverleihung: „Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind beeindruckend. Die Teilnahme am Geschichtswettbewerb bietet eine gute Abwechslung zum regulären Schulalltag und setzt neue Impulse im Unterricht.“ Zumal bei einem Thema, das noch wenig betrachtet wurde. Der Geschichtswettbewerb wird vom Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung ausgelobt.

Eltern brachten auf Idee

Er soll junge Menschen zur Beschäftigung mit geschichtlichen Themen in ihrem Umfeld bewegen. „Meine Eltern sind seit den 90er Jahren mit dem Karneval in Genthin verbunden, sehen regelmäßig die Programme und das hat mich auf die Idee gebracht, mich mit dem Karneval in Genthin zu beschäftigen“, erläuterte die Schülerin nach der Preisverleihung.

Untestützt wurde ihre Recherche auch von den Vereinen. Bernhard Horn vom Genthiner Carneval Club (GCC) und Erhard Hölzel vom Carneval Club Waschmittelwerk (CCW) steuerten Fotos, Programmtexte und eigene Erinnerungen bei. Jeany Berndt recherchierte, von Museumsleitein Antonia Beran unterstützt, auch im Zeitungsarchiv des Kreismuseums.

20 Jahre keine Teilnahme

Als Tutor der Arbeit fungierte Schulleiter Volker Schütte: „Es ist eine spannende Arbeit und für uns eine große Freude, dass sie auf so viel Zustimmung gestoßen ist“, fand er. Es sei das erste Mal seit 1999, dass wieder eine Schülerin aus dem Bismarck-Gymnasium teilgenommen habe.

Was sind nun die Ergebnisse der Arbeit? „Grob kann man sagen, dass der Karnevalshumor zu DDR-Zeiten oft aus Andeutungen bestand, die die Menschen aber sehr genau verstanden.“ Auch die Zensur durch die Staatssicherheit (Stasi) sei gegenwärtig gewesen. Jeany Berndt berichtet in ihrer Arbeit: „Im Jahr 1974 trugen drei langjährige Mitglieder des CCW während einer Aufführung einen anderen Text vor, als von der Staatssicherheit genehmigt wurde. Dadurch bekam der CCW erhebliche Probleme und stand kurz davor, nicht mehr auftreten zu dürfen.“

Polische Witze auch in der DDR

Doch dazu kam es nicht. Der 1963 gegründete CCW, bekamt einen Ableger, als drei Büttenredner den Verein verließen und 1976 gründeten. Dennoch gab man beim CCW nicht klein bei und machte Witze über Sport, Alkohol oder die oft mangelhafte Versorgung mitbestimmten Produkten der DDR. „Im Vergleich mit dem CCW beinhalteten die Lieder und vorgetragenen Texte des GCC deutlichere politische Anspielungen“, stellt Jeanny Berndt in ihrer Arbeit fest.

Aber auch, dass nach der Wende das Publikum zunächst das Interesse am Karneval verloren habe. „Für viele waren die Zeiten wenig lustig, auch im Karneval kam diese Situation an.“ Aber die Vereine berappelten sich und eroberten ihre Zuschauer zurück. Der CCW gründete sich nach einer Pause neu, modernisierte und verjüngte sein Programm. Der GCC geht seit kurzem noch einen Schritt weiter, ist der neue Präsident, Sebastian Strebe doch erst 32 Jahre alt.

Heute ist Humor direkter

„Heute ist es so, dass die Witze eine große Bevölkerungsschicht ansprechen sollen, manchmal auch wesentlich derber sind, als früher und weniger versteckt.“ Es sei direkterer Humor.

Beim CCW habe sich folgende Änderung ergeben: Die Liedtexte und Büttenreden beinhalten nun oft die gesellschaftlichen Probleme der Stadt Genthin, wie beispielsweise die zunehmende Schließung kleinerer Betriebe, den Wegzug junger Menschen und die Geldprobleme der Stadt.“

Besucherstamm ist heute konstant

Der GCC orientiere sich seit der Wende häufiger an der Comedy und betreibe weniger klassisches politisches Kabarett. „Trotzdem sind die Witze auch heute noch meist politisch.“ Erfreulich für die Vereine, ist die Feststellung, dass die Karnevalsveranstaltung mittlerweile ihr Publikum relativ konstant halten und das sie auch ein jüngeres Publikum erreichen.

Jeany Berndts Abhandlung ist derzeit nicht veröffentlicht und darf daher nicht in Gänze abgedruckt werden. Auch da die Arbeit am Bundeswettbewerb des Geschichtswettbewerbs teilnehmen wird. Für Schulleiter Schütte, ist der Erfolg der Arbeit, Ansporn im kommenden Jahr erneut und im größeren Umfang Schüler zur Teilnahme zu motivieren.