Parchen l Überraschenden Besuch bekam der Parchener Ortschronist: „Plötzlich standen zwei Herrschaften vor der Tür und fragten auf Englisch, ob ich Herr Schulenburg sei“, erinnert sich Günther Schulenburg. Die beiden Besucher waren von Parchenern auf Schulenburgs große Sammlung historischer Materialien über das Dorf aufmerksam gemacht worden und durften natürlich in die zahlreichen Bände zur Ortsgeschichte schauen.

Drei Wochen unterwegs

Aus Kalifornien in den USA waren Carol Parchen und ihr Lebensgefährte nach Europa gereist. „Wir sind auf der Suche nach meinen Vorfahren“, erklärte sie. Dabei seien sie darauf gekommen, dass der Familienname auch etwas mit dem Ortsnamen zu tun haben könnte. Drei Wochen waren Carol Parchen und ihr Lebensgefährten in Europa unterwegs und sind dabei nach Berchtesgaden, Salzburg, Stuttgart, Berlin und Paris gefahren.

Mittlerweile ist das Paar wieder in der Heimat und wertet die Ergebnisse der Reise aus. Und Carol Parchen kann mit einiger Sicherheit sagen, dass ihre Familie auf den 1805 geborenen Georg Wilhelm Parchen zurückgehe, der einst in Vatterode im Mansfelder Land lebte und von dort aus 1848 mit seiner Familie nach New York übersiedelte. Dieser Georg Wilhelm sei der Ur-Großvater ihres Vaters gewesen, berichtet Carol Parchen.

Suche nach den Wurzeln der Familie

In Wüstheuterode im thüringischen Landkreis Eichsfeld fanden die Besucher ebenfalls Spuren ihrer Vorfahren. Dort wurden sie vom Inhaber der örtlichen Gaststätte zum Heiligenstadt-Museum zur Hamsteinmühle begleitet. „Diese Mühle hat meine Familie besessen“, sagt Carol Parchen. Eine besondere Station sei bei dieser Station der Hafen an der Werra gewesen, von der die Vorfahren einst wahrscheinlich in Richtung Bremen abfuhren.

In Deutschland konnte Carol Parchen besonders in Magdeburg Wurzeln ihrer Familie auftun. In einem Archiv in der Landeshauptstadt konnten auf Mikrofilm Inhalte alter Kirchenbücher ausgelesen werden. Georg Wilhelms ältester Sohn wurde 1830 als Friederich Wilhelm Parchen geboren. „Das war interessant“, berichtete die US-Besucherin. „Wir konnten allerdings keinen Geburtsort Georgs finden.“ Auch Parchen sei eine spannende Erfahrung für die Reisenden gewesen. Neben dem Ehepaar Schulenburg hätten die US-Besucher auch das Schloss Parchen besucht und sich Abbildungen des Stammbaumes der von Byerns angesehen.

Keine Hinweise auf Abstammung

Allerdings musste Heiko Mahrenholz vom Schlossförderverein einschränken: „Wir haben in den Unterlagen keine Hinweise auf eine Abstammung der Familie Parchen in Parchen gefunden, ich denke das ist eine zufällige Namensgleichheit.“ In der Parchener Kirche übernahm Jürgen Schröder von der Kirchengemeinde die Führung. „Leider sind aus dieser Zeit aufgrund eines großen Brandes in der Parchener Kirche keine Kirchenbücher mehr erhalten“, erzählte Schröder.

Material für eine weitere Recherche konnten die beiden Reisenden also leider nicht sichten. Nach einem Brand war das sakrale Gebäude in der Kirchstraße im Jahre 1827 wieder neu aufgebaut worden. Dennoch war die Reise ergiebig „Ich habe jetzt Tausende von Fotos, die ich durchgehen kann“, freute sich Carol Parchen. Dennoch freue sie sich, dass ein Ort in Sachsen-Anhalt ihren Namen trage.

Das hat die Besucherin auch im Gästebuch zum 150-jährigen Bestehen der Gaststätte „Herget“ schriftlich und mit einem Bild niedergelegt. Dadurch hat die Amerikanerin Spuren im Jerichower Land hinterlassen, die vielleicht eines Tages auch ihre Nachfahren aufspüren werden.