Genthin l „Ich heiße Abdul, komme aus Syrien und meine Hobbys sind Lesen und Fußball spielen.“ Nur ein kleiner Satz im Deutschunterricht, aber ein weiterer Schritt des jungen syrischen Flüchtlings auf dem Weg zur Integration. „Wenn ich in Deutschland bleiben will, muss ich die deutsche Sprache verstehen und sprechen können sagt er.“

Für den jungen Mann ist der ehrenamtlich organisierte Sprachunterricht im Integrationstreff in der Einsteinstraße eine einfache Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen. „Wir haben hier im Haus die Angebote zum Sprachlernen übernommen, die zuvor in der Stadt- und Kreisbibliothek stattgefunden haben“, sagt Matthias Witt von der AWO Jerichower Land. Montags, dienstags und donnerstags kümmern sich 15 ehrenamtliche Helfer um die Fortführung der seit rund eineinhalb Jahren in Genthin bestehenden Deutschkurse. Nach wie vor würden diese gut besucht. Etwa zehn bis 15 Teilnehmer seien regelmäßig vor Ort.

Ehrenamtliche erteilen Deutschkurse

Die Nachfrage ist weiterhin da", sagen die Ehrenamtler. Die Kurse seien niedrigschwellige Angebote als Vorbereitung für den Alltag in Deutschland oder einen späteren Integrationskurs. Für Kinder und Jugendliche gibt es zudem an zwei Tagen in der Woche außerdem eine Hausaufgabenhilfe. Integrationslotse Mohamed Mabruk hat ebenfalls feste Sprechzeiten in der Einsteinstraße. Zwischen 17.30 und 19 Uhr ist er täglich vor Ort. Mabruk wird von der AWO beschäftigt, um Flüchtlingen in Genthin und Brettin bei Amtsgängen oder der Suche nach Kindergartenplätzen zu helfen oder bei kleineren und größeren Problemen sprachlicher Art bei Ärzten, Banken oder Angestellten zu vermitteln.

Aber er ist auch Ansprechpartner für die einheimische Bevölkerung und will zwischen den Kulturen vermitteln. „Wichtig ist, dass die Menschen aufeinander zugehen, um die Eigenheiten der jeweils anderen Kultur zu verstehen“, sagt er. Auch dafür steht er im Integrationstreff zur Verfügung. Sichtbares Zeichen für diese Bemühungen war ein kürzlich von ihm organisiertes Festessen von Teilnehmern des Integrationskurses und ehrenamtliche Helfern. „Integration ist keine Einbahnstraße“, findet auch Matthias Witt.

Austausch ermöglichen

„Es ist wichtig, dass es einen Austausch zwischen den Anwohnern und den Flüchtlingen gibt, um Vorurteile abzubauen oder Missverständnissen vorzubeugen.“ Neben der AWO ist auch das Jugendwerk Rolandmühle Burg mit eigenen Mitarbeitern im Haus. Montags zwischen 13 und 18 Uhr ist Michael Behr und dienstags zwischen 9 und 14 Uhr ist Anne Jung im Integrationstreff zu finden. „Wir stehen den Flüchtlingen bei Fragen und Anregungen zur Verfügung, aber besonders auch all denen in der Bevölkerung, die Helfen möchten“, erklärt Behr. So könne er beispielsweise diejenigen unterstützen, die Patenschaften für Flüchtlingsfamilien übernehmen oder Aktionen zur Integration ins Leben rufen möchten.

„Möglich ist es auch, uns anzusprechen, wenn Hilfe im Alltag der Flüchtlinge benötigt wird.“ Dass der Integrationstreff nach dem Auslaufen einer finanziellen Förderung und dem damit verbundenen Rückzug des Vereins „Aufbruch“ weiter bestehen kann, ist einer glücklichen Fügung zu verdanken. „Wir sind seitens des Landes aufgefordert worden, eine Netzwerkstelle einzurichten, mit der die Arbeit der Ehrenamtlichen koordiniert werden soll“, erläutert die Integrationskoordinatorin des Landkreises, Stefanie Glomm. Die sogenannte Netzwerkstelle für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe (NWST) ist danach vom Jugendwerk eingerichtet und in der Einsteinstraße angesiedelt worden.

Bereits in der Vergangenheit wurden im Integrationstreff interkulturelle Begegnungen und Veranstaltungen organisiert. Anfangs richtete sich diese in erster Linie an Spätaussiedler. In den letzten beiden Jahren wurde dieses Angebot von immer weniger Menschen wahrgenommen. 2015 gab es erstmals ehrenamtlich organisierte Deutschkurse für syrische Flüchtlinge in der Einsteinstraße.