Tucheim l Zur revierübergreifenden Baujagd kamen rund 40 Jäger aus Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen in dieser Woche in Tucheim zusammen. Darunter waren mehrere Hundeführer mit ihren Teckeln aus dem Münsterland dabei. Gejagt wurde in den Jagdgebieten rund um Tucheim. Für die Jäger war die Ausbeute in diesem Jahr gering. Fünf Füchse und ein Waschbär wurden erlegt. „Für eine Jagd war das Wetter heute zu gut, die Tiere sind nicht im Bau“, bilanzierte Dietmar Schumann, Leiter des Hegerings Tucheim, der erneut die Federführung der Jagd übernommen hatte, an die sich auch Teilnehmer aus der Umgebung, etwa Paplitz Loburg und Ladeburg angeschlossen hatten.

Die Baujagd hat im Fiener Tradition, dabei wird mit speziell ausgebildeten Hunden, zumeist Dackeln, das Wild in den Bauten „verbellt“, wie es in der Fachsprache heißt. „Die Hunde sind so ausgebildet, dass sie das Wild nicht im Bau angreifen, sondern es nach außen vertreiben“, erklärt Hundeführer Luka Welltring, Hundeführer aus dem Münsterland.

Tierschützer kritisieren Baujagd

Was für die Teilnehmer Jagdalltag ist, wird von Tierschützern kritisiert. „Bei der Baujagd ist der Fuchs chancenlos: Flieht er, wird er von den draußen wartenden Jägern er- oder angeschossen. Bleibt er im Bau, muss er sich dem Hund stellen“, sagt etwa Lovis Kauertz, Vorsitzender Wildtierschutz Deutschland. „Geben weder Hund noch Fuchs nach, graben die Jäger den Bau auf.

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Schließlich wird der Fuchs erschossen.“ Die Baujagd sei für ihn eine grausame Jagdart. Doch das wollen die Hundeführer so nicht stehen lassen. „Direkte Angriffe auf das Wild umgehen wir mit einer guten Ausbildung unserer Hunde, auch haben wir heute mit moderner Technik etwa Lawinensuchgeräten die Möglichkeit, die Hunde zu orten“, sagt Luka Welltring. „Für uns ist die Sicherheit des Hundes wichtig, wir wollen sie nicht in Gefahr bringen.“ Allerdings muss auch der Münsterländer Hundeführer eingestehen: „Die sandigen Böden hier in der Gegend machen es nicht selten notwendig, die Hunde auszugraben.“ Das passiere durchaus.

Nicht artgerecht

Tierschützer Kauertz sieht das naturgemäß kritisch und als wenig artgerecht. Er macht auf noch etwas anderes aufmerksam: „Gemäß §3 des deutschen Tierschutzgesetzes ist es verboten, Hunde auf andere Tiere zu hetzen. Dennoch wird genau das im Rahmen der Fuchsjagd als „waidgerecht“ legalisiert und tausendfach praktiziert.“

Für die Jäger allerdings notwendig: „Was wir tun, dient ganz eindeutig der Hege und dem Schutz des Niederwildes, denn die Population von Fuchs und Waschbär ist stark angestiegen, insbesondere der Waschbär ist eine echte Plage geworden“, erläutert Dietmar Schumann. „Wir sorgen dafür, dass etwa Kleintiere wie Hasen oder Brutvögel in ihrer Population gestützt und erhalten werden“, macht die Tucheimer Hundeführererin Jenny Ritzow deutlich.

Unkontrollierte Vermehrung

Bestimmte Wildtiere würden sich ansonsten unkontrolliert vermehren und kleinere Tiere völlig verdrängen. Tierschützer Kauertz widerspricht: „Wie wissenschaftliche Studien zeigen, ist die Fuchsjagd insgesamt als sinnlos und sogar kontraproduktiv zu bewerten, weil Verluste durch steigende Geburtenraten und Zuwanderung aus anderen Gebieten rasch kompensiert werden.“

Er meint, dass auf Bundes- oder Landesebene betrachtet die Fuchsjagd überhaupt keinen stabilisierenden Effekt auf die Gefährdungssituation von Tieren wie Feldhase, Fasan, Rebhuhn habe. Die Tucheimer Jäger lassen diese Aussage aber nicht zu. „Im Fiener ist es sehr wohl so, dass wir in den vergangenen Jahren mehr Hasen, mehr Fasane bemerken können, das hat durchaus etwas mit unserer Arbeit zu tun“, erklärt Dietmar Schumann. Die Tucheimer verweisen zudem auf eine Besonderheit des Fieners: „Wir schützen insbesondere auch die Großtrappe vor unserer Haustür in ihrem Bestand.“

Schutz der Großtrappen

Trappenschützer nehmen diese Unterstützung an, für sie ist die Jagd ein wichtiges Element der Bemühungen: „Die verschiedenen Maßnahmen, welche zum Schutz und zur Unterstützung des Großtrappenbestandes durchgeführt werden, sind äußerst komplex und wirken auch nur zusammen in dieser Komplexität“ macht Marcus Borchert vom Förderverein Großtrappenschutz deutlich.

Aufgrund der intensiven Schutzmaßnahmen stieg im Fiener Bruch der Bestand in den letzten 20 Jahren von 5 auf 107 Großtrappen (Stand 2019).

Erfolg dank vieler Maßnahmen

Dieser Erfolg lässt sich nicht auf einzelne Maßnahmen herunterbrechen. Nur durch das Zusammenwirken aller Maßnahmen und aller Akteure vor Ort, das heißt Naturschutz, Landwirtschaft und Jägerschaft kann so ein umfangreiches Schutzprojekt auch erfolgreich sein.“

Borchert verkürzt seine Aussage so: „ Das Projekt fußt auf den Maßnahmenkomplexen Habitatmanagement, Auswilderung und Prädationsmanagement. Fällt eine dieser Säulen aus, kippt das gesamte Projekt.“

Jäger öfter in Tucheim zu Gast

Die Säule Trappenschutz haben auch die Gäste aus Nordrhein-Westfalen im Blick: „Für uns ist das Projekt Großtrappenschutz eine Angelegenheit, die wir unterstützen wollen, das gibt es in anderen Gegenden so nicht“, sagt der Münsterländer Welltring. Nicht zuletzt deshalb sei man immer wieder beim Hegering Tucheim zu Gast.

Der wird in seinen Aktivitäten auch direkt vor Ort unterstützt. Der Jugendclub Tucheim stellt die Räumlichkeiten, die Jagdhornbläser Reesen begleiten die Jagd und das Waldstübchen Ziesar ist für die Versorgung zuständig. „Wir sind damit auch ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens und in der Region eingebunden“, macht Dietmar Schumann deutlich.