Genthin l Joice, Alexandra, Emily, Tim und Fabian springen gleich mit Sachen in den Pool im Garten des Jugendhauses „Thomas Morus“. Das Beste, was sie bei diesen hochsommerlichen Temperaturen tun können. Aber sie kommen natürlich nicht nur wegen der Erfrischungs-Möglichkeit im Pool hierher.

Joyce kommt jeden Tag ins Morushaus

Besonders Joice, die jede Minute, die sie kann, in dem außen (unter anderem) himmelblau getünchten Gebäude verbringt, mag sich gar nicht vorstellen, hier nicht mehr hergehen zu können. Zum Billard oder Tischtennis und Volleyball spielen, auf dem Trampolin springen, im Gemüsegarten werkeln, in der Küche Mahlzeiten vorbereiten und vor allem, hier stets auf einen erwachsenen Ansprechpartner zu treffen, der Zeit hat, zuhört, bei Problemen hilft und (fast) alles mit den Jugendlichen mitmacht. Außer bekleidet in den Pool zu springen.

Das tut Sebastian Kroll dann doch nicht. Der studierte Sozialwissenschaftler arbeitet seit 2017 als Fachmann für Integration im Morus-Haus unter der Projektüberschrift „Jugend international“. Die Finanzierung dieser Stelle läuft aber im September aus. Ronny Harzendorf, koordinierender Erzieher im Haus, und sein Team haben zwar versucht, unter der neuen Projekt-Überschrift „Step by step“ die Finanzierung für Sebastian Krolls Stelle im Jugendhaus zu verlängern. Aber das wurde abgelehnt, weil die zur Verfügung stehenden Haushaltsgelder dafür nicht ausreichen würden.

Bilder

Das Thomas-Morus-Haus drückt noch eine andere Personalsorge. Die hier angesiedelte Streetworker-Stelle ist seit Februar dieses Jahres, als die langjährige Streetworkerin Petra Schiele in den Ruhestand verabschiedet wurde, vakant. „Der Landkreis“, so Ronny Harzendorf gegenüber der Volksstimme, „hat die Stelle ausgeschrieben. Aber bis jetzt hat sich daraus nichts ergeben.“ Hier drückt also der Schuh. Mit der Absicht, das erfahren zu wollen, hatten sich die beiden CDU-Politiker Detlef Radke (Landtagsabgeordneter) und Thomas Staudt (Direktkandidat für die Landtagswahl 2021 für Wahlkreis 5 für Genthin, Tangermünde, Tangerhütte) im Morus-Haus angemeldet. Besonders Thomas Staudt zeigte sich als Mann „vom Fach“, weil er als Tangermünder in die Arbeit des dortigen Schalom-Hauses (Kinder- und Familienzentrum, Jugendarbeit) involviert ist.

Arbeit an vielen Projekten

Ungeachtet der Personalsorgen wird im Genthiner Thomas-Morus-Haus nach dem erzwungenen Stillstand während des Corona-Lockdowns derzeit an vielen Projekten gearbeitet. Mit zwei Gruppen –einmal den Acht- bis Dreizehnjährigen und zum anderen den 13-bis Sechszehnjährigen – sind die Betreuer am Dienstag zu einer einwöchigen Ferienfreizeit zum Camping an die Mecklenburgische Seenplatte aufgebrochen. „Das ist ganz wichtig für die Kinder und Jugendlichen“, sagt Ronny Harnzendorf. Denn gerade nach dem Corona-Lockdown ist das für viele von ihnen eine der raren Möglichkeiten, „mal aus der Stadt heraus zu kommen“.

Stattfinden soll auch noch die diesjährige integrative Fussball-Nacht, bei der etwa 60 Kinder und Jugendliche in gemischten Teams auf dem Fußballfeld gegeneinander antreten. Vorgesehen dafür ist der 11. September auf dem Sportplatz Mitte, gemeinsam verantaltet mit den Einheitsgemeinden Jerichow und Elbe-Parey.

Bürgermeister wieder zum Kochduell herausgefo

Danach steht die Aktion „Grill den Bürgermeister!“ auf dem Plan. Das Jugendhaus „Thomas Morus“ hatte den Wettbewerb frei nach dem Motto einer TV-Show im vergangenen Jahr im Rahmen der Interkulturellen Woche initiiert, um auf dem Marktplatz nicht nur die Feinschmecker, sondern auch jung und alt zusammenzubringen. Eine Genthiner Schulklasse hatte dabei den Genthiner Bürgermeister Matthias Günther zum Kochduell mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert herausgefordert. Zuletzt konnten über 90 Euro an Spenden für eine Abschlussfahrt der Klasse nach Moskau gesammelt werden. Ebenso wechselten zwei Grills durch eine Verlosung den Besitzer.

Gerade getroffen wurden die letzten Vorbereitungen für die Teilnahme an der 3. Genthiner Matsch-Wolke, einem Hindernislauf am kommenden Sonnabend am Rodelberg. Nachgeholt werden soll auch noch der für den Juli geplante Grundschulmarathon und dann will ja auch schon wieder die diesjährige Hof-Weihnacht im Thomas-Morus-Haus gut vorbereitet sein. Wenn Haus-Leiter Ronny Harzendorf diese Personalsorgen drücken würden, wäre alles im grünen Bereich. Denn Joice und ihre Freunde kommen immer wieder. Jeden Tag.