Genthin l Um die Finanzierung der Fortführung der Integrations-Projektstelle „Jugend international“ im Jugendhaus „Thomas Morus“, die mit dem Projekt-Schluss Ende September zunächst ausläuft, wird derzeit von allen Beteiligten gerungen. Anders als in der Volksstimme berichtet, die eine Presseinformation dahingehend interpretiert hatte, ist die Weiterführung dieser Stelle noch nicht in trockenen Tüchern.

Gespräch vor Ort mit allen Beteiligten

Das Landesverwaltungsamt hatte am Dienstag einen Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten initiiert, um die Möglichkeiten auszuloten, die finanzielle Beihilfen auch in Zukunft ermöglichen zu können. Die Integrations-Stelle wird seit 2017 von dem studierten Sozialwissenschaftler Sebastian Kroll ausgefüllt.

Wie Jugendhausleiter Ronny Harzendorf in einem Gespräch mit der Volksstimme sagte, sei er am Dienstag beim Vor-Ort-Gespräch mit allen Beteiligten dabei gewesen. Genauso wie Vertreter des Landesverwaltungsamtes, das bisher der Hauptgeldgeber für die Stelle war, des Landkreises Jerichower Land, der anteilig an der Finanzierung beteiligt war, und der Abteilung Migration/Integration des Caritas-Verbandes Magdeburg.

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Einig seien sich die Beteiligten am Dienstag gewesen, so Ronny Harzendorf weiter, dass es ungemein wichtig ist, die am Thomas-Morus-Haus angegliederte Projektstelle weiterzuführen. Das Landesverwaltungsamt teilt dazu auf Anfrage der Volksstimme mit: „Im Ergebnis des am 1. September 2020 seitens des Landesverwaltungsamtes initiierten Gesprächs sind sich alle Beteiligten darüber einig, dass eine Förderung für das Jugendhaus gefunden werden soll. Wie hoch diese ausfällt und wer sich an der Finanzierung des Projekts beteiligen kann und wird – dies ist nun in der Abstimmung“. Auch Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos), sagt Harzendorf, habe sich am Dienstag sehr für die Fortführung der Projekt-Stelle ins Zeug gelegt. Die Stadt unterstütze die Arbeit des Hauses jährlich mit einer festen Summe. Aufgrund der angespannten Haushaltslage könne sie, so Harzendorf, aber derzeit kein Geld für die weitere Förderung der Projektstelle zur Verfügung stellen.

Landkreis eventuell Komplementärförderer

Auf Anfrage der Volksstimme heißt es aus der Landkreisverwaltung: „Der Landkreis prüft zur Zeit, in welcher Form eine weitere Beteiligung erfolgen kann. Die Entscheidungskompetenz über eine Weiterführung der Förderung liegt hier beim Jugendhilfeausschuss. Die abschließende Entscheidung, inwieweit die Stelle generell weitergeführt werden kann, liegt jedoch nicht beim Landkreis Jerichower Land als potenziellem Komplementärförderer, sondern beim Landesverwaltungsamt“.

Das Jugendhaus „Thomas Morus“ selbst hatte bisher einen vergleichsweise geringen Eigenanteil an der Finanzierung der Projektstelle getragen. Wenn sie jetzt als Vollzeitstelle weiter geführt werden würde, fiele dieser Eigenanteil eventuell höher aus. Zur Freude des Morus-Hauses sei der gegenwärtige Sachstand so, dass es dafür „mehrere Ansätze und viele Befürworter“ gäbe, so der Jugendhaus-Leiter.

Der Caritas-Verband Magdeburg, der hinter dem Träger der Einrichtung, der katholischen St. Marien-Gemeinde Genthin, steht, sei zwar nicht selbst Geldgeber, kümmere sich jetzt aber darum, Fördertöpfe, die die Integrationsarbeit unterstützen, dafür anzuzapfen. Er sei, so Harzendorf, momentan dabei, verschiedenen Varianten durchzurechnen.

Verlässliche, personelle Aufstellung wichtig

Das Haus würde mit Sebastian Kroll, wenn die Stelle nicht weitergeführt werden könnte, einen „wichtigen Mitarbeiter verlieren“, erklärt Ronny Harzendorf. Gerade in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sei eine kontinuierliche, verlässliche personelle Aufstellung wichtig. Für das Morus-Haus, die Stadt Genthin und für die Kinder und Jugendlichen – ob syrischer, deutscher, afghanischer, russischer Herkunft oder aus Eritrea – würde es ein großes Integrationsloch geben, wenn die Stelle nicht mehr weitergeführt werden könnte. Sie wäre danach mit ihrem so wichtigen Auftrag auch nicht kompensierbar , ist Ronny Harzendorf überzeugt.

Noch viele Fragezeichen abzuarbeiten

Selbst wenn die Stelle gesichert wäre: Ob Sebastian Kroll nach September weiter im Thomas-Morus-Haus tätig sein kann, hänge letztlich aber auch davon ab, wie die genauen Konditionen für die Weiterführung der Stelle aussehen würden.

Es müssten also, so Harzendorf abschließend, bis zum Monatsende noch viele Fragezeichen abgearbeitet werden, bis man dann vielleicht tatsächlich sicher sagen könne: „Das Jugendhaus Thomas Morus in Genthin hat jetzt eine Personalsorge weniger.“