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Notlage in Berlin Bis Donnerstag ohne Strom? Darum dauert es so lang

Seit Samstag haben Zehntausende Berlinerinnen und Berliner keinen Strom. Die Reparaturarbeiten nach dem mutmaßlichen Anschlag liegen im Plan. Trotzdem wird es noch dauern, bis der Strom wieder fließt.

Von dpa Aktualisiert: 05.01.2026, 14:04
Noch bis spätestens Donnerstag wird es brauchen, bis der Strom im Südwesten der Hauptstadt überall wieder hergestellt ist.
Noch bis spätestens Donnerstag wird es brauchen, bis der Strom im Südwesten der Hauptstadt überall wieder hergestellt ist. Michael Ukas/dpa

Berlin - Wegen eines mutmaßlichen Anschlags auf das Berliner Stromnetz sitzen seit Samstagabend Zehntausende Berlinerinnen und Berliner im Südwesten der Hauptstadt in kalten und dunklen Wohnungen. Die Instandhaltungsarbeiten laufen auf Hochtouren. In vielen Haushalten konnte der Strom bereits wieder hergestellt werden. Trotzdem wird es wohl bis Donnerstag dauern, bis alle wieder mit Elektrizität versorgt sind. Warum es so lange dauert und was das mit dem Berliner Stromnetz zu tun hat.

Wieso dauern die Reparaturarbeiten so lange? 

Das hängt mit dem Ausmaß der Schäden und der Komplexität der provisorischen Lösung zusammen. Fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel seien bei dem mutmaßlichen Anschlag stark beschädigt worden, heißt es vom Stromnetzbetreiber Berlin. Derzeit gehen die Verantwortlichen davon aus, dass alle Kabel ersetzt werden müssen. Das könne mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, sagte Stromnetz-Sprecher Henrik Beuster. 

Deshalb arbeitet das Unternehmen an einer provisorischen Lösung: Zwei Leitungen mit besonders großer Transportkapazität sollen am Umspannwerk Dahlem miteinander verbunden werden. Die Arbeiten lägen im Zeitplan, seien aber aufwendig und bräuchten daher noch bis Donnerstag, betonte Beuster. Es müssten Arbeitstemperaturen von mehr als 0 Grad hergestellt werden. Auch technisch ist der Vorgang komplex, weil die beiden Kabel mit unterschiedlichen Materialien ausgestattet seien. 

Wie kommt es, dass trotzdem nach und nach wieder Haushalte ans Netz kommen?

Das hängt dem Unternehmen zufolge damit zusammen, dass fortlaufend sogenannte Mittelspannungskabel miteinander verbunden werden. Über sie könne Strom aus anderen Stadt- und Ortsteilen direkt zu den Ortsnetzstationen und Haushalten transportiert werden. Rund 15.000 Haushalte seien auf diesem Wege wieder angeschlossen worden, sagte Beuster. 

Wird das so weitergehen? 

Das bleibt abzuwarten, denn die Kapazitäten in anderen Teilen des Netzes sind begrenzt. Er sei aber zuversichtlich, dass seine Kolleginnen und Kollegen noch kreative Lösungen fänden, um viele weitere Haushalte vorzeitig wieder anzuschließen, betonte der Stromnetz-Sprecher. Schon jetzt seien alle Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser wieder mit Strom versorgt. Spätestens Donnerstag soll das auch für sämtliche Haushalte und Betriebe der Fall sein. 

Gab es keine Redundanzen im Netz? 

Stromnetze sind in der Regel redundant, verfügen also über parallele Verbindungen, über die der Strom im Falle eines Ausfalls alternativ transportiert werden kann. Auch an der nun betroffenen Stelle im Berliner Stromnetz habe es Redundanzen gegeben, betonte Beuster. „Ansonsten wäre das Ausmaß noch um ein Vielfaches größer gewesen.“ Nur aufgrund von Redundanzen im Netz sei es zudem nun möglich, kurzfristig Kunden aus anderen Teilen des Netzes zu versorgen.

Der Verband für Sichere Transport- und Verteilnetze (VST-Kritis) sieht in solchen Notfällen gleichwohl einen Weckruf, um Redundanzen auch bundesweit zu stärken. „Jede Störung ist auch eine Chance, Resilienz neu zu denken und Koordination weiter zu optimieren“, teilte der politische Sprecher des Verbands, Jan Syré mit. Gleichwohl sei es nahezu unmöglich, die Versorgungsinfrastrukturen vollständig gegen Angriffe zu schützen. 

Es gebe allein 500.000 Strommasten in Deutschland in der Fläche. Die nun in Berlin zerstörten Komponenten lägen zudem nicht „auf Lager“, sondern müssten teilweise hergestellt und wieder aufgebaut werden. 

Warum kritisiert der Landesrechnungshof den Katastrophenschutz? 

Der Landesrechnungshof in Berlin hat in seinem jüngst vorgestellten „Jahresbericht 2025“ scharfe Kritik am Senat geübt. „Die Berliner Katastrophenschutzbehörden sind organisatorisch und personell nicht ausreichend auf Katastrophen und Großschadensereignisse vorbereitet“, heißt es darin. 

Der Landesrechnungshof bemängelt, die Zuständigkeiten seien weitgehend ungeklärt. Berlin sei im Ernstfall nicht handlungsfähig. Viele der gut drei Dutzend Katastrophenschutzbehörden hätten weder Gefährdungsanalysen noch Krisenstäbe oder funktionierende Katastrophenschutzpläne vorzuweisen. 

Auch von dem geplanten flächendeckenden Netz an Krisen-Anlaufstellen sei Berlin weit entfernt. „Nur circa 25 Prozent der geplanten Stützpunkte dieses "Leuchtturm-Systems" sind einsatzbereit“, kritisiert der Landesrechnungshof. 

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) betonte am Morgen hingegen, dass Berlin nach dem Anschlag auf die Berliner Stromversorgung im September nachgebessert habe. „Es gab festgelegte Abläufe“, sagte sie im RBB-Inforadio mit Blick auf die aktuellen Maßnahmen. „Wir können sagen, dass das, was wir dort in diesem Programm für die Resilienz der Stromversorgung entschieden und geplant haben, auch jetzt umgesetzt wird und auch funktioniert.“