Haushalt

Jugendclub und Kita-Anbau auf der Agenda in Jerichow

Die Einheitsgemeinde Stadt Jerichow hat in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet. Das geht aus dem Jahresabschluss für 2020 hervor, der erst durch den Landkreis und jetzt durch den Stadtrat bestätigt wurde.

Von Thomas Skiba
Birgit Weber, Ortschefin von Schlagenthin und Bürgermeister Harald Bothe am Standort des zukünftigen Jugendclubs.
Birgit Weber, Ortschefin von Schlagenthin und Bürgermeister Harald Bothe am Standort des zukünftigen Jugendclubs. Foto: Thomas Skiba

Jerichow - Bei 30 Prozent Eigenkapitalquote spreche man in der Betriebswirtschaft von einem solide geführten Unternehmen, erklärt Kämmerin Carola Best. Legt man diese Messlatte in der Stadt Jerichow an, ist sie nah dran. „Ein Prozent fehlt uns noch, um dieses Kriterium zu erfüllen“, so Best. Sie ist die Finanzexpertin in der Stadtverwaltung und in erster Linie verantwortlich dafür, dass sich Jerichow finanztechnisch von einem schwarzen Schaf hin zur Kommune mit der geringsten Pro-Kopf-Verschuldung entwickelt hat.

Mit 120,83 Euro Verschuldung pro Einwohner liegt die Einheitsgemeinde weit unter den Zahlen des Landkreises Jerichower Land. Diese Zahlen gehen zum Teil auf die Sparmaßnahmen der letzten Jahre zurück, so hart sie auch für die Menschen waren, sie haben sich gelohnt. Mehr als 600 000 Euro Überschuss, quasi Gewinn, stehen in der Bilanz des Jahresabschlusses.

Und doch will Bürgermeister Harald Bothe das Geld zusammenhalten, auch wenn der eine oder andere Stadtrat sein Auge auf die Euros geworfen hat. „Wir schieben in diesem Jahr noch einige Baumaßnahmen an“, sagt Bothe und wird genauer: „Unseren Überschuss nutzen wir für die Vorfinanzierung.“

Dadurch müssten keine Kassenkredite aufgenommen werden und so könne sich die Stadt die dafür fälligen Zins-Zahlungen sparen, „auch wenn die Zinsen derzeit niedrig sind“. Vor zwei Jahren seien die Förderrichtlinien so abgeändert worden, sagt Bothe, dass die Stadt die Kosten einer Baumaßnahme erst einmal selbst stemmen muss. Damals gab es eine pauschale Summe, die sich an den veranschlagten Kosten der Investition orientierte, dass, so sagt Bothe, sei nicht mehr der Fall. „Abgerechnet wird zum Schluss“, sagt er und nach der Fertigstellung fließen dann die Fördermittel.

Eigenkapital erleichtert zukünftige Planungen

Also sei die Einheitsgemeinde mit dieser Eigenkapitalquote beweglicher in der Vorhabens-Planung und erlaube den Blick in die Zukunft zu richten. Geht es nach dem Bürgermeister, soll das auch so bleiben. Für das Jahr 2021 stehen deshalb einige Investitionen auf dem Plan. Unter anderem wird jetzt der geplante Anbau an der Kindertagesstätte Kleinwusterwitz konkret. Der Landkreis Jerichower Land stellt aus dem Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2020-2021“ für die Schaffung von zehn neuen Plätzen Fördermittel in Höhe von 88 200 Euro in Aussicht, erzählt Bothe, „so dass die erforderliche Erweiterung noch in diesem Jahr umgesetzt werden kann“.

Bothe weist nochmals auf die Beliebtheit der Region hin und ein Indiz dafür seien die Zuzüge, insbesondere von jungen Familien, die solch Anbauten wie in Kleinwusterwitz notwendig machen.

In Zusammenarbeit mit der Einheitsgemeinde Elbe-Parey sei der Ausbau des Radweges zwischen Neuderben und Seedorf vorgesehen. Der Ausbau des Radweges Großwulkow – Altenklitsche steht ebenfalls auf der Agenda.

Hier hatte die Stadt die Möglichkeit, so Bürgermeister Bothe, Fördermittel aus dem neu aufgelegten Sonderförderprogramm des Bundes: Radverkehr „Stadt und Land“ zu erhalten.

Lücke zwischen Radwegen soll geschlossen werden

Mit dieser Maßnahme soll der Lückenschluss auf dem Radweg Großwulkow – Altenklitsche erfolgen. Auf dem Abschnitt „Hügelgräber – Havemark“ befinden sich derzeit nur querverlegte Fahrbahnplatten, die ein Befahren mit dem Fahrrad unmöglich machen. Außerdem führe hier der Altmarkrundkurs entlang und dieses Prädikat solle den Jerichowern entzogen werden, „wenn nicht bald etwas mit dem Radweg geschehe“. Hier setzt Jerichow nach und nach die Einzelmaßnahmen aus dem Integrierten Gemeindlichen Entwicklungskonzept (IGEK) um, die unter anderem den Ausbau der Radwege anregen. Frei nach dem Grundsatz: „Wer sparen will, muss investieren“, soll in Schlagenthin ein neuer Jugendclub entstehen und mit ihm ein Gemeindebüro für die Ortsbürgermeisterin.

Hintergrund: Jugendclub als auch Vereinsräume und das Gemeindehaus befinden sich derzeit an unterschiedlichen Standorten und alle müssten dringend saniert werden. Aus Kostengründen soll die gemeindliche Nutzung nunmehr an einem Standort konzentriert werden.

Deshalb erfolgt ein Anbau an das vorhandene Kultur- und Sportzentrum in Schlagenthin. „Die frei werdenden Objekte sollen schnellstmöglich veräußert werden“, sagt Bothe. Der Verkaufserlös soll die geschätzten Gesamtkosten von 250 000 Euro decken und weil vor dem Verkauf die Objekte geräumt werden müssen, wolle die Stadt schnellstmöglich mit dem Anbau zu beginnen.

Kämmerin Carola Best erstellte den Jahresabschluss 2020, der von Seiten Rechnungsprüfungsamt uneingeschränkt bestätigt wurde.
Kämmerin Carola Best erstellte den Jahresabschluss 2020, der von Seiten Rechnungsprüfungsamt uneingeschränkt bestätigt wurde.
Foto: Thomas Skiba