Tucheim l Tucheims Einwohnerzahlen legen zu, was eine steigende Nachfrage an Kita-Plätzen nach sich zieht. Damit wird es auch für die Hortkinder enger, die in den Räumlichkeiten der Kita betreut werden. Deshalb sollte zumindest übergangsweise die ehemalige Arztpraxis, die sich in unmittelbarer Nähe zur Grundschule befindet, für die Hortbetreuung genutzt werden. Ein notwendiger Umbau war bisher gesetzt und eigentlich unstrittig. Doch jetzt werden die Tucheimer ungeduldig, schon für März war der Beginn der Umbauarbeiten geplant, so dass die sanierten Räumlichkeiten zum neuen Schuljahr bezogen werden sollten.

Doch daraus wird wohl nichts. Denn inzwischen hat der Fachbereich Bau/Stadtentwicklung erhebliche Bedenken angemeldet, ob ein Umbau überhaupt wirtschaftlich sinnvoll sei. Fachbereichsleiterin Dagmar Turian machte die Mitglieder des Bau- und Vergabeausschusses in einer Informationsvorlage mit Kostenberechnungen vertraut, die dies belegen.

25.000 Euro sind für den Umbau in den aktuellen Haushalt eingestellt worden. Viel zu wenig, wie sich nach einer genaueren Kostenanalyse herausstellte, nachdem die Planungsleistungen für den Bauantrag ausgeschrieben worden waren.

Brandschutz wird teuer

Generell, erklärte Fachbereichsleiterin Dagmar Turian, war die Verwaltung zunächst davon ausgegangen, dass Ausnahmegenehmigungen hinsichtlich des Platzbedarfes und der WC-Anlagen zum Tragen kommen würden. Darüber hinaus war die Verwaltung auch von bestandsgeschützten technischen Anlagen zum Brandschutz und der Elektro-Installation ausgegangen. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht, nachdem der Bestand aufgenommen und die Genehmigungsbehörden zu Rate gezogen worden waren. Das Aus für die vorübergehende Unterbringung der Hortkinder in der ehemaligen Arztpraxis ist nicht abzuwenden.

Die Fachbereichsleiterin informierte den Ausschuss, dass für die Unterbringung der zirka 80 Hortkinder die Brandschutzauflagen nicht eingehalten werden können. Moniert wird von Fachleuten hauptsächlich die Beschaffenheit des Fußbodens, der nicht den vorgeschriebenen Feuerwiderstand aufweist. Zudem wurde der Zustand der Elektroanlagen als eine „zu große Gefahr“ dargestellt. Daraus würde sich, das hat die Verwaltung ermittelt, ein Sanierungsbedarf von zirka 350.000 Euro ergeben, ein Vielfaches des ursprünglich in den Haushalt eingestellten Betrages für den Umbau. Wenn die bereits vorhandene Elektroheizung in die Sanierung einbezogen werde, rechnet Turian vor, kletterten die Kosten auf stattliche 520.000 Euro an. Das sei keine wirtschaftliche Lösung, zumal der Umbau nur als Übergang genutzt werden soll und eine Nachnutzung auch nicht geklärt sei, erteilt die Fachbereichsleiterin in der Informationsvorlage dem lange favorisierten Umbau eine Absage.

Container keine Alternative

Auch eine alternative Betreuung der Hortkinder in Containern, die die Stadt leasen würde, kommt für die Fachbereichsleiterin aus wirtschaftlicher Sicht nicht in Frage. Dafür müsste die Stadt 400.000 Euro auf den Tisch legen.

Ortsbürgermeister Christian Köpke räumte gegenüber der Volksstimme ein, dass er nicht mit einer solchen Kostenexplosion gerechnet hätte. Wie es dazu kommt, habe ihm allerdings der Projektant plausibel dargestellt. Christian Köpke teilt nicht unbedingt die Auffassung der Fachbereichsleiterin, wonach eine Nachnutzung der sanierten Arztpraxis-Räume ungeklärt sei.

Mit einer Sanierung würde etwas Bleibendes für Tucheim geschaffen, vielleicht ergebe sich eine gewerbliche Nutzung, sagt der Ortsbürgermeister. Container lehnt er hingegen ab, diese würden nach einer vorübergehenden Nutzung für Tucheim keinen Mehrwert darstellen.

Den Umzug der Hortkinder in neue Räume zum Schuljahresbeginn, egal für welche Variante sich Stadt und Stadtrat entscheiden würden, sei ohnehin nicht zu halten, gibt die Fachbereichsleiterin zu bedenken. Denn in beiden Fällen müsse eine Baugenehmigungsphase eingerechnet werden. In der Informationsvorlage an den Fachausschuss legt sie den Stadträten deshalb nahe, den ohnehin geplanten Neubau der Kita in Tucheim, in den die Hortplätze integriert werden sollten, jetzt voranzutreiben.

Standort-Diskussion steht bevor

In den aktuellen Haushalt der Stadt Genthin sind bereits Mittel eingestellt, um die Grundlagen für einen Neubau zu ermitteln. Die Stadt Genthin setzt für die Zeit, bis der Neubau fertiggestellt ist, etwa drei bis vier Jahre auf eine Ausnahmegenehmigung, um die Schule als Hort weiterhin nutzen zu können.

Der Kita-Neubau in Tucheim erfährt nicht in allen Fiener-Dörfern Zustimmung. Massive Kritik an dem Standort kommt aus Gladau, wo derzeit eine Außenstelle der Tucheimer Kita betrieben wird. Sie wird zugunsten des Neubaus wahrscheinlich geschlossen. Der Stadtrat wird sich zur Standortfrage positionieren müssen.