Jerichow l „Ich habe mich gefreut, dass der Spatenstich zum weiteren Breitbandausbau am Kloster gesetzt wurde. Wirtschaft und Kultur profitieren davon. Und auch wir sind ein kleiner wirtschaftlicher Betrieb“, sagt Bernd Witt, Leiter der Stiftung des Klosters Jerichow, bei einem Besuch. „Das Breitband gehört wie Wasser und Brot zum täglichen Leben“, so Witt weiter. Was sich alles in den letzten 25 Jahren entwickelt habe – „Smartphone, Tablets, sie gehören einfach zu unserem Leben dazu. Da brauchen wir schnelles Internet.“

Auch Senioren surfen im Netz

Und er denkt dabei perspektivisch: „In 20 Jahren werden vor allem die Senioren immer schneller und mehr lernen, mit der neuen Technik umzugehen.“ Er denkt da an Erleichterung beim Einkaufen, an die Vorteile bei der Telemedizin und auch die Kommunikation mit den Ärzten.

Etwas kritisch schaut Witt schon auf die derzeitige Situation mit den noch vorhandenen weißen Flecken beim Breitbandausbau. „In der Wüste ist das Netz manchmal besser zu erreichen als an einigen Ecken in Deutschland“, sagt er spitz. „Die zu vielen weißen Flecken in der ländlichen Region müssen bald bunt werden“, so sein Wunsch. Hier müsse der Druck auf Politik und zuständige Unternehmen weiter aufrechterhalten werden. „Man muss die Sache auf jeder Kreistagssitzung hier zum Thema machen“, fordert der Klosterchef. Denn davon hänge auch der Erfolg der Arbeit im Kloster ab, auch im kulturellen Bereich. Gerade entsteht ein neuer Flyer zu den Jerichower Sommermusiken, die am 14. April mit dem Auftritt der Maxim Kowalew Don Kosaken begannen.

25 Jahre Straße der Romanik

Im Zusammenhang mit dem 25. Geburtstag der Straße der Romanik kommt am Wochenende der Kammerchor Wernigerode in das Kloster, auch mit einem Jubiläum. Im April 2003 wurde der Chor gegründet. Zum Jubiläum reisen die Sängerinnen und Sänger zu den World Choir Games nach Südafrika, wo sie sich mit den besten Chören der Welt messen. In der Konzertreihe rückt zweimal die mittelalterliche Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen in den Fokus. Im Mai konzertieren die Schauspielerin Ute Kaiser, der Klarinettist Waclaw Zimpel und der Percussionist Klaus Kugel gemeinsam unter dem Titel „Scivias – Wisse die Wege“. Zu erwarten ist eine außergewöhnliche Klangreise mit eindrucksvoller Musik und Texten aus der Feder Hildegards von Bingen. Im September erwartet die Besucher ein weiteres Konzert mit Blick auf die Klosterfrau. In dem Auftritt des Ensembles „La Mouvance“ mit dem Titel „Miracles. Vision – Wunder – Glaubenserfahrungen“ stehen vor allem die Visionen der bekanntesten Mystikerin Deutschlands im Mittelpunkt. „Es gelingt dem jungen Ensemble, im Kirchenhall eine von Geistigkeit durchdrungene, weltentrückte Atmosphäre zu schaffen“, so die Ankündigung des Klosters.

Ein weiterer kultureller Höhepunkt ist für Witt das Klostergartenfest im Juli. „Hier wird die Lebensweise des Klosters nachempfunden“, betont Witt. „Das Mittelalter wird nachgestellt, musikalisch, durch die Präsentation des Handwerks, für jeden sichtbar und erlebbar.“

Weihnachtsausstellung geplant

Derzeit gibt es Überlegungen für die Weihnachtsausstellung am Ende des Jahres. Im vergangenen Jahr waren Engel das Thema. „Wir denken daran, uns mit der Thematik ,Eisenbahn, Modelleisenbahn‘ zu beschäftigen, so Witt. Den Klosterchef erwarten auch wirtschaftlich gesehen große Herausforderungen. Für den Ausbau der Storchenscheune im Klosterkomplex Jerichow zu einem multifunktiona- len Veranstaltungszentrum wird die Klosterstiftung als Träger mit 840.000 Euro gefördert.

Die Mittel stammen, so das Wirtschaftsministerium des Landes, aus dem Vermögens der ehemaligen Partei- und Massenorganisation der DDR. „In der Eventscheune wollen wir die Möglichkeiten für Veranstaltungen für rund 200 Besucher bieten“, erklärt Witt. Die Scheune soll zur Begegnungs- und Tagungsstätte ausgebaut werden. Im Sommer soll der Ausbau beginnen. „Wir planen für Ende 2019 die Eröffnung“, meint Witt. „Der Gedanke dazu kam vor gut einem Jahr aus dem Vorstand und wurde weiterentwickelt“, so Witt.

Seit Februar 2017 steht Bernd Witt als Verwaltungsleiter dem Kloster voran. Er war sieben Jahre lang Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land.