Mangelsdorf l Nicht nur volle Glascontainer ärgern die Menschen in den Jerichower Ortsteilen, sondern auch wenn Gläser und Flaschen innerhalb der Ruhezeiten eingeworfen werden. Damit beschäftigten sich vor kurzem die Bürgervertreter des Jerichower Ortschaftsrates und diskutierten über Lösungen. Beschwerden kamen insbesondere aus dem Ortsteilen Groß- und Klein-Mangelsdorf. „Hier werden immer wieder in der Mittagszeit oder an Sonn- und Feiertagen Glas entsorgt“, informierte Ortsbürgermeister Andreas Dertz über die Situation vor Ort. Gemeinsam mit Einheitsgemeindechef Harald Bothe besichtigte er Position und Umgebung der angesprochenen Container und stellte fest: „Der Standort ist problematisch.“

Plätze zum Aufstellen sind rar

Eine Lösung wäre, so Bothe, die Container umzusetzen. Das erweise sich jedoch als schwierig, da die Firma Remondis Sachsen-Anhalt GmbH Vorgaben mache, „wie die Container aufzustellen sind.“ Ein Containerstellplatz benötige bestimmte Voraussetzungen, etwa muss das Entsorgungsfahrzeug die Behälter ohne Verzögerung entleeren können, oder der LKW sollte diesen Platz auch ohne umständliches Rangieren erreichen. In Mangelsdorf seien die die Plätze zum Aufstellen der Container rar und darum müsse man hier einen Kompromiss eingehen.

Aufstellung braucht Genehmigung

Doch wie sehen die rechtlichen Aspekte bei der Aufstellung von Altglasdepot-Containern aus? Altglas-Sammelbehälter sind eine nicht genehmigungsbedürftige Anlage im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) und der Landesbauordnungen der Länder.

Zuständig für die Einhaltung der immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen, also hier der Lärmbelastung, ist derjenige, der den Sammelbehälter betreibt. Dabei ist der Schutz der Nachbarschaft vor den mit dem Altglas-Container verbundenen Geräuschen von besonderer Bedeutung, so dass abgewogen werden muss, wo diese zu stehen haben.

Nur in Ausnahmefällen besteht ein Anspruch auf Verlegung eines Altglascontainers, so eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes München, zum Beispiel dann, wenn der Mindestabstand zu einem Wohnhaus nicht eingehalten wurde. Zwar dürfen selbst in reinen Wohngebieten Altglascontainer aufgestellt werden. Allerdings sollte laut Umweltbundesamt ein Mindestabstand von 12 Meter zum nächsten Wohnhaus eingehalten werden. Altglascontainer sind zudem in allen Wohngebieten zulässig.

Abstand zu Gebäuden wichtig

Da die Geräusche, die beim Einwurf von Altglas oder durch das Leeren der Sammelbehälter entstehen, beträchtliche Lärmbelästigungen verursachen können, gibt es mittlerweile auch technologische Möglichkeiten zur Lärmminderung. Ansätze zur Lärmminderung bestehen am Container selbst und auf dem Ausbreitungsweg des Schalls. Aus diesem Grund sollten bereits bei der Anschaffung der Altglas-Container und der Auswahl der Stellplätze Lärmschutzaspekte berücksichtigt werden. Lässt sich zum Beispiel der Abstand zum Gebäude vergrößern? Dann verringert sich der Einwurflärm beim Anlieger.

Bei der Auswahl des Stellplatzes sollten die räumlichen Gegebenheiten ausgenutzt werden. Werden zum Beispiel vorhandene Wände oder andere Schallhindernisse genutzt, kann der Lärm deutlich gesenkt werden. Auch können lärmgeminderte Container genutzt werden. Sie sind mit Dämmmaterialien ausgekleidet und verfügen zumeist über einen optimierten Einwurfschacht.

Ortschaftsrat Henry Bliemeister sieht hier schon den ersten Ansatz zur Verringerung des Lärms. Seiner Meinung nach seien bei den Containern die Gummi-Matten nicht mehr in Ordnung, wodurch dann Glas auf Metall trifft und „Krach macht“.

Zeiten sind festgelegt

Eine zweite Möglichkeit wäre einfach: sich an die Einwurfzeiten in die Altglassammelbehälter zu halten. Die sind festgelegt und gelten werktags nicht vor 7 Uhr und nicht nach 20 Uhr. Auch sollten die Container möglichst nicht nach 17 Uhr entleert werden. Es gibt noch weitere lärmsensible Zeiten, zum Beispiel die Mittagszeit, in der ebenfalls kein Glas eingeworfen werden sollte. Das würde aber gegenseitige Rücksichtnahme voraussetzen und die sei nicht immer gegeben, stellten die Bürgervertreter fest. Stadtchef Bothe will noch einmal die Einwurfzeiten hervorheben und die Behälter damit kennzeichnen. „Dann müssen wir es weiter beobachten und gegebenenfalls andere Maßnahmen ergreifen.“

In den letzten Monaten kam das Thema „Altglascontainer“ bei den Menschen der Einheitsgemeinde öfter zur Sprache. Dabei drehte es sich in erster Linie überfüllte Behälter und verdreckte Aufstellplätze. Solch Zustände beklagten Leute an Sammelstellen in Jerichow, Brettin, Klitsche und Wulkow, unter anderem auch in den sozialen Netzwerken.

Der Geschäftsführer der Remondis Sachsen-Anhalt GmbH, Melchior Thiemer, äußerte sich auf Nachfrage der Volksstimme dazu und versprach schnelle Abhilfe, die dann auch erfolgte. Laut dem Entsorgungschef sind die übervollen Behälter auf ein anderes Konsumverhalten der Menschen aufgrund der Corona-Krise zurückzuführen. „Bei allen Verkaufsverpackungen nicht nur bei den Verpackungen aus Glas, sondern auch bei den Verpackungen aus Papier und Pappe (blaue Tonne) und bei den Verpackungen aus Kunststoff und Metall (gelbe Tonne) ist ein erhöhtes Aufkommen zu verzeichnen.“ Dabei hänge die Qualität der Glasabfuhr auch von dem Sortier- und Wegwerfverhalten der Menschen zusammen.

Arbeit der Entsorger schwierig

Wichtig für eine reibungslose Sammeltour ist, dass das Altglas vom Bürger fachgerecht entsorgt wird, weist Thiemer hin. Das bedeutet, dass das Altglas in den jeweiligen Behälter geworfen wird und nicht auf dem Behälter abgestellt oder auf den Plätzen rund um die Behälter angesammelt wird. Das sei oftmals nicht gegeben. Das mache die Arbeitsabläufe für die Mitarbeiter des Unternehmens langwierig und zum Teil gefährlich. „Und unsere Tourpläne verschieben sich, was wiederum eine verspätete Entsorgung zur Folge hat.“