Genthin l „Für uns schwindet die Wohnqualität zunehmend“, machten sich Anwohner der Altmärker Straße am Volksstimme-Telefon Luft. Seitdem das Gebäude des sozialen Möbelkaufhauses leersteht, sei das Gelände ein Treffpunkt für Jugendliche, die dort Bier trinken und Musik hören. „Das ist für uns in den Abendstunden sehr störend.“

Polizei wird nicht häufiger gerufen

Dass das leerstehende Gebäude ein Treffpunkt ist, wird auch deutlich, da immer wieder Unrat auf dem Gelände zu finden ist. Allerdings hat Polizeisprecher Falko Grabowski keine häufigeren Einsätze in der Altmärker Straße aufgrund von Ruhestörung oder Umweltverschmutzung zu verzeichnen. „Wir nehmen diese Hinweise oft auf und geben sie an das Ordnungsamt der Stadt weiter.“

Auch würde man bei eventuellen Meldungen in den Abend- oder Nachtstunden vor Ort nachschauen, was los ist. „Das hatten wir in letzter Zeit nicht.“ Nichtsdestotrotz sieht Grabowski, dass sich Anwohner gestört fühlen. „Gerade jetzt in der warmen Jahreszeit, in der Fenster länger geöffnet bleiben, ist eventueller Lärm wesentlich unangenehmer.“

Bilder

Möbellager ist umgezogen

Leer steht das Gebäude seit Ende März. Zu DDR-Zeit war es eine Kaufhalle. Mehr als ein Jahrzehnt war zuletzt die Diakonie Mieter des Gebäudes, das der Konsumgenossenschaft Burg-Genthin-Zerbst gehört. Im vergangenen Jahr kündigte die Genossenschaft an, die Immobilie veräußern zu wollen. Das Gebäude sei in die Jahre gekommen, hieß es damals.

Die Diakonie hatte das Angebot, das Haus zu erwerben, mochte sich dazu aber nicht entschließen. Man habe sich mit dem Angebot auseinandergesetzt, dieses aber nicht wahrgenommen, sondern sich zum Umzug in die Brandenburger Straße entschlossen. Dort belebt das Möbellager nun die Innenstadt, da Räume eines bislang leerstehenden ehemaligen Sportgeschäftes genutzt werden.

Angebote der Diakonie in der Nähe

„Zwar ist das neue Gebäude kleiner, bietet aber mit einer Ladenfläche von 150 Quadratmetern und ein paar kleineren Räumlichkeiten immer noch genügend Platz“, wie Christoph Grothe, geschäftsführender Vorstand der Diakonie Jerichower Land, erklärte. Über die Gründe für den Umzug sprach Grothe nicht direkt. Allerdings ist ein Vorteil auch von außen ersichtlich: In unmittelbarer Nachbarschaft in der Poststraße befinden sich weitere Angebote der Diakonie, etwa die Schwangerschaftsberatungsstelle oder die Tafel.

Das Projekt Möbellager lebt ausschließlich von Spenden und Förderprogrammen. Es dürfte nach gesetzlichen Vorgaben auch nicht gewerblich betrieben werden. Hier können Bedürftige zum Beispiel gegen Vorlage eines vom Job-Center ausgestellten Gutscheines Möbel und Ausstattungsgegenstände in Empfang nehmen.

Perspektive in Altenplathow

Dieses Angebot bleibe auch in den neuen Räumen unverändert bestehen. Eine neue Perspektive gibt es mittlerweile auch in Altenplathow. „Wir haben einen Kaufinteressenten gefunden“, bestätigt Heiko Bönig vom Vorstand der Konsumgenossenschaft. Aus datenschutzrechtlichen Gründen wolle er noch keine Angeben zum Käufer machen, dieser werde aber in Kürze bekannt werden.

Beschwerden wegen Jugendlichen auf dem Gelände seien ihm nicht zu Ohren gekommen. „Sobald ich das nächste Mal in Genthin bin, möchte ich mir vor Ort ein Bild machen und schauen, ob auf dem Gelände Vandalismus betrieben oder es zugemüllt wurde.“