Parey l Das Wetter gab sich am letzten Freitag keine Mühe, Temperaturfühler und Windmesser mit Sonne zu bescheinen. Graue Wolken hingen bleischwer über Parey, fröstelnde Kälte kriecht erst in die Schuhe und dann in die restliche Kleidung. Eigentlich ein „Sauwetter“ für jedermann, doch Claus Würdig ficht das nicht an, er denkt in anderen Dimensionen. Claus Würdig ist Hobby-Meteorologe.

Der Pensionär sitzt an einem Computertisch in der Ecke seines Arbeitszimmers und klickt sich durch die Aufzeichnungen. „Der Oktober war sehr nass – mit 91 Milliliter und der November viel zu trocken.“ Die Werte lieferten ihm bis vor kurzem zwei eigene Wetterstationen, eine davon gab pünktlich zum Jahreswechsel ihren Geist auf: „Das war zwar ärgerlich, doch konnte ich wenigstens das Jahr 2020 datentechnisch abschließen.“ Die neue Anlage liefert weiter konstant Daten und, das ist dem Hobby-Meteorologen wichtig, „sie ist kalibrierbar und besitzt einen Datenlogger“. Dieser zeichne die Daten immer für 14 Tage auf, passend, um in den Urlaub zu fahren und dennoch ohne Unterlass Daten zu sammeln. Während andere nur über die Hitze schimpfen, frieren oder über regennasse Tage fluchen, nimmt Claus Würdig das Wetter anders wahr.

Er sieht die Daten, die Zahlen, die Ausschläge nach oben oder unten und interpretiert sie – er sieht das große Ganze. Würdig interessiert sich einfach für die Wetterphänomene in seinem Heimatort und ist weniger um eine wissenschaftliche Interpretation der Regenmengen und Sonnenstunden bemüht. Er misst einfach, vergleicht die Werte und stellt fest. „Die Regenmengen haben nicht abgenommen, aber es ist wärmer geworden“, sagt Claus Würdig und schränkt ein, „außer 2018, das war ein Ausnahmejahr mit extremer Trockenheit.“

Bilder

Gefühlte Trockenheit

Mit den höheren Temperaturen verdunste natürlich das Wasser schneller und gefühlt sei es dann trockener, „obwohl die Messwerte etwas anderes wiedergeben“. Natürlich falle ihm auf, dass Gräben, in denen vor Jahren noch Wasser floss, ausgetrocknet sind, doch die Ursache am fehlenden Regen festzumachen, sei zu einfach. Ob es am sogenannten Klimawandel liege, ja, und ob dieser hauptsächlich vom Menschen ausgehe, dazu fehlen dem Pensionär die Informationen, „da gibt es viele Faktoren“ – er messe und beobachte in Parey.

Das Wetter habe ihn schon immer interessiert, sagt er. Als Lehrer für Mathematik und Chemie sei seine Begeisterung an den Naturwissenschaften von Hause aus groß, und er merkt an, als Gartenbesitzer „schaue man sowieso ganz anders auf das Wetter“. Seit 2003 arbeitete er mit einer Wetterstation mit einem Thermometer und einem Regenauffanggefäß. Er schaute täglich drauf, für mehr hatte er keine Zeit, und trug die Daten handschriftlich in Tabellen.

Mit der Pensionierung investierte er ein paar hundert Euro, kaufte sich eine elektronische Wetterstation und installierte ein Programm auf seinem Rechner, dass die Daten aufbereitet. Seither verbringt er täglich mindestens eine Stunde vor dem Computer, studiert Wetterkarten und Zeitreihen und gleicht sie mit den frei zugänglichen Wetterstationen in Magdeburg ab. Wichtig sei ihm, dass er immer wieder seine Daten abgleichen kann, um Messfehler zu minimieren. Darum sind rund um sein Anwesen Wind- und Temperaturfühler installiert, zum Teil analog. Mancher Messplatz habe sich im Lauf der Jahre verändert, sagt Würdig und zeigt auf eine Stelle im Garten, an der ein hoch gewachsener Baum in Konkurrenz mit dem Windmesser steht. „Damit bekomme ich andere Wind-Werte, als wenn der Baum kleiner wäre“, betont Würdig.

Vernetzung sinnvoll

Ob Claus Würdig der einzige Klima-Enthusiast in der Region Elbe-Havel ist? Bei einem Neustart seiner Meteorologen-Webseite fiel ihm nur eine weitere Station ins Auge, die Daten liefere. „Das sieht hier ziemlich dünn aus“, so Würdig, der gerne mit anderen Hobby-Wetterfröschen zusammenarbeiten möchte. Dann könne man eine bessere Datenlage entwickeln, die eventuell auch für politische Entscheidungen in den Kommunalparlamenten zu Rate gezogen werden könnte.

Claus Würdig kann sich jedenfalls über einen anständigen Sturm oder einen ordentlichen Regenguss freuen, „solange er keinen Schaden anrichtet“. Auch Hitze im Sommer und Schneefall im Winter, sehe er nicht als Problem. „Das Wetter sollte einfach der Jahreszeit entsprechen“, sagt er. Und abwechslungsreich soll es für ihn auch sein.