Stadtsanierung

Nach 27 Jahren neigt sich Wiederherrichtung des Genthiner Stadtkerns dem Ende entgegen

Knapp elf Millionen Euro sind in die Sanierung der Genthiner Innenstadt geflossen. Aus eigener Kraft hätte die Stadt das nie stemmen können. Für die Fördermittelgeber ist jetzt eine Dokumentation erarbeitet worden.

Von Susanne Christmann 01.08.2021, 16:03
Insgesamt elf Millionen Euro sind innerhalb des Stadtsanierungsprogramms in Genthin verbaut worden.
Insgesamt elf Millionen Euro sind innerhalb des Stadtsanierungsprogramms in Genthin verbaut worden. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Nach 27 Jahren, so schreibt Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) in seinem Vorwort zur Abschlussdokumentation des Stadtsanierungsprogramms, neige sich die Wiederherrichtung der Innenstadt von Genthin ihrem Ende zu. Diese Dokumentation hätten mit Bund und Land die Fördermittelgeber eingefordert, so Fachbereichsleiterin Dagmar Turian in der jüngsten Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses, in der sie diese vorstellte.

Zur Erinnerung: Die Ausgangssituation nach der Wende ist im Genthiner Innenstadtbild von vielen Missständen geprägt: Öffentliche Straßen und Wege sind in einem technisch desolaten Zustand. Eine qualifizierte Bauleitplanung fehlt fast völlig. Die Innenstadt ist übermäßig vom Fahrzeugverkehr belastet, weil es keine Stadtumfahrung gibt. Zu wenig Grün mindert die Aufenthaltsqualität genauso wie die überwiegend desolaten Fußwege. Von einem die Bereiche der Stadt verbindenden Fahrradnetz ganz zu schweigen. Die Freiräume der Innenstadt, so verzeichnet es die Dokumentation, seien in ihrer Gestaltung und Nutzbarkeit stark durch den ruhenden Verkehr, sprich die überall parkenden Autos beeinträchtigt.

Öffentliche und private Gebäude profitieren gleichermaßen

Mit dem Eigenanteil der Stadt - 3,5 Millionen Euro - sind durch das Programm insgesamt knapp elf Millionen Euro in die bauliche Wiederherstellung von Genthins Innenstadt geflossen. Damit ist diese heute in einem guten Sanierungsstand, was die Fördermittelgeber der Stadtverwaltung auch bereits zurückgemeldet hätten. Im Sanierungszeitraum konnten etwa 200 Gebäude modernisiert und instandgesetzt werden, heißt es in der Dokumentation. Jede einzelne Gebäudesanierung sei ein Meilenstein auf dem Weg zu einem aufgewerteten historischen Stadtbild gewesen. Darunter öffentliche wie das Rathaus, das der Stadt- und Kreisbibliothek oder das der Grundschule Stadtmitte. Aber auch viele private Gebäudeeigentümer profitierten von dem Sanierungsprogramm, unter anderem in der Brandenburger, Mühlen-, Dattelner-, Hagen-, Großen Schul-, Feld-, Pfarrer-Schneider- und der Werderstraße.

Mit dem Förderprogramm konnte für Genthin erheblich mehr als „nur“ die Sanierung von Gebäuden umgesetzt werden. Viele der einst technisch stark überalterten Straßen wurden genauso durch die Sanierung aufgewertet wie die markanten Plätze in Genthins Innenstadt. Zu nennen wäre da insbesondere die Neugestaltung des Marktplatzes und der Brandenburger Straße. Der belastende Verkehr durch die Innenstadt war im Jahr 2000 mit der Verkehrsfreigabe der Ortsumfahrung endlich Geschichte.

Städtebauliche Sanierung nie vollständig abgeschlossen

Aus eigener finanzieller Kraft, bekennt der Bürgermeister in dem Vorwort, wäre es der Stadt nie gelungen, diese vielen umfassenden Maßnahmen zu realisieren. Verschwiegen werden soll auch nicht, dass einige wenige Gebäude in der Innenstadt aufgrund ihres schlechten Sanierungsstandes nicht erhalten werden konnten und daher abgerissen werden mussten. Schließlich: Als vollständig abgeschlossen könne eine solche städtebauliche Sanierungsmaßnahme nie bezeichnet werden. Vielmehr soll sie als Anstoß betrachtet werden für die zukünftige Entwicklung der Stadt.

Auch das Haus Hagen ist mit Mitteln des Stadtsanierungsprogramms wieder hergerichtet worden.
Auch das Haus Hagen ist mit Mitteln des Stadtsanierungsprogramms wieder hergerichtet worden.
Foto: Susanne Christmann