Jerichow l Radeln nach Zahlen oder wie es im planerischen Amtsdeutsch heißt: „Knotenpunktbezogene Wegweisung“. An dem Leader-Kooperationsprojekt beteiligen sich insgesamt zwölf Kommunen aus der Altmark und dem Jerichower Land: Jerichow, Genthin, Elbe-Parey, Tangermünde, Tangerhütte, Elbe-Havel-Land, Havelberg, Stendal, Osterburg, Seehausen, Arneburg-Goldbeck und Bismark.

Wer von Jerichow aus erst die Patronatskirche in Scharteucke erkunden und dann am Klietznicker Weinberg in die Elbauen blicken möchte, richtet seine Route einfach nach den Ziffern 44, 60, 57 und 79 aus und tritt in das Pedal. Die entsprechende Radwanderkarte oder ein Routenblatt eines Abrissblocks bekommt man in der Touristinfo, im Hotel oder Restaurant – oder man stellt sich via Internet selbst die Tour zusammen.

Orientieren kann man sich an Infotafeln mit Übersichtskarten, die nochmals extra gekennzeichnet sind. Die stehen praktischerweise an jedem Knotenpunkt einer Orientierungstafel, entweder in Großformat oder in der Größe eines Fahrplans an Bushaltestellen.

Wo was konkret installiert wird, hängt von der jeweiligen Kommune ab. „An den Kreuzungen von mindestens drei Radrouten befindet sich jeweils gut sichtbar auf der Spitze eines Wegweises ein Knotenpunkt mit einer Nummer“, erklärt Ralf Demann, Bauamtschef in der Jerichower Stadtverwaltung und dort zuständig für das Projekt.

Übersichtskarte

Eine Übersichtskarte an oder neben dem Knotenpunktwegweiser gebe einen Überblick über die umliegenden Knotenpunkte und die verbindenden Radrouten. An jedem Wegweiser sind die jeweils nächsten von dort aus erreichbaren Knotenpunkte ausgeschildert.

Ortsnamen merken, an jeder Weg-Verzweigung absteigen und in die Karte gucken gehört dann der Vergangenheit an. „Bisher konnte jeder etwas an die Wegweiser anbringen, das führte zu einem großen Durcheinander und sieht auch nicht vernünftig aus“, erklärt Demann die Idee dahinter.

Einer möglichen Verwirrung sei dann vorgebeugt, und die Leute könnten entspannter radeln.

Der Fördermittelantrag sei letzte Woche gestellt worden und hatte es in sich. Die Stadt Jerichow musste für jeden Standort eines Knotenpunktes den Eigentumsnachweis erbringen, „sonst dürften wir da nicht aufstellen“.

Rund um Jerichow sollen Knotenpunkte mit 200 dieser neuen Wegweiser versehen werden. Natürlich sei nicht jeder Standort Eigentum der Stadt, so Demann, also schloss man mit den Eigentümern Verträge zur Nutzung ab.

Insgesamt 71 000 Euro kostete die erste Projektphase 2018/19 für die Konzeption und Marketingmaßnahmen für alle zwölf Kooperationspartner. Das wurde mit 90 Prozent Fördermitteln unterstützt, so dass auf jede Kommune 670 Euro Eigenanteil zukam.

Nochmal 55 000 Euro sind durch die Stadt veranschlagt, darin enthalten sind die Kosten für die Schilder, Infotafeln, Wegweiser und das Aufstellen. Gefördert wird das Projekt mit 75 Prozent. 25 Prozent der Kosten, also 8000 Euro, bringt Jerichow selbst auf.

Wunsch

Demann würde gern seinen eigenen Bauhof mit dem Aufstellen der Wegweiser beauftragen, doch die Forderung des Fördermittelgebers sei, „dass das Aufstellen der Schilder durch eine Fachfirma erfolgen muss“. Er sieht die Zeit dahin schwinden, um noch in diesem Jahr mit dem Aufstellen anzufangen. Denn erst nach der Zusage der Fördermittel können Tafeln bestellt, Schilder gedruckt und eine Baufirma beauftragt werden und „auch das geht nicht von heute auf morgen“.

Mit dem neuen Radwege-Leitsystem kann zugleich nahtlos an das nach Zahlen ausgewiesene Radnetz im benachbarten Brandenburg angeknüpft werden, so Demann weiter. Er sieht in der Vereinheitlichung der Radweg-Ausschilderung mehrere Vorteile. So könne eine Route ohne Aufwand abgeändert werden, es lassen sich, je nach Thema und Saison, Routen zusammenstellen und das Erlebnis „Radfahren“ stehe im Vordergrund.

Die Einführung der neuen Wegweisung ist ein Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt und wird im Radverkehrsplan von Sachsen-Anhalt empfohlen. Die Streckenlänge des Radwegenetzes im Projektgebiet beträgt rund 1 400 Kilometer.

Die typischen Radfahrer-Nationen in den Benelux-Staaten entwickelten das Radeln nach Zahlen zuerst. Beginnend 1995 im belgischen Limburg, dehnte es sich über die Niederlande bis nach Deutschland aus und soll nun im Nord-Osten Sachsen-Anhalts umgesetzt werden.