Parchen l Wetterfeste Jacken und Hosen, festes Schuhwerk und eine gehörige Portion Elan: Das setzten die Parchener, die sich am Sonnabend zu einem Arbeitseinsatz rund um die Kirche einfanden, dem Dauerregen entgegen. Was hier klein mit dieser Aktion anfing, soll mit großer Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Denn sowohl der Kirchhof als auch der Pfarrhof werden unter fachkundiger Obhut der Gartenakademie Sachsen-Anhalt Schritt für Schritt als naturnahe Grünanlagen, soweit wie möglich nach dem historischem Vorbild, hergerichtet.

Plaketten geplant

Dafür soll die Öffentlichkeit zukünftig sowohl im Pfarrhof als auch im Kirchhof mit Gartenplaketten „Natur im Garten“, verliehen von der Gartenakademie Sachsen-Anhalt, sensibilisiert werden. Die Übergabe dieser Plaketten durch Christa Ringkamp, Projektleiterin der Gartenakademie, an die Eigentümer der beiden Gärten, Elisabeth und Michael Vajna sowie die Kirchengemeinde Parchen, war eigentlich für Sonnabend angekündigt.

Dass dieser offizielle Teil abgesagt werden musste, hinderte die Parchener jedoch nicht daran, den praktischen Teil trotzdem in Angriff zu nehmen. Und der ging weit über das üblichen Hacken, Harken und Aufräumen im Bereich des Kirchhofes hinaus.

Flieder soll dominieren

Schon seit einem Jahrhundert nicht mehr als Begräbnisstätte genutzt, wurde im Kirchhof damit begonnen, hartnäckige Ahorn- und andere Sämlinge zu entfernen. Sie weichen dem Flieder, den es in diesem Bereich reichlich gibt. „Ich glaube, diese Arbeit bleibt uns noch eine Weile erhalten. Wenn wir da nicht dranbleiben, wächst das Zeug im nächsten Jahr gleich nach“, sagte Ortsbürgermeister Hubert Schwandt und machte damit klar, dass die Aktion am Sonnabend keine Eintagsfliege bleiben darf, wenn der Flieder in unmittelbarer Nähe der Kirche eines Tages dominieren soll.

Diese Gestaltungsidee geht auf Christa Ringkamp von der Gartenakademie zurück. Marika Schröder von der Kirchengemeinde schätzt ihren Blick von Außen. „Möglich, dass wir als Parchener nie auf diese Idee gekommen wären“, pflichtet auch Elisabeth Vajna bei.

Budget war begrenzt

Manchmal, sagt Marika Schröder von der Kirchengemeinde, sei sie bei der Pflege des Kirchhofes schon etwas mutlos geworden. Zwar seien in der Vergangenheit Baumschnittarbeiten durchgeführt worden, doch das Budget der Kirchengemeinde sei begrenzt.

„Wir hoffen jetzt darauf, dass uns die Zusammenarbeit mit der Gartenakademie nach vorn bringt.“ Mit dem Projekt verpflichtet sich die Kirchengemeinde jährlich zu mindestens zwei Arbeitseinsätzen. Gleichzeitig wird die Gartenakademie für personelle und fachliche Unterstützung bei den Arbeiten sorgen. „Wir sind einfach gespannt“, sagt Marika Schröder.

Am Kirchhof war am Sonnabend auch Familie Vajna im Einsatz, auf deren Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft des Kichhofes ein weiteres Projekt der Gartenakademie startet. Familie Vajna hat das denkmalgeschützte Pfarrhaus – ein eingeschossiger Fachwerkbau aus dem Jahr 1827, dessen Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert stammen – saniert und konnte es vor gut einem Jahr beziehen.

Auch die zum Pfarrhaus gehörenden Grünflächen, der sogenannt Pfarrhof“, steckt voller Garten-Geschichte, von der gegenwärtig nur Fachleute grobe Reste erkennen. Das soll nicht so bleiben. Der Denkmalschutz strahle eben auch auf den Garten aus, sagt Elisabeth Vajna.

Breite Unterstützung

In dem Projekt der Gartenakademie „Natur im Garten“ sieht sie eine „super Unterstützung“, den Pfarrgarten wieder wie vor gut 150 Jahren zumindest in Teilen, wenn auch nicht originalgetreu, einrichten und damit aufwerten zu können. Orientierung geben dabei auch alte Aufnahmen aus dem Besitz der Pfarrerfamilie Usbeck, die um das Jahr 1900 bis 1915 datiert sind.

„Wir gehen davon aus, dass seinerzeit die Grünflächen des Pfarrhofes im damaligen Schlosspark aufgingen.“ Erst danach sei eine Umwandlung in einen Wirtschaftsgarten erfolgt.

Es gebe inzwischen Überlegungen, gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Genthin die Gestaltung des Gartens zu einem Gemeinschaftsprojekt zu entwickeln.

Die Gartenakademie Sachsen-Anhalt hat sich seit ihrer Gründung 2011 zum Ziel gesetzt, Gärten und Parks als Begegnungsräume von kultureller und künstlerischer Bedeutung zu entwickeln sowie sie als Orte für Denkmal-, Landschafts-, Natur- und Umweltschutz den nachfolgenden Generationen zu erhalten.