Genthin l Eigentlich sollte die Sanierung der Sporthalle an der Berliner Chaussee längst laufen. Rund 1,2 Millionen Euro waren für die Arbeiten eingeplant, finanziert unter anderem durch Stark III-Mittel. Nachdem die Haushaltsquerelen beigelegt waren, hätten die Baumaßnahmen starten sollen. Unter anderem sollten Fassade, Dämmung, Verglasung und die Rollläden saniert werden, eine behindertengerechte Sanitäranlage und ein behindertengerechter Zugang geschaffen werden. Doch eine überarbeitete Rechnung im Zuge der Ausschreibung ergab ein ernüchterndes Bild. „Mit der damit einhergehenden überarbeiteten Kostenrechnung ergibt sich ein vorläufiger Mehrkostenbedarf in Höhe von 300.000 Euro“, legte die Stadt dar, ein Mehrbedarf, der nicht über den laufenden Haushalt gedeckt sei.

In einer Beschlussvorlage an den Stadtrat wurde zudem verdeutlicht, dass man nur von einer jährlichen Energieeinsparung von 20 Prozent ausgehe, eine Einsparung von rund 2440 Euro*.

Geld wird für andere Maßnahmen benötigt

In der abschließenden Bewertung hieß es: „Damit stellt sich eine Amortisation des kommunalen Finanzierungsanteils erst in zirka 80 Jahren ein.“ Die Stadt wurde in ihrer Information an die Räte noch eindringlicher: „Mit dem zusätzlichen Finanzierungsbedarf und der damit nicht geplanten zusätzlichen Kreditinanspruchnahme wäre eine andere Baumaßnahme, in diesem Fall der Sportplatz Berliner Chaussee, gefährdet.“

Zustimmung ist geteilt

Kein Wunder, dass die Mehrheit der Stadträte in der im vereinfachten Verfahren durchgeführten Sitzung im April für das Aufschieben der Maßnahme stimmte.

Eine Entscheidung, die nicht unbedingt auf ungeteilte Zustimmung stieß. „Zufrieden bin ich mit dieser Situation nicht“, sagt etwa CDU-Fraktionschef Klaus Voth. „Mit dem Antrag auf Fördergeld haben wir im vergangenen Jahr einen anderen Beschluss abgeändert.“

Damit spielt Voth auf den von Teilen der CDU-Fraktion präferierten Anbau an der Sporthalle zu einem Veranstaltungsgebäude an. Dieser war in eine Auswahlliste von mehreren Vorschlägen aufgenommen worden, entfiel aber, als die Fördermittelbewilligung vorlag, denn diese sah eine mehrjährige nicht kommerzielle Nutzung vor. „Zugunsten der Fördermittel haben wir auf diese Option verzichtet, und jetzt führen wir die Maßnahme nicht durch“, zeigt Voth sein Unverständnis. Nicht ganz glücklich mit der Entscheidung ist auch Grünen-Fraktionschef Lutz Nitz: „Ich hätte mir von solch einer Sanierungsmaßnahme mehr erwartet als 20 Prozent Einsparung, das war im Vorfeld so nicht deutlich“, findet er.

Idee Blockheizkraftwerk

Allerdings sieht er die Nutzung von Energieeinsparmöglichkeiten als dringend notwendig an. Er bringt die Idee eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) in der Sport- und Schwimmhalle in Erinnerung, die vor einigen Jahren im Fachausschuss diskutiert worden war. Mit dieser könnten Energieaufwand und Kosten gespart werden.

Einen Seitenhieb kann sich der Grüne auch in Richtung Stadtverwaltung nicht verkneifen: „Ich sehe den Umgang mit Fördermitteln bei der Stadt sehr kritisch, laufend fallen wir raus oder können diese nicht nutzen, in Burg ist man im Bezug auf Akquirierung und Nutzung dieser Mittel geschickter.“

Davon unabhängig kritisieren auch Vereine die Stadtratsentscheidung. „Wir haben im vergangenen Jahr mit mehreren Vereinen und der Verwaltung zusammengesessen und uns für die Sanierung der Sporthalle ausgesprochen“, berichtet Fritz Mund, Vorsitzender des SV Chemie Genthin. „Eine energetische Sanierung käme den Vereinen zugute, wenn bei Trainings- und Sportveranstaltungen etwa weniger geheizt werden muss.“ Dadurch würden die Kosten für die Stadt geringer, und es wäre wünschenswert, dass diese Ersparnis auch an die Vereine weitergereicht würde.

Vergabe der Planungsleistungen

Daraus wird zumindest vorläufig nichts. Mit dem Stadtratsbeschluss wird nicht nur die Sanierung der Sporthalle aufgeschoben, sondern stattdessen die Ertüchtigung des Sportplatzes vorangetrieben. Im nichtöffentlichen Teil des Bau- Und Vergabeausschusses am gestrigen Montag stand die Vergabe der Planungsleistungen für die Sanierung der Sportplatzanlage Berliner Chaussee auf der Tagesordnung.

* In einer früheren Version des Textes war von 12.000 Euro die Rede, dies wurde nach einem Hinweis der Stadtverwaltung korrigiert.