Genthin l Das traditionelle Weihnachtsmärchen, das das Genthiner Amateurtheater (Gat) jährlich auf die Bühne bringt, fällt nicht der Corona-Pandemie zum Opfer. Ganz ohne Einschränkungen wird die Inszenierung allerdings doch nicht vonstatten gehen können. Das ist die aktuelle Botschaft der Mitgliederversammlung, die das Ensemble am Mittwochabend zusammenführte.

Ensemble-Chef Jürgen Wagner beendete die lange Zeit des Bangens um die Märchenaufführungen und bestätigte in einem Gespräch mit der Volksstimme, dass sich voraussichtlich am 28. November im Stadtkulturhaus der Vorhang zur Premiere des diesjährigen Weihnachtsmärchens heben wird.

Stück mit wenig Darstellern

Das Ensemble hat sich für Spielsaison 2020/21 für die Märchenkomödie „Die kleine Hexe, die nicht böse sein konnte“ von Maria Clara Machado entschieden, ein Stück, mit dem das Ensemble bereits in der Spielzeit 1996 sein Publikum erfreute. Die Wahl sei auf dieses Stück gefallen, weil es mit relativ wenig Darstellern umzusetzen sei – einer der coronabedingten Umstände, dem das Ensemble Rechnung tragen müsse, sagt Jürgen Wagner. Nicht alle Ensemblemitglieder hätten das so wahnsinnig toll gefunden. „Es drängt unsere Leute natürlich auf die Bühne, da gibt es auch Enttäuschungen“, räumt Wagner ein.

Er hält nur ein kleines Trostpflaster bereit. Für den Fall der Fälle wird in einer Doppelbesetzung geprobt.

Nach bisherigem Stand wird es, wie in den Vorjahren auch, Aufführungen in Burg, Möckern und Kirchmöser geben, freilich unter Einhaltung der Corona-Auflagen.

Arbeit am Hygienekonzept

Das Genthiner Amateurtheater steht freilich auch in der Pflicht, ein Hygienekonzept vorzulegen. Daran wird zur Zeit mit Hochdruck gearbeitet. Während die Absprachen mit den Veranstaltern in Genthin, Burg, Möckern und Kirchmöser bereits getroffen wurden und die Aufführungen damit vertraglich unter Dach und Fach sind, steht hinter dem Gat-Auftritt in Tucheim noch ein Fragezeichen.

Es sei gegenwärtig noch nicht geklärt, wie die Corona-Vorschriften mit der Größe des Saales, in dem das Stück aufgeführt wird, in Einklang zu bekommen sind, sagte Wagner gegenüber der Volksstimme. Er sei jedoch zuversichtlich, dass eine Lösung im Interesse des langjährigen Tucheimer Publikums gefunden werde, zeigte sich der Ensemblechef zuversichtlich.

Kein Einlass an der Tageskasse möglich

Dass die Abstandsregelungen in den Publikumsreihen eingehalten werden müssen, hat für die insgesamt drei Spieltermine in Genthin zur Folge, dass Karten ausschließlich im Vorverkauf zu erwerben sein werden. Eine Tageskasse am Einlass wird es nicht geben. „Anders können wir keinen Überblick zu den Besucherzahlen behalten“, sagt Jürgen Wagner mit Nachdruck. Termine zum Kartenvorverkauf würden rechtzeitig bekanntgegeben.

Das Ensemble rechnet deshalb in dieser Saison mit etwa der Hälfte der sonst üblichen Zuschauer. Mit großer Sicherheit wird deshalb bei der letzten Märchen-Aufführung der Spielzeit 2020/21 am Dreikönigstag in Genthin nicht der 1500. Besucher begrüßt werden können. Eine Aufgabe, die Altmeister und Gat-Urgestein Eckard Neumann zum Auftakt der letzten Vorstellung der Saison im Genthiner Stadtkulturhaus stets mit großer Freude übernahm.

Umzug in das Stadtkulturhaus

Das Ensemble wird sich mit einem reduzierten Kartenverkauf auf finanzielle Verluste einrichten müssen. Das steht für Jürgen Wagner außer Frage. Er bleibt trotzdem vorsichtig optimistisch: „Es schaut so aus, dass wir uns das noch leisten können, so dass wir es schaffen, die Ausgaben einigermaßen wieder reinzuholen.“Mit dem grünen Licht für das diesjährige Weihnachtsmärchen haben für das Ensemble auch die Proben begonnen. So wurde – in Verbindung mit der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend – auch der Text der Märchenkomödie erstmalig gelesen. Bis voraussichtlich Mitte Oktober werden die Proben im Studio Lindenhof stattfinden, dann erfolgt der Umzug auf die Bühne im Stadtkulturhaus.

Das werde in diesem Jahr im Gegensatz zum Vorjahr relativ reibungslos vonstatten gehen können, meint Wagner. Seinerzeit musste das Gat einen Großteil der Proben im Kreishaus bestreiten, nachdem die QSG dem Gat und anderen Vereinen eine Kündigung ausgesprochen hatte. Zankapfel waren seinerzeit Zuschüsse der Stadt für die Unterhaltung des Stadtkulturhauses.

Obwohl Proben und Aufführungen im Stadtkulturhaus gesichert sind, blickt Jürgen Wagner dennoch mit Sorge in die Zukunft. Denn bisher gebe es noch keinerlei Aussagen darüber, wie die Stadt die Bewirtschaftung des Stadtkulturhauses ab 2022 gestalten werde. „Wir planen langfristig gut ein bis eineinhalb Jahre im Voraus, da brauchen wir einen städtischen Ansprechpartner. Wir wissen bisher nicht, woran wir dann als Verein sein werden“, sagt Jürgen Wagner.

Stille Jubiläumsfeier nach der Premiere

Das Genthiner Amateurtheater feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen, über vier Jahrzehnte wurde es von Eckhard Neumann geleitet.

Viel Aufhebens um dieses Jubiläum wird es allerdings nicht geben. Nach der Premiere der Märchenkomödie voraussichtlich am 28. November wird es einen Empfang geben. Mehr ist dazu nicht geplant, sagte Jürgen Wagner. Genaue Modalitäten stünden derzeit noch nicht fest.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, bedingt durch Corona, fielen im ersten Halbjahr bereits etliche Auftritte aus.