Confiserie

Schokoladensortiment hat neue Bleibe

Gundula König-Parisius hat das Sortiment der zum Jahreswechsel geschlossenen Confiserie in Genthin übernommen und darf daher auch öffnen.

Von Mike Fleske

Genthin l Gut zu tun hatte gestern Gundula König-Parisius in ihrem Fotogeschäft. Denn zum ersten Mal nach einem umfangreichen Umbau hatte die Genthinerin ihr Geschäft wieder geöffnet. Ganz ordnungsgemäß, ganz erlaubt. Denn ab sofort gibt es bei „Foto-König“ zusätzlich auch Angebote der früheren Confiserie aus dem Geschäft schräg gegenüber. Also Schokolade, Kekse, Tee oder Kaffee. „Das sind Lebensmittel des täglichen Bedarfs und daher darf ich das Fotogeschäft öffnen“, erklärt König-Parisius. Ganz strikt getrennt sind die beiden Bereiche.

Und das süße Sortiment läuft sogar unter einem eigenen Namen. „Allerlei Genuss“, lautet der Titel der neuen Produktlinie, der auch am Schaufenster angebracht ist. Das sorgte bei den Genthinern für einige Verwunderung. „Oh, betreiben Sie Ihr Fotogeschäft nicht mehr?“, wurde die Inhaberin in den vergangenen Tagen mehrfach gefragt. „Doch, doch, beim Fotogeschäft bleibt alles beim alten“, beschwichtigt König-Parisius. Allerdings beschränke sich der Service in diesem Bereich während der Corona-Beschränkungen nur auf das Erstellen von Passbilder für Ausweise.

Alles andere werde erst nach dem Lockdown wieder wie gewohnt angeboten. Für sie sei das neue Angebot aber auch ein Signal an die Menschen in der Stadt, dass nicht alles verloren gehe und bestimmte Bereiche erhalten bleiben. Mitte Dezember, als der Lockdown begann, fingen auch die Umbauarbeiten an. Sogar an den Feiertagen war Umbau angesagt. Viele Genthiner schauten beim Weihnachtsspaziergang interessiert auf das Treiben im Geschäft, wo neue Regale aufgebaut, andere Ladenbereiche umgebaut wurden.

Der Countdown zur Neueröffnung lief. Spätestens seit Ende des Jahres ist die Confiserie von Christiane Ehlert geschlossen. Aus Altersgründen hatte sie ihr Geschäft nach 15 Jahren aufgegeben. Aber da sich die beiden Geschäftsfrauen seit Jahren kannten, kam die Idee auf, dass das Sortiment im Fotogeschäft weiterhin Bestand finden könnte.

„Christine hat mich bei vielen Dingen unterstützt“, sagt Gundula König-Parisius. Denn aus zahlreichen Listen könne sie Artikel für die Confiserie bestellen. Da gab es einige Fragen: Was kommt bei den Kunden besonders gut an? Wo muss man ein wenig vorsichtig bei den Bestellmengen sein? Christiane Ehlert wusste Rat, gab Starthilfe und war gestern auch eine der Ersten, die nach der Neueröffnung gratulierte. „Mir waren natürlich viele Dinge zunächst unbekannt“, gibt die langjährige Fotografin zu. So muss sie sich noch daran gewöhnen, dass Kunden in ihrem Geschäft auf eine der vier Kaffeebohnenboxen zeigen und sagen: „Ich hätte gern 250 Gramm der ‚Genthiner Festtagsmischung‘.“ Die gibt es dann entweder als ganze Bohne oder gemahlen.

Geliefert wird das Sortiment übrigens von einer Rösterei aus Stendal. Wie überhaupt vieles aus dem Angebot aus regionaler Herstellung kommt. Handgeschöpfte Schokolade etwa oder Liköre. „Es gibt schon Schnittpunkte der Geschäftsinhalte. Schließlich ist es heutzutage möglich, Fotos auf Schokolade zu drucken.“ Aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum König-Parisius das Sortiment übernommen hat.

Zum einen werde es durch den allgemeinen Trend zur Digitalisierung für sie immer schwieriger, vom Fotografengeschäft allein leben zu können. „Wenn künftig die Passfotos in den Ämtern selbst gemacht werden können, fällt auch diese Erwerbsmöglichkeit für uns Fotografen weg“. Somit sei es auch ein zweites Standbein.

Das in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden soll. Gundula König-Parisius kann sich gut vorstellen, dies auf hochwertige Öle, Essige und Gewürze auszudehnen.

Und natürlich würden sich bestimmte Brauchtumstage wiederfinden werden. So werde sich sicherlich der Valentins,- der Mutter,- oder der Vatertag in der Gestaltung wiederfinden. Natürlich auch Ostern und Pfingsten. Möglich seien auch ganz individuelle Zusammenstellungen innerhalb des Sortimentes. „Ich hoffe, dass das Angebot an neuer Stelle ankommt und die Kunden treu bleiben.“

Allerdings, auch wenn das Confiserie-Sortiment weiterhin erhalten bleibt, ein probates Mittel gegen den Leerstand ist es nicht. Derzeit sind rund die Hälfte der etwa 50 Innenstadtläden ohne Nutzung. Einige davon werden nun aber belegt. Seit dem vergangenen Jahr gibt es in der Brandenburger Straße eine Galerie, wo sonst ein Ladenlokal leer gestanden hätte. Auch an der Kreuzung der Brandenburger- zur Bahnhofstraße tut sich etwas.

Dort wird bereits an der Wiederbelegung gearbeitet, auch wenn an dieser Stelle wie auch in anderen Geschäften kein Einzelhandel mehr einziehen wird. Ähnliches gab es auch im ehemaligen Geschäft Buch & Papier, wo sich seit Mitte des Jahres ein Augenarzt befindet. Leer stehen lassen wird Christiane Ehlert, die als Pensionärin mehr mit ihrem Mann gemeinsam unternehmen und sich um die Enkel kümmern möchte, das Geschäft nicht. Vielleicht, überlegt sie laut, lasse sie es zu einer altengerechten Wohnung umbauen.