Genthin l Fernab der Heimat verbrachte Kenneth Ventress die Feiertage. Der 21-Jährige aus Arkansas in den USA lebt seit Sommer 2019 für ein knappes Jahr bei Familie Förste in Jerichow. „Das ist für mich das erste Mal, dass ich über Weihnachten und Neujahr nicht bei meiner Familie war“, berichtet Kenneth in sehr gutem Deutsch. Heimweh komme kaum auf.

Unterschiedliche Bräuche

Denn schließlich ließ sich seine Gastfamilie immer etwas einfallen, um aus dem Aufenthalt etwas Besonderes zu machen. Im Dezember ging es etwa nach Österreich. „Da gab es Winter mit Schnee“, berichtet der junge Mann. In Jerichow und Genthin sei davon bislang wenig zu sehen gewesen.

Auch seien die Bräuche zu Weihnachten und Silvester etwas anders. So gebe es in seiner Heimat kaum Weihnachtsmärkte, auch sei Santa Claus Weihnachtsmann und Nikolaus zusammen. In den USA seien Weihnachtsparaden sehr verbreitet, was es in Deutschland kaum gebe. Noch etwas war anders: „In Deutschland ist der 24. Dezember der Tag der Geschenke, in den USA ist es der Morgen des 25. Dezembers.“ Ungewöhnlich sei für ihn auch, dass zu Silvester sehr viel privates Feuerwerk verschossen würde. „In den USA geht man zu öffentlichen Feuerwerken.“

In Gästewohnung untergebracht

Ihm gefalle der Aufenthalt in Deutschland und seiner Gastfamilie, sagt er. Auch wenn es ein ganz anderes Leben sei, als in seiner Heimat. Dort hat der 21-Jährige sechs Geschwister und lebt unter der Woche im Internat. In Jerichow lebt er mit seinen Gasteltern und seiner Gastschwester Maya.

„Viel in die Quere kommen wir uns nicht, denn Kenneth ist in der Gästewohnung untergebracht“, erzählt sie. Die 17-Jährige war es auch, die vor geraumer Zeit mit der Idee nach Hause kam, einen Austauschschüler aufzunehmen, nachdem es im Bismarck-Gymnasium eine Informationsveranstaltung zu Austauschjahren gab. „Wir haben uns damit beschäftigt und fanden es interessant“, fügt Mutter Nicole Förste hinzu. Da sie ein Reisebüro betreibt, steht sie anderen Ländern ohnehin aufgeschlossen gegenüber.

Bundestagsprogramm macht Austausch möglich

Mithilfe eines Parlamentarischen Patenschafts-Programmes (PPP) des Bundestages und der Organisation Youth For Understanding (YFU) wurde der Aufenthalt umgesetzt. „Es gab einige Schüler, die in die engere Wahl kamen und irgendwann bekamen wir eine E-Mail von Kenny, in der er sich locker vorstellte“, erzählt Nicole Förste.

Schon war das Eis gebrochen. Bis zum Sommer bleibt Kenneth in Deutschland und geht wie seine Gastschwester zur Schule ins Genthiner Gymnasium. Dort wurde er auch gleich für das Weihnachtskonzert eingespannt. „Chorleiterin Anke Held hat gesagt, die Austauschschüler machen immer beim Konzert mit“, erinnert sich Kenneth an die resolut-freundliche Einladung, die er nicht ablehnen konnte. So wurde der US-Amerikaner zum Sänger in fünf vorweihnachtlichen Konzerten in Genthin.

Überwinden von Vorurteilen

Pate seines Aufenthaltes ist übrigens der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Behrens, der das Austauschjahr aktiv begleitet. Für ihn ist eine solche Aktion, eine gute Möglichkeit des Kennenlernens und zur Überwindung von Vorurteilen. So war es auch bei Kenneth. „Ich habe vorher gedacht, dass die Deutschen sehr streng sind und wenig Humor haben, aber sie lachen sehr viel und sind sehr nett“, sagt er.

Auch würden die Deutschen viel leiser und bedächtiger sprechen, als die oft sehr mitteilungsfreudigen Amerikaner. Dennoch: Für die deutschen Gastgeber, ermöglicht der junge Mann einen anderen Blick auf ein Land, dass derzeit mit politischen Konfrontationen in den Schlagzeilen steht und dessen Präsident insbesondere in Europa nicht sehr beliebt ist. Für Familie Förste und ihren Gast, spielt die Politik im Zusammenleben überhaupt keine Rolle.

Viel eher staunt der Gast über das Leben im ländlichen Gebiet. „Man wohnt viel dichter zusammen, als in amerikanischen Vorstädten, wo alles viel weitläufiger ist.“ Auch werde der Nahverkehr nicht so umfangreich angeboten, wie in Deutschland. „Hier kann man sehr gut mit Bus und Bahn unterwegs sein.“

In den USA haben viele junge Leute bereits mit 16 Jahren einen Führerschein, um mobil zu sein. Unterwegs sein, wird auch Kenneth. Im Februar steht ein Ski-Urlaub an. Auch wird er den Bundestag in Berlin besuchen und es gibt Treffen mit anderen Austauschschülern. Das neue Jahr wird ereignisreich, ist er sich sicher.