Genthin l „Schach ist Krieg und Liebe gibt es nicht“, behauptet Peer und lässt sich auch nicht von seiner Freundin Lisa überzeugen, die sagt: „Die Welt ist bunt“. Dieser Dialog ist Auftakt für ein turbulentes Musical. „Schach 2.0“ von Autor Andreas Schmittberg erzählt eine Geschichte um Themen wie Krieg, Flucht und Zwangsheirat unter Zuhilfenahme der Figuren auf dem Schachbrett. Türme, Läufer, Bauern, Pferde, Königin und König. Im Mittelpunkt stehen aber zwei Figuren, die es im Schachspiel nicht gibt: Prinzessin Luna weiß und Prinz Zero schwarz. Vor dem Palast revoltieren die weißen Bauern, wollen ihren König stürzen. Der schläft am liebsten und verpasst die drohende Kriegsgefahr mit dem schwarzen Nachbarreich. „Das habe ich gar nicht mitbekommen“, meint er gähnend, als ihn seine Türme ins Vertrauen ziehen.

Die resolute Königin übernimmt die Amtsgeschäfte und schmiedet einen Plan: Luna und Zero sollen heiraten, die Länder Weiß und Schwarz vereinen und den Krieg so vereiteln. Doch die Kinder mögen sich nicht, fliehen, lernen sich zufällig kennen und verlieben sich ineinander. Die Parallelen zu Büchners Lustspiel um zwei Königskinder sind deutlich. Einzig die dort für die Handlung zentrale Maskerade fehlt.

Mit großer Hingabe verliehen die Schüler ihren Figuren Kontur. Abby Graff und Sebastian Witte trugen das Stück mit ihren Doppelrollen. Sebastian spielte den sportlich-quirligen Prinzen mit Charme und Selbstbewusstsein, Abby die frustrierte, dauermampfende Prinzessin mit Trotz und Empfindsamkeit. Immer wieder setzte Kim Vu als forsche Amme humoristische Akzente.

Das Spiel von Luisa Jakob und Jonas Hahm als Königin und König sorgte ebenfalls für Lacher. Etwa wenn die Königin ihren verschlafenen Ehemann als Schlafmütze und Penner bezeichnete und ihm mitteilte, dass sie nun das Sagen habe. Aber nicht nur die Sprechrollen waren vorzüglich besetzt, auch der Kinderchor des Bismarck-Gymnasiums und die Solisten Samantha Matthäus, Pia Masood und Benjamin Buyny leisteten ganze Arbeit. Die Chormitglieder, als Schachfiguren deklariert, standen anfangs noch in schwarze und weiße Figuren getrennt. Am Ende mischten sich die Figuren, denn so die Aussage des Stückes: „Schwarz oder weiß, du musst dich nicht entscheiden, es gibt ein Vielleicht.“

Die Lieder, live gesungen zur aufgezeichneten Musik, wurden vom Chor gut verständlich intoniert. Selbst ein etwas sperriger Text, wie der über den Eisverkäufer Pablo, ging den jungen Sängern locker über die Lippen. Die Titel umrahmten die Handlung, leiteten zur nächsten Szene über. Kleine Choreografien oder sprachliche Spiele, wie etwa zwei sprechende Pferde, die ihre Sätze mit einem lauten Hüüü beenden, lockerten die Aufführung auf.

Überhaupt zeigten die jungen Akteure ein gutes Gespür für Pausen, für die Wirkung von Mimik, Gestik und Pointen. Der tosende Beifall am Ende war verdient. Denn viel Arbeit erledigten die Schüler in ihrer Freizeit. Darsteller Sebastian Witte verriet: „Ich habe die Sommerferien zum Lernen des Textes genutzt.“

Auch der Chor beschäftigte sich lange mit den Musikstücken. „Etwa ein Schuljahr haben wir an den Liedern geprobt“, berichtet Chorleiterin Anke Held. „In der Woche vor der Aufführung waren wir bis 15 Uhr in der Schule, um der Aufführung den letzten Schliff zu geben“, fügt Musiklehrerin Angelika Döbberthin hinzu. Dabei habe es eine Reihe von Aufregungen gegeben, auch der Verlust eines Backenzahns sei zu beklagen gewesen.

Doch letztlich lohnte der Aufwand. Mit den Spenden, die nach der Aufführung gesammelt wurden, wird der Förderverein des Gymnasiums bedacht, der die kulturellen Aktivitäten unter anderem bei der Anschaffung von Kostümen oder Kulissen unterstützt.