Genthin l Per E-Mail wird zu Ratssitzungen eingeladen, online sind die Themen von Fachausschusssitzungen abrufbar, Daten von Bürgern werden in den Verwaltungscomputern gesammelt.

Daten der Einwohner

Im Genthiner Rathaus laufen tagtäglich unzählige Daten zum städtischen Geschehen oder zu Einwohnern auf. Mittlerweile sehr routiniert. Durchbrochen wurde diese Routine, als vor rund zehn Tagen bekannt wurde, dass ein Hacker eine Vielzahl privater Daten von Politikern und Prominenten ausgespäht und veröffentlicht hatte. „Sind die Daten der Bürger sicher?“, fragten einige Genthiner danach. „Ja“, heißt es aus dem Rathaus.

„Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung erhalten Schulungen im Bereich der Datenschutzgrundverordnung und setzen diese um“, sagt Alexandra Adel vom Fachbereich Verwaltung/Bürgerservice. Sie reagiert auch eher gelassen. „In Bezug auf die derzeitigen Hackerangriffe wurden keine spezielleren Anweisungen erlassen.“

Mit den seit dem vergangenen Jahr geltenden Bestimmungen der Grundverordnung (DSGVO) sind die Anforderungen an die Verarbeitung persönlicher Daten deutlich gestiegen, auch was Sicherungspflichten angeht. Zudem gibt es mit Thomas Rindert einen erfahrenen IT-Experten und Administrator, der die Technik im Rathaus seit Jahren auf einem aktuellen Sicherheitsstand hält.

Schulung mit Tablets

Rindert begleitete auch die Einführung der papierlosen Ratsarbeit vor sechs Jahren fachlich, schulte die Stadträte im Umgang mit den Tablets, wies aber auch auf Sicherheitsbestimmungen hin. „Im Bereich der digitalen Ratsarbeit wurden alle Stadträte belehrt und erhalten Sicherheitsunterweisungen“, sagt Alexandra Adel.

„Wir haben mehrere Schulungen bekommen, nicht nur zur Handhabung der Geräte, sondern auch zur Sicherheit“, bestätigt Stadtrat Horst Leiste (SPD). Genau wie sein Grünen-Kollege Lutz Nitz nutzt er das Dienst-Tablet in erster Linie für Belange, die die Ratsarbeit angehen. „Bei mir laufen etwa nur E-Mails auf meine städtische Adresse ein“, sagt Nitz, der sich als Nutzer in der Pflicht sieht, umsichtig mit dem Datenaufkommen umzugehen.

Man stelle seitens der Stadt ein recht sicheres Betriebssystem zur Verfügung, dennoch sollte man als Nutzer bei Recherche und Nutzung von Apps Vorsicht walten lassen.

„Im digitalen Zeitalter wird von mir als Nutzer von digitalen Medien eine höhere Eigenverantwortung und Sensibilität abverlangt.“ Nitz verweist etwa auf die Täuschung durch soziale Bots in sozialen Netzwerken. Dahinter verbergen sich Computerprogramme, die agieren, als wären sie menschliche Gesprächspartner.

Stadtrat Alexander Otto (CDU) achtet beim Empfang von E-Mails auf ein seriöses Erscheinungsbild der eingehenden Zuschriften. „Wenn dort ein eigentümlicher Name als Absender verwendet, auf Links verwiesen wird oder ausführbare Anhänge vorhanden sind, landen diese Mails gleich im Papierkorb.“ Die Stadt habe zudem einen gut funktionierenden Spam-Ordner.

Seitens der Stadt werden zudem Verwaltungsangestellte und auch Stadträte regelmäßig aufgefordert, ihr Passwort für die Nutzung der Tablets zu ändern. Alexander Otto, der sich als Unternehmensberater mit Datensicherheit befasst, hat dafür einen Tipp: „Denken Sie sich einen Satz aus, den Sie sich gut merken können und fügen Sie Zahlen und Sonderzeichen ein, dann erhalten Sie ein relativ sicheres Passwort mit bis zu 25 Zeichen.“ Hilfreich könnten Sequenzen aus Liedtexten sein, die man auswendig kann, Satzanfänge aus Lieblingsbüchern oder Filmtitel.